Warren Buffetts Wette gegen Hedgefonds: Der Beweis für passives Investieren
Eine Wette über zehn Jahre sollte zeigen, ob aktive Fondsmanager den Markt schlagen können. Warren Buffetts Ergebnis liefert bis heute ein schlagendes Argument für passives Investieren.
Werte in diesem Artikel
• Buffett wettete 2008 eine Millionen US-Dollar gegen eine Auswahl von fünf Hedgefonds
• Die von Ted Seides ausgewählten fünf Hedgefonds kamen im Schnitt nur auf 2,2 Prozent Rendite pro Jahr
• Der Gewinn aus der Wette floss an eine gemeinnützige Organisation
Die Ausgangslage: Buffetts Wette gegen aktive Fonds
Im Krisenjahr 2008 stellte Warren Buffett, Chairman und ehemaliger CEO der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, eine öffentliche Behauptung auf: Kein Finanzprofi könne ein Depot aus mindestens fünf Hedgefonds zusammenstellen, das über einen längeren Zeitraum höhere Erträge abwirft als ein simpler Indexfonds auf den S&P 500. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, nahm nur ein einziger Branchenvertreter die Herausforderung an: Ted Seides, damals Manager bei der Anlagefirma Protégé Partners. Die beiden vereinbarten eine Laufzeit von zehn Jahren, beginnend im Januar 2008, mit einem Wetteinsatz von einer Million US-Dollar. Buffett setzte auf einen besonders günstigen Indexfonds auf den S&P 500, Seides wählte fünf Dachfonds aus, die ihrerseits in verschiedene Hedgefonds-Strategien investierten. Es handelte sich damit um einen klassischen Investmentfonds und nicht um einen börsengehandelten ETF im engeren Sinn, auch wenn beide Produktarten die gleiche passive Indexstrategie verfolgen.
Wie die Wette gegen die Hedgefonds ablief
Der Vergleich verlief alles andere als geradlinig. Im ersten Jahr, dem Finanzkrisenjahr 2008, verlor der S&P 500 rund 37 Prozent, während das Hedgefonds-Portfolio mit einem Minus von 23,9 Prozent deutlich glimpflicher davonkam, wie investopedia berichtet. Über die folgenden Jahre kehrte sich das Bild jedoch um, und der Abstand wuchs kontinuierlich. Bereits 2017, mehrere Monate vor Ablauf der Wette, gab Seides seine Niederlage öffentlich zu. Wie die WirtschaftsWoche mit direktem Zitat dokumentiert, erklärte er: "Die Wette ist vorbei. Ich habe verloren."
Das Ergebnis nach zehn Jahren
Am Ende der Laufzeit lag der S&P-500-Indexfonds bei einer durchschnittlichen jährlichen Performance von 7,1 Prozent, was einer Gesamtrendite von knapp 99 Prozent entspricht. Das Hedgefonds-Portfolio kam im gleichen Zeitraum nach Angaben der WirtschaftsWoche lediglich auf 2,2 Prozent pro Jahr. In absoluten Zahlen bedeutet das: Wer eine Million US-Dollar in die Hedgefonds investiert hätte, hätte einen Gewinn von 220.000 US-Dollar erzielt, während ein Anleger im Indexfonds 854.000 US-Dollar verdient hätte. Der Gewinn aus der Wette ging, laut buffettpedia, an die gemeinnützige Organisation Girls Inc. aus Omaha.
Warum aktive Fonds gegen den Index verloren
Buffett widmete dem Thema in seinem jährlichen Aktionärsbrief an die Berkshire-Hathaway-Investoren vier Seiten. Demnach bezeichnete er das Ergebnis für die Hedgefonds-Anleger als "jämmerlich - wirklich jämmerlich". Als Hauptursache nannte er die Gebührenstruktur der Branche: Hedgefonds verlangten typischerweise eine Festgebühr von zwei Prozent des verwalteten Vermögens sowie eine Erfolgsbeteiligung von einem Fünftel der Gewinne. Da die von Seides gewählten Fonds ihrerseits wieder in andere Hedgefonds investierten, fielen diese Kosten laut Buffetts Angaben teilweise doppelt an. Wörtlich schätzte er, dass über die neun betrachteten Jahre rund 60 Prozent aller Gewinne der fünf Fonds an die beteiligten Manager auf beiden Ebenen geflossen seien. Sein gewählter Indexfonds verlangte demgegenüber nur 0,05 Prozent Jahresgebühr.
Was Buffetts Wette für Anleger heute bedeutet
Buffett zog aus dem Experiment eine klare Schlussfolgerung für die meisten privaten Investoren: Wer nicht über die Zeit, das Wissen und die Disziplin verfügt, einzelne Aktien selbst auszuwählen, fahre im Durchschnitt und über längere Zeiträume mit preisgünstigen Indexfonds besser als mit aktiv gemanagten Produkten. Diese Kritik wiederholte er bereits im selben Aktionärsbrief für das Geschäftsjahr 2016 und erklärte, dass letztendlich die Vermögensverwalter viel Geld verdienten, wenn Wall-Street-Manager Billionen von US-Dollar verwalteten und dafür hohe Gebühren verlangten, nicht deren Kunden. Anleger, die auf der Suche nach Fonds seien, die den Markt schlagen könnten, hätten allein in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Kosten verursacht, wie Buffett in diesem Brief schätzte.
Paul Schütte, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Bill Pugliano/Getty Images
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