Siemens Energy-Aktie vor wichtigem Termin gesucht: Was bringt der Pre-Close-Call?
Bei Siemens Energy stehen in dieser Woche mehrere wichtige Weichenstellungen an. Die Aktie reagiert zum Wochenstart bereits.
Werte in diesem Artikel
- Kurz vor der Stillhalteperiode gibt Siemens Energy letzte Einordnungen
- Im Kontrollgremium vollzieht sich ein personeller Wechsel an der Spitze
- Analysten sehen Kursverluste gelassen
Siemens Energy steht vor einem wichtigen Termin: Am Mittwoch hält das Unternehmen den Pre-Close-Call zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 ab, kurz bevor die Stillhalteperiode vor der eigentlichen Bilanzvorlage beginnt. Parallel dazu wechselt mit Pekka Lundmark ein neuer Vertreter der Siemens AG in den Aufsichtsrat.
Pre-Close-Call: Warum der Termin auch für Anleger wichtig ist
Siemens Energy lädt am Mittwoch zum Pre-Close-Call. Der Termin findet unmittelbar vor Beginn der Quiet Period statt und soll Marktteilnehmern eine aktuelle Einordnung der Geschäftsentwicklung und der Rahmenbedingungen für das vierte Quartal geben, ohne bereits wesentliche Bilanzdetails vorwegzunehmen. Die ausführliche Ergebniskonferenz zum vierten Quartal und Gesamtjahr folgt erst am 11. November, wenn Siemens Energy die vollständigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2026 vorlegt.
Für Anleger dürfte dabei insbesondere die Frage im Mittelpunkt stehen, ob sich die zuletzt positive operative Entwicklung fortsetzt und ob der Konzern seinen für das Geschäftsjahr 2026 angehobenen Ausblick weiterhin erreichen kann. Siemens Energy erwartet derzeit ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent sowie eine Ergebnismarge vor Sondereffekten von 10 bis 12 Prozent. Beim Nettoergebnis peilt der Konzern rund 4 Milliarden Euro an, der Free Cashflow vor Steuern soll bei rund 8 Milliarden Euro liegen.
Entsprechend dürften Aussagen zur Auftragslage, zur Margenentwicklung und zur Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche besonders genau beobachtet werden. Auch die Frage, ob sich die hohe Nachfrage insbesondere in den Bereichen Netze und Gas Services fortsetzt, könnte für die weitere Einschätzung der Geschäftsentwicklung relevant sein. Der Pre-Close-Call ersetzt dabei nicht die Quartalszahlen: Erst mit der Veröffentlichung der vollständigen Ergebnisse wird sich zeigen, wie sich Auftragseingang, Umsatz, Ergebnis und Cashflow im abgelaufenen Quartal tatsächlich entwickelt haben.
Siemens Energy: Wechsel im Aufsichtsrat
Zeitgleich mit dem wichtigen Termin vollzieht sich ein personeller Wechsel im Kontrollgremium. Matthias Rebellius (61) scheidet auf eigenen Wunsch und vorzeitig aus dem Aufsichtsrat aus, nachdem er zum Monatsende auch aus dem Vorstand der Siemens AG ausgeschieden ist. Das Amtsgericht München hat auf Vorschlag des Vorstands Pekka Lundmark (62) mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 zu seinem Nachfolger bestellt. Rebellius gehörte dem Gremium seit dem Spin-off von Siemens Energy im Jahr 2020 als einer von zwei Vertretern der Siemens AG an; über die dauerhafte Wahl Lundmarks entscheiden die Aktionäre formell erst auf der ordentlichen Hauptversammlung am 25. Februar 2027.
Lundmark bringt Erfahrung aus mehreren Führungspositionen mit: Er war von 2020 bis 2025 Vorstandschef von Nokia, davor leitete er den finnischen Energiekonzern Fortum und mehr als ein Jahrzehnt den Kranhersteller Konecranes.
Siemens Energy-Aktie im Fokus
Die Siemens Energy-Aktie legt im XETRA-Handel am Montag merklich zu und gewinnt zeitweise 1,04 Prozent auf 144,08 Euro. Seit Jahresstart haben Anleger zwar noch ein Plus von rund 16 Prozent in ihren Depots, die Dreimonatsperformance ist aber deutlich negativ. Von seinem im April erreichten Rekordhoch bei über 191 Euro bleibt der Anteilsschein damit weit entfernt. Neben Marktkonsolidierungen hatten insbesondere die größeren Schwankungen im Technologiesektor zuletzt dafür gesorgt, dass die Siemens Energy-Aktie von ihren Höchstständen zurückgekommen war.
Für die Analystengemeinde ist dies aber offenbar kein Grund, von der mehrheitlich positiven Bewertung des Anteilsscheins abzurücken. Zuletzt hatte die Privatbank Berenberg die Einstufung für Siemens Energy mit einem Kursziel von 205 Euro auf "Buy" belassen und bleibt damit bei ihrer Einschätzung, dass neue Höchstkurse möglich sind. Eine Erholung der deutschen Wirtschaft überlagere derzeit das politische Grundrauschen in Deutschland, schrieb Chris Armstrong am Donnerstag in seiner Strategiestudie. Konjunkturell gebe es positive Anzeichen dank fiskalpolitischer Impulse und steigender Exporte. Auch JPMorgan bewertet die Aktie unverändert mit "Overweight" für Siemens Energy. Die hauseigene halbjährliche Umfrage zum Investitionsverhalten habe die guten Nachfrageaussichten in den Bereichen KI-Rechenzentren, Halbleiter und im breiteren Hardware- und KI-Infrastrukturkomplex untermauert, schrieb Phil Buller am Mittwoch. Er sieht auch die positive Einschätzung des Investitionsgütersektors.
Im Mittelpunkt der kommenden Wochen steht nun die ausführliche Ergebniskonferenz, wenn Siemens Energy die vollständigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2026 vorlegt und zeigen muss, ob sich die im Pre-Close-Call skizzierten Trends bestätigen. Zudem dürfte sich zeigen, wie der Aufsichtsrat unter neuer Besetzung die laufende Verselbstständigung des Geschäftsbereichs Transformation of Industry sowie den geplanten Markenübergang zu Omterra begleitet.
Claudia Stephan, Benedict Kurschat, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Siemens Energy AG, Siemens Energy AG
