Vermögensverwalter-Kolumne

USA läuft Deutschland und Europa davon


Für die Aktienmärkte ist der Iran-Krieg so gut wie gelaufen. Die Börsianer gehen von einem guten Ausgang im Nahen Osten aus.

Seit Ende der Kampfhandlungen Anfang April sind die Märkte wieder im risk-on-Modus. Besonders IT- und Chip-Werte sind gefragt. Die Tech-Börse NASDAQ hat zum Höhenflug angesetzt. Aber auch der S&P 500 hat neue Allzeithochs erreicht. US-Aktien strotzen vor Kraft.

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In Deutschland und Europa spielt die Musik etwas leiser. Zwar haben sich auch die hiesigen Aktienmärkte erholt, aber die alten Hochs vom Jahresanfang konnten bisher noch nicht übertroffen werden.

Wenn es nach den ökonomischen Rahmenbedingungen ginge - vor allem im Hinblick auf den Ölpreis -, wäre jetzt im Mai auch aus saisonaler Sicht der passende Zeitpunkt, um auf den Verkaufsbutton zu drücken. Aktuell werden Kursschwankungen aber eher durch vorübergehende Nachrichten ausgelöst als durch echten Verkaufsdruck. So kann der Markt in einem Umfeld voller Skepsis eher sogar weiter steigen.

Bei den Energiepreisen hoffen viele darauf, dass der Ölpreis bald wieder fällt oder zumindest nicht noch weiter steigt. Trotzdem bleibt das zarte Konjunkturpflänzchen gerade in Deutschland in Gefahr. Denn die bisherige Kursdynamik im Ölpreis spricht - vielleicht nach einem Rücksetzer - zumindest mittelfristig für sehr viel höhere Preise. Dass der Ölpreis-Schock womöglich nicht nur kurzlebig ist, legen auch Aussagen von Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser nahe. Der Öl-Markt verliere durch die Hormus-Blockade wöchentlich rund 100 Millionen Barrel Öl. Während in normalen Zeiten rund 70 Schiffe jeden Tag die Meerenge passierten, seien es aktuell nur noch zwei bis fünf.

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Von dem Militär-Eingriff der Amerikaner im Persischen Golf bleibt der fade Beigeschmack, dass hier aus Großmachtdenken und nicht klar definierten Zielen Chaos für die ganze Welt entstanden ist. Man macht, was man will - weil man es kann. Der Rest der Welt hat die Konsequenzen zu tragen. Doch schon in der Vergangenheit waren US-Militäraktionen vor allem Materialschlachten - man denke an Vietnam, Afghanistan, Irak -, der Abgang oft unrühmlich und die Hinterlassenschaft ordnungspolitisch fragwürdig. Auch die Hau-Ruck-Aktion in Venezuela hat für die Bevölkerung keine echte Veränderung oder neue Stabilität gebracht.

Es wird somit spannend sein, zu sehen, wie sich die Amerikaner diesmal wieder aus der Affäre ziehen wollen. Der US-Präsident hatte ja bereits signalisiert, dass die USA nicht auf die Straße von Hormus angewiesen ist und Öl auch bei ihnen eingekauft werden kann.

Dennoch ist selbst die USA nicht völlig losgelöst vom Weltgeschehen, auch wenn sich die USA weitgehend selbst mit Öl versorgen. Die US-Inflationsrate ist im April auf 3,8% gestiegen, vor allem wegen höherer Preise für Benzin, Diesel und Heizöl. Tankstellendaten zeigen, dass die Kosten für Benzin und Diesel aktuell rund 50% höher sind als noch vor einem Jahr.

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Der designierte Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Kevin Warsh, steht damit vor der Herausforderung, die Preisentwicklung korrekt einzuschätzen. Die nächste Zinssitzung der US-Notenbank steht Mitte Juni bevor - es wird die erste unter seinem Vorsitz sein. Eine Veränderung des Zinssatzes wird zunächst nicht erwartet. Die

Aussichten auf erhoffte Zinssenkungen trüben sich allerdings ein. Die Fed schlug zuletzt sogar deutlich "falkenhaftere" Töne an, die sogar Zinserhöhungen nicht mehr grundsätzlich ausschließen - also genau das Gegenteil von dem was Trump immer will.

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Von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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