Alphabet-Aktie zieht an: KI keine Gefahr für Suchmaschine - Warum ein Experte darin sogar eine Chance sieht
Ein Analyst sieht bei Alphabet mehr Aufwärtspotenzial als je zuvor, und ausgerechnet die künstliche Intelligenz soll dabei der Treiber sein.
Werte in diesem Artikel
- Mark Mahaney von Evercore erhöht Kursziel für Alphabet-Aktie
- Laut Umfrage wählen weiterhin 78 Prozent Google als bevorzugte Suchmaschine
- Abstand zwischen Google Gemini und ChatGPT schmilzt auf ein Rekordtief
Die Alphabet-Aktie profitiert von einer Technologie, die dem Kerngeschäft des Konzerns eigentlich hätte schaden sollen. Analyst Mark Mahaney von Evercore ISI hebt sein Kursziel für die Aktie in einer Analyse von Mittwoch von 420 auf 450 US-Dollar an, nachdem eine hauseigene Umfrage zeigt: Die Google-Suche hat sich mitten in der KI-Welle nicht wie erwartet abgeschwächt, sondern ihre Stellung sogar ausgebaut.
Im NASDAQ-Handel am Freitag zeigt sich die Aktie nach dem Plus am Vortag erneut fester: Zeitweise geht es um 0,98 Prozent aufwärts auf 350,75 US-Dollar.
Google verteidigt seine Stellung in der Suche
Wie MarketWatch berichtet, wählten in der Umfrage von Evercore ISI aus August 78 Prozent der Befragten weiterhin Google als bevorzugte Suchmaschine. Laut Mahaney hat sich diese Stellung in den vergangenen vier Quartalen sogar gefestigt, nachdem sie 2024 und Anfang 2025 einen Tiefpunkt erreicht hatte. In der Umfrage gaben 60 Prozent der Teilnehmer an, seit der Nutzung von KI mehr statt weniger zu suchen, nur etwa acht Prozent suchten seltener. Bei Themen wie Flug- und Hotelbuchungen, Reiseplanung oder Restaurantsuche sei Google über alle Altersgruppen hinweg zudem weiterhin die erste Anlaufstelle.
KI treibt Suchvolumen und Werbegeschäft
Statt Anfragen an Chatbots zu verlieren, meldet Google durch den KI-Einsatz laut Mahaney sogar ein spürbares Plus beim gesamten Suchvolumen. Auch für Werbetreibende zahle sich das aus, da die KI-gestützte Suche zu Leads mit höherer Konversionsrate führe. Bei kommerziell ausgerichteten Suchanfragen, dem für Google finanziell wichtigsten Segment, bleibe die Position damit breit und stabil. Das entkräftet aus Mahaneys Sicht die Sorge vieler Anleger, das eigene KI-Angebot könnte dem klassischen Suchgeschäft die Erlösbasis entziehen.
ChatGPT verliert an Fahrt, Google Gemini holt auf
Ganz anders fällt die Entwicklung bei ChatGPT aus. Der Chatbot von OpenAI bleibe langfristig zwar der klare Gewinner bei Marktanteilen, sei jedoch von seinem Hoch im August 2025 mit damals 13 Prozent auf zuletzt zehn Prozent der Befragten als bevorzugtes Suchwerkzeug zurückgefallen, seit Mai 2025 stagniere der Wert weitgehend. Das dämpft die These, KI-Chatbots würden die klassische Suche im Eiltempo verdrängen.
Zugleich schließt Google mit dem eigenen Sprachmodell Gemini zu ChatGPT auf: Der Abstand zwischen beiden Diensten bei der Nutzung als KI-Anwendung ist auf drei Prozentpunkte geschrumpft, den niedrigsten in der Erhebung gemessenen Wert. Im August 2024 hatte die Lücke noch elf Punkte betragen. Für Alphabet bedeutet das eine doppelte Entlastung: Die Kernsuche hält stand, und im direkten KI-Duell mit OpenAI verkürzt sich zugleich der Rückstand.
Wachstumstreiber jenseits der klassischen Suche
Mahaney sieht für Alphabet zudem weitere Impulse abseits des Suchgeschäfts: die eigene Gemini-App, den Verkauf hauseigener Chips an externe Kunden sowie das Robotaxi-Geschäft von Waymo. Ein möglicher Kurstreiber sei zudem das nächste Gemini-Modell, sofern es sich gegen die führenden Systeme von OpenAI und Anthropic durchsetzen kann. Beobachtet wird laut Mahaney außerdem, ob der KI-Assistent Gemini Spark bei Privatnutzern Fuß fasst, nachdem sowohl Meta Platforms als auch das KI-Start-up Instinct zuletzt vielbeachtete eigene Produkte gestartet haben.
Was die Einschätzung für Anleger der Alphabet-Aktie bedeutet
Für Anleger entkräftet Mahaneys Analyse eines der zentralen Sorgenszenarien der vergangenen Quartale: dass Alphabets Kerngeschäft durch die eigene KI-Strategie ausgehöhlt werden könnte. Bleibt die Suche stattdessen stabil oder wächst sogar, während gleichzeitig neue Erlösquellen wie Cloud, Chip-Verkäufe und Waymo hinzukommen, spricht das für eine breitere und robustere Ertragsbasis als bislang von vielen Marktteilnehmern eingepreist. Die Kurszielanhebung auf 450 US-Dollar signalisiert entsprechend, dass Mahaney hier zusätzliches Aufwärtspotenzial sieht, das über die reine Verteidigung des Status quo hinausgeht.
Gleichzeitig bleibt die Einschätzung eine Momentaufnahme auf Basis einer einzelnen, hauseigenen Umfrage – die tatsächliche Entwicklung von Suchvolumen, Werbeerlösen und dem KI-Wettbewerb mit OpenAI und Anthropic wird sich erst in den kommenden Quartalszahlen endgültig zeigen. Anleger sollten daher im Blick behalten, ob sich der beschriebene Trend in den offiziellen Geschäftszahlen von Alphabet bestätigt, und wie nachhaltig der Vorsprung bei kommerziell wichtigen Suchanfragen angesichts wachsender KI-Konkurrenz tatsächlich ist.
Benedict Kurschat, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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