Aktien von Nebius und CoreWeave nach Kurssturz: Wird Meta vom Kunden zum Rivalen?
Meta Platforms könnte vom Großkunden zum Konkurrenten werden: Der mögliche Aufbau eines eigenen Cloud-Geschäfts belastet die Aktien von Nebius und CoreWeave.
Werte in diesem Artikel
- Nebius und CoreWeave unter Druck
- Meta baut wohl eigenes Cloud-Geschäft für Rechenkapazität auf
- Meta ist zugleich Kunde und möglicher Rivale von Nebius und CoreWeave
Die Nebius-Aktie schloss am Freitag an der NASDAQ um 15,02 Prozent tiefer bei 187,77 US-Dollar. Vorbörslich geht es am Montag jedoch zeitweise wieder um 5,33 Prozent auf 197,77 US-Dollar nach oben. Auch die CoreWeave-Aktie geriet am Freitag unter Druck und beendete den Handel an der NASDAQ um 11,37 Prozent tiefer bei 71,88 US-Dollar, vorbörslich notiert sie um 3,76 Prozent höher bei 74,58 US-Dollar.
Einen frischen, unternehmensspezifischen Auslöser für den gemeinsamen Kursrutsch gab es vor dem Wochenende nicht. Er fällt vielmehr in eine Phase, in der Anleger seit Wochen eine grundsätzlichere Frage umtreibt: Bleibt Meta Platforms ein zahlender Großkunde der beiden Neocloud-Anbieter, oder positioniert sich der Konzern zunehmend als Konkurrent auf demselben Markt?
Meta-Aktie: Doppelrolle als Kunde und möglicher Rivale
Auf den ersten Blick liest sich die Geschäftsbeziehung wie eine Erfolgsgeschichte: Meta Platforms hat mit CoreWeave einen erweiterten Vertrag über 21 Milliarden US-Dollar geschlossen, zusätzlich zu einer früheren Vereinbarung über 14 Milliarden US-Dollar, insgesamt also 35 Milliarden US-Dollar an Verpflichtungen. Mit Nebius unterzeichnete der Konzern im März einen Vertrag über bis zu 27 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre. Doch Bloomberg berichtete bereits am 1. Juli, dass Meta zusätzlich ein eigenes Cloud-Geschäft aufbaut, um überschüssige Rechenkapazität zu verkaufen, nachdem CEO Mark Zuckerberg einen Weiterverkauf mit Aufschlag angedeutet hatte. Die New York Times berichtete zudem laut The Motley Fool über Gespräche mit Anthropic über bis zu 10 Milliarden US-Dollar Rechenleistung über zwei Jahre. Ist Meta Platforms nun also ein wertvoller Kunde oder ein möglicher Konkurrent von CoreWeave und Nebius?
CoreWeave und Nebius-Aktie im Größenvergleich
Die beiden Unternehmen zählen zu den Neocloud-Anbietern, die Hochleistungs-Rechenzentren mit Grafikprozessoren von NVIDIA betreiben und die Kapazitäten an Firmen vermieten, die eigene KI-Anwendungen trainieren. CoreWeave ist dabei deutlich größer: Das Unternehmen meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von 2,08 Milliarden US-Dollar nach 982 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal sowie einen Nettoverlust von 740 Millionen US-Dollar; zudem sprach CoreWeave von mehr als 1 GW aktiver Leistung und über 3,5 GW vertraglich gesicherter Kapazität. Nebius berichtete für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von 399 Millionen US-Dollar nach 50,9 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal und eine vertraglich gesicherte Kapazität von mehr als 3,5 GW.
Zuckerbergs Risikobereitschaft hat Historie
Meta Platforms und Konzernchef Mark Zuckerberg müssen sich zur Cloud-Strategie voraussichtlich bereits am 29. Juli 2026 äußern, wenn der Konzern Quartalszahlen vorlegt. Bestätigt der Konzern dort konkrete Pläne für ein eigenes Verleihgeschäft mit Rechenkapazität, dürfte die Debatte über die künftige Kundenbeziehung zu Nebius und CoreWeave neu Fahrt aufnehmen. Dass Meta bereit ist, hohe Risiken einzugehen, zeigt die jüngere Vergangenheit: 2021 änderte das Unternehmen seinen Namen von Facebook in Meta Platforms und investierte danach rund 80 Milliarden US-Dollar in den Aufbau des Metaverse, ein Projekt, das inzwischen zu Stellenabbau in der Reality-Labs-Sparte geführt hat. Ob sich Meta stärker gegen CoreWeave und Nebius positioniert oder ambitionierter gegen etablierte Anbieter wie Alphabet, Microsoft und Amazon antritt, bleibt offen.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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