HelloFresh senkt Ziele drastisch - Anleger müssen sich auf weniger einstellen: Aktie fällt auf Rekordtief
HelloFresh senkt nach einem schwächeren Neukundengeschäft seine Jahresziele. Umsatz und bereinigtes EBITDA sollen 2026 nun deutlich niedriger ausfallen.
Werte in diesem Artikel
- HelloFresh senkt nach schwachem Neukundengeschäft seine Jahresprognose
- Umsatz soll währungsbereinigt nun um 9 bis 11 Prozent sinken
- HelloFresh-Aktie fällt auf Rekordtief und verliert seit Jahresbeginn knapp 60 Prozent
HelloFresh muss Abstriche bei seinen Zielen für das Gesamtjahr machen. Der im SDAX notierte Kochboxenversender hat seine Jahresprognose gesenkt, nachdem das vorläufige Ergebnis im dritten Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. In der jüngsten wichtigen Saison seien nicht so viele Neukunden gewonnen worden, wie es für die bisherige Prognose erforderlich gewesen wäre. HelloFresh verweist auf die Reduzierung der Marketingausgaben im dritten Quartal.
HelloFresh senkt Jahresprognose
Für das laufende Jahr erwartet HelloFresh nunmehr einen währungsbereinigten Umsatzrückgang um 9 bis 11 Prozent. Bislang war das Unternehmen nur von einem Rückgang am unteren Ende der Spanne von 3 bis 6 Prozent ausgegangen, während Analysten zuletzt ein Minus von 6,9 Prozent erwartet hatten.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wird nun auf währungsbereinigter Basis bei 350 bis 370 Millionen Euro und damit unter dem Analystenkonsens von 375,6 Millionen Euro gesehen. Bisher hatte HelloFresh 375 bis 425 Millionen Euro angepeilt.
Drittes Quartal bleibt hinter Erwartungen
Im dritten Quartal dürfte der Umsatz währungsbereinigt um 11 bis 12 Prozent gesunken sein nach einem Minus von 9,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Hier hatten Analysten mit einem Rückgang von 6,8 Prozent gerechnet.
Das bereinigte EBITDA dürfte auf währungsbereinigt 45 bis 55 Millionen Euro von 40 Millionen Euro im Vorjahr zugelegt haben. Der Analystenkonsens lautet auf 57,2 Millionen Euro.
HelloFresh mit Rekordtief
Die Aktien von HelloFresh sind am Freitag zweistellig abgesackt auf ein weiteres Rekordtief von 2,156 Euro. Damit waren sie das klare Schlusslicht im moderat steigenden Nebenwerteindex SDAX. Der Verlust der Papiere des Anbieters von Kochboxen und Fertigmenüs beläuft sich im laufenden Jahr auf 65 Prozent.
Die Berliner haben nach einem kräftigen Umsatzrückgang im dritten Quartal und enttäuschender Entwicklung des operativen Gewinns ihre Jahresziele zusammengestrichen. Das Unternehmen musste eingestehen, "dass in der Back-to-School-Periode nicht das Volumen an Neukunden gewonnen werden konnte, das erforderlich gewesen wäre, um die zuletzt veröffentlichte Prognose und die aktuelle Markterwartung für das Geschäftsjahr 2026 und für das dritte Quartal 2026 zu erreichen."
Aus Sicht des Experten Jo Barnet-Lamb von der Bank UBS unterstreicht dies die Sorgen um das grundsätzliche Umsatzpotenzial. Denn die Zeit nach den Ferien sei ein wichtiger Test dafür gewesen, ob die Investitionen in das Produktangebot greifen. Barnet-Lamb hätte sich zumindest eine Stabilisierung des Absatzes erhofft.
"Aus heutiger Sicht ist es für uns relativ schwer prognostizierbar, wie schnell es Hellofresh gelingt, das Kochboxengeschäft auf ein stabiles Niveau zu führen", kommentierte Thomas Maul von der DZ Bank. "Gleichzeitig haben wir derzeit Zweifel, ob der Konzern in der Kategorie Fertiggerichte nachhaltig profitabel wachsen kann."
Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan störte sich daran, dass Hellofresh nun die Ergebnisziele kürze, obwohl man zuvor noch Zuversicht ausgestrahlt habe. Das untergrabe das Anlegervertrauen weiter. Mit einer Neubewertung rechnet Diebel momentan nicht, angesichts der schlechten Berechenbarkeit jedweder Stabilisierung im Kochboxen-Geschäft und der Wachstumsdelle im Fertigmenü-Bereich.
Vom DAX in den SDAX
Wegen des hohen Börsenwerts war die HelloFresh-Aktie vom September 2021 bis September 2022 auch im DAX gelistet. Inzwischen ist das Papier nur noch im SDAX. Das Unternehmen wurde 2017 an die Börse gebracht, der Ausgabepreis lag bei 10,25 Euro.
Die ausführlichen Zahlen für das dritte Quartal wird HelloFresh am 5. November veröffentlichen.
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Bildquellen: HelloFresh SE
