Aktien von Intel, AMD, Marvell & Co. gefragt: Erholung der US-Chipwerte trotz steigender Ölpreise und Zinssorgen?
Einen Tag nach dem Ausverkauf könnte den großen US-Chipwerte vor dem Wochenende eine Erholung bevorstehen. Diese Meldungen dürften dabei stützend wirken.
Werte in diesem Artikel
- US-Chipwerte mit Erholung nach Ausverkauf vom Vortag?
- Rekordumsatz bei TSMC und starke Zahlen von Oracle stützen die KI-Nachfrage
- Nächster Test sind Microns Quartalszahlen Ende September
Die großen US-Halbleiterwerte dürften sich am Freitag etwas erholen, nur einen Tag nach einem breiten Ausverkauf. Ausgelöst hatte den Rückschlag nicht die Verfassung der Branche, sondern die Angst vor steigenden Zinsen.
Ölpreissprung schürt die Zinsangst
Ein kräftiger Anstieg der Ölpreise auf über 108 US-Dollar je Barrel weckte vor der anstehenden US-Notenbanksitzung neue Inflationssorgen und traf die zinsreagiblen Technologiewerte am härtesten. Quer durch die Branche erlitten die Papiere am Donnerstag Verluste, negativ hervor stach die Intel-Aktie mit einem Minus von rund fünfeinhalb Prozent auf 100,32 US-Dollar, während AMD und die Marvell-Aktie ebenfalls klar im Minus schlossen. Heute gerieten dann auch Asiens Chipwerte unter Druck, wobei sich Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) vergleichsweise wacker hielt.
Nun erholten sich die Chipwerte am Freitag mehrheitlich: Die NVIDIA-Aktie verlor an der NASDAQ schlussendlich 0,03 Prozent auf 218,29 US-Dollar, während Micron Technology zunächst zulegt, dann jedoch moderat ins Minus drehte. Intel stieg um 2,61 Prozent auf 102,94 US-Dollar und für die Titel von AMD ging es heute bis Handelsende 2,49 Prozent auf 516,13 US-Dollar hoch, während Marvell Technology 4,03 Prozent auf 236,10 US-Dollar stiegen.
KI-Nachfrage liefert die Gegenbewegung
Für die Erholung dürften vor allem frische Belege sorgen, dass die Nachfrage nach KI-Chips ungebrochen ist. TSMC meldete für August einen Rekordumsatz, der den Vorjahreswert um mehr als die Hälfte übertraf. Daneben überzeugt Oracle: Der Umsatz des Cloud-Konzerns kletterte im abgelaufenen Quartal um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar und lag damit über dem Analystenkonsens, während sich die Erlöse aus der Cloud-Infrastruktur, im Kern KI-Rechenzentren, auf 7,4 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelten.
Kaufsignale bei NVIDIA und Micron mehren sich
Darüber hinaus verdichten sich die Signale für eine breitere Wende bei den Wachstumswerten. Nach Einschätzung von Barron's zeigen Schwergewichte wie NVIDIA und die Micron-Aktie erste Anzeichen einer Erholung gegenüber dem Gesamtmarkt, weil sie sich zuletzt selbst an schwachen Handelstagen robuster hielten. Rückenwind kommt von der Geldpolitik: Solange Fed-Chef Kevin Warsh keine baldige Zinssenkung signalisiert, gewinnen Unternehmen mit strukturellem statt konjunkturellem Wachstum an Attraktivität. Die Royal Bank of Canada sieht den Gewinnausblick laut Chefstrategin Lori Calvasina weiterhin klar bei Technologie und Wachstum.
Ein für Anleger interessanter Termin dürfte Ende September bevorstehen, wenn Micron seine Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vorlegt. Bestätigt der Speicherspezialist den Nachfragetrend bei Chips für KI-Server, dürfte das über den Sektor hinaus Signalwirkung haben. Ob die Zinsangst die Erholung wieder einholt, entscheidet sich zugleich an der Fed-Sitzung in der kommenden Woche.
Julia Walter, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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