Vermögensverwalter-Kolumne

Strommix der Zukunft – auch die Kernfusion wird eine Rolle spielen müssen


Strommix der Zukunft – auch die Kernfusion wird eine Rolle spielen müssen | finanzen.net

Trotz Gegenwind aus Washington, auch in den USA steigt der Anteil der Erneuerbaren bei der Stromproduktion. Doch im „Hintergrund“ lauert schon eine neue Technologie, die Kernfusion. Wie Anleger an dieser Entwicklung partizipieren können.

Vereinen ist besser als spalten. Was für Politik und Gesellschaft gilt, führt womöglich auch in der Energieerzeugung zu guten Ergebnissen. Fusion statt Spaltung, Atome miteinander verschmelzen, statt sie aufzuspalten. Die Kernfusion ist der große Hoffnungsträger der Energiewirtschaft – eine nahezu unbegrenzte Energiemenge, hohe Sicherheit und kaum radioaktiver Abfall. Dabei ist die Fusion quasi ein natürlicher Vorgang, zumindest im planetarischen Umfeld. Die Sonne ist nämlich nichts anderes als eine riesige Kernfusion.

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Kernfusion als wichtiger Baustein im Strommix der Zukunft

Vor knapp fünf Milliarden Jahren durch den Kollaps einer gigantischen Staub- und Gaswolke angestoßen, läuft die Kernfusion heute noch – und liefert die Energie für unser Planetensystem einschließlich dem Leben auf der Erde. Dieses Prinzip will man nun nachahmen. Weltweit wird an Kernfusionsreaktoren gearbeitet. Dabei stößt man jedoch auf ganz praktische Probleme. Ein Beispiel: Bei den Temperaturen, die bei der Kernfusion entstehen, schmilzt jedes Metall. Man muss die Fusion also irgendwie in der Schwebe halten und sie darf nichts berühren; das geht etwa in einem riesigen Magnetfeld. Und: Um die Kernfusion einmal anzustoßen, braucht man sehr viel Startenergie, 100 Millionen Grad Celsius und mehr. Auch die muss erzeugt werden, weshalb in Betrieb befindliche Versuchsreaktoren derzeit noch mehr Energie benötigen als sie ausstoßen.

Die Erneuerbaren als Übergangslösung

Probleme, die man lösen kann, sagen Forscher und Technologieunternehmen. Letztere arbeiten mit Hochdruck an Fusionsreaktoren, weil ohne Energie kein Rechenzentrum funktioniert – und damit auch der Künstlichen Intelligenz Grenzen (KI) gesetzt sind. Microsoft etwa unterzeichnete bereits 2023 einen Vertrag mit dem Startup Helion, das ab 2028 Strom aus der Kernfusion liefern will. Ebenso gibt es Verträge zwischen Alphabet und dem Startup Commonwealth Fusion Systems zum Bau eines Fusionsreaktors. Der soll irgendwann in den 2030er-Jahren in Betrieb gehen.

Doch das sind nur grobe Planungen. Wann genau die Kernfusion „marktreif“ wird, weiß man schlicht und ergreifend nicht. Bis dahin setzt man auf die erneuerbaren Energien, quasi als Übergangslösung. So steigt seit Jahren der Anteil von Wind, Sonne und Wasser bei der Erzeugung von Strom, auch in den USA. Trotz Gegenwind aus Washington – US-Präsident Donald Trump propagiert Gas und Kohle – stoßen die Erneuerbaren vor. Nach Einschätzung der US-Energieinformationsbehörde, kurz EIA, sollen über 80 Prozent des aktuellen Zubaus an allen Stromerzeugungskapazitäten in diesem Jahr auf Sonne und Wind entfallen.

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Die KI braucht immer Strom

Dabei ist unter Experten eine hitzige, manchmal auch nicht ganz sachlich geführte Diskussion entbrannt, ob man mit den Erneuerbaren allein den wachsenden Strombedarf decken könnte, und damit die Kernfusion eigentlich überflüssig wäre. Immerhin dürfte der von den Rechenzentren in den USA hervorgerufene Strombedarf allein zwischen 2023 und 2030 um 80 Prozent steigen. Das US-Energieministerium kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Demzufolge verbrauchten Rechenzentren 2023 rund 100 Terawattstunden, eine Verdreifachung gegenüber 2014. Das Wachstum soll sich in den nächsten Jahren infolge von KI nochmals erheblich beschleunigen. Bis 2028 sagt die Behörde im konservativen Szenario einen Anstieg auf knapp 250 Terawattstunden voraus.

Der ganze Strom muss irgendwie produziert werden. Ob das mit den Erneuerbaren gelinkt, ist wie gesagt umstritten. Zumal neben Wind-, Sonnen- und Wasserkraftanlagen auch große Speicher errichtet werden müssen, da die Rechenzentren keinen Stromausfall dulden. Ob die Sonne scheint oder nicht, ob Wind weht oder nicht, die KI braucht immer Strom – und nicht nur die.

Am Ende, so eine mögliche Schlussfolgerung, wird es wohl auf einen Energiemix aus Erneuerbaren und Kernfusion hinauslaufen, dies nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und daher werden auch wie immer Aktien langfristig profitieren könnten.

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von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln, www.zschaber.de

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