Warum die Apple-Aktie im Rennen um den Börsenwert gegen NVIDIA wieder Hoffnung schöpft
Apple hat mehrfach Börsengeschichte geschrieben. Nun mehren sich Anhaltspunkte, dass der iPhone-Konzern NVIDIA den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt wieder abnehmen könnte.
Werte in diesem Artikel
- Experten sehen Gründe für eine mögliche Rückkehr Apples an die Spitze der wertvollsten Unternehmen
- Chinas Cyberspace-Verwaltung (CAC) hat Apple Intelligence offiziell für iPhones zugelassen
- Globale Speicherchip-Knappheit mit drastisch gestiegenen DRAM-Preisen im Blick
Apples Weg zur Marktkapitalisierungs-Krone
Apple war über Jahre hinweg das wertvollste Unternehmen der Welt, bevor der Chiphersteller NVIDIA im Zuge des KI-Booms an die Spitze der globalen Rangliste rückte. Aktuell beziffert companiesmarketcap.com die Marktkapitalisierung von Apple auf etwa 4,724 Billionen US-Dollar, womit der Konzern hinter NVIDIA den zweiten Platz belegt. NVIDIA selbst wird derzeit mit rund 5,056 Billionen US-Dollar bewertet, nachdem der Chipkonzern die Schwelle von 5 Billionen US-Dollar bereits mehrfach über- und unterschritten hat (Stand der Daten: 23.07.2026). Der Abstand zwischen den beiden Unternehmen ist zuletzt wieder etwas größer geworden.
NVIDIAs Bewertung und die Kehrseite des KI-Booms
NVIDIA gehört zu den wenigen Unternehmen, deren Marktwert in ihrer Börsenhistorie jemals die Schwelle von 5 Billionen US-Dollar überschritten hat, was den Chiphersteller zu einem historischen Ausreißer an der Börse macht. Getragen wird diese Bewertung vom anhaltenden Boom bei Rechenzentren und KI-Hardware, für die NVIDIAs Grafikprozessoren als Standard gelten. Genau dieser Boom hat allerdings eine Nebenwirkung erzeugt, die inzwischen Apple und andere Elektronikhersteller belastet: Die weltweite Nachfrage nach Speicherchips für KI-Server hat den Markt für klassische Consumer-Speicherbausteine ausgetrocknet. TrendForce hatte die Preissteigerung für herkömmlichen DRAM-Speicher im ersten Quartal 2026 zunächst auf 55 bis 60 Prozent im Quartalsvergleich geschätzt, revidierte diese Prognose im Februar 2026 jedoch deutlich nach oben auf 90 bis 95 Prozent, wie Reuters berichtete. Eine spätere TrendForce-Erhebung bestätigte für das erste Quartal 2026 sogar einen tatsächlichen Anstieg der DRAM-Vertragspreise von rund 93 bis 98 Prozent gegenüber dem Vorquartal, mit einer weiteren erwarteten Steigerung von 58 bis 63 Prozent im zweiten Quartal.
Apple-Aktie und China-Geschäft im Aufwind
Während NVIDIA von der KI-Nachfrage profitiert, zeigt sich Apple operativ überraschend stabil und wächst ausgerechnet in einem Markt, der insgesamt schrumpft. Nach Angaben der International Data Corporation stiegen Apples Smartphone-Lieferungen in China im zweiten Quartal 2026 um 24,4 Prozent im Jahresvergleich, während der chinesische Gesamtmarkt um 4,3 Prozent auf rund 66 Millionen Einheiten zurückging. Damit kletterte Apple laut demselben IDC-Bericht vom fünften auf den zweiten Platz und steigerte seinen Marktanteil in China von 13,9 auf 18,1 Prozent, hinter Marktführer Huawei mit 22,6 Prozent. Global betrachtet gehörten Apple und Huawei laut IDC im zweiten Quartal 2026 zu den einzigen beiden großen Herstellern mit Wachstum im chinesischen Markt, wobei Apple von der Nachfrage nach dem iPhone 17 sowie von der Erwartung kommender Preiserhöhungen profitierte.
Apple Intelligence erhält Zulassung in China
Ein zentraler Baustein für Apples weiteres Wachstum in China ist die regulatorische Freigabe seines KI-Systems. Chinas Cyberspace-Verwaltung (CAC) teilte Mitte Juli mit, dass Apple Intelligence für den Einsatz auf iPhones in China registriert worden sei, wie Reuters unter Berufung auf die Behörde direkt berichtete. Als technische Partner fungieren die chinesischen Konzerne Alibaba und Baidu, wobei Alibaba gegenüber Reuters erklärte, dass sein Sprachmodell Qwen in die Apple-Intelligence-Erfahrung auf iOS, iPadOS, macOS und visionOS integriert wird. Ein Baidu-Sprecher bestätigte Reuters zufolge ebenfalls, mit Apple an entsprechenden KI-Funktionen für chinesische iPhone-Nutzer zu arbeiten, ohne die genauen Rollen der beiden Partner näher zu spezifizieren. Die Genehmigung war zuvor rund zwei Jahre ausgeblieben, nachdem Apple Intelligence bereits 2024 in den USA gestartet war, und ein konkretes Startdatum für den chinesischen Markt nannte die Behörde laut Reuters nicht.
Speicherchip-Knappheit als Belastung für die gesamte Branche
Die globale Verknappung von DRAM- und NAND-Speicherchips betrifft Apple ebenso wie die Konkurrenz, allerdings mit unterschiedlichen Konsequenzen für die einzelnen Hersteller. Apple-CEO Tim Cook kündigte gegenüber dem Wall Street Journal an, dass Preiserhöhungen für Apple-Produkte wegen der steigenden Speicherchip-Kosten unvermeidlich seien, wie Reuters unter Berufung auf das Interview berichtete.
Die Herstellung von DRAM-Speicher konzentriert sich weltweit auf wenige Anbieter: Nach Daten von Counterpoint Research hielt Samsung im ersten Quartal 2026 einen Umsatzanteil von 38 Prozent am globalen DRAM-Markt, SK hynix kam auf 29 Prozent und Micron auf 22 Prozent, womit die drei Konzerne zusammen auf rund 89 Prozent des Marktes kamen. Cook erklärte laut Reuters zudem, Apple sei bereit, seine Bilanz zur Unterstützung der Lieferkette einzusetzen, schloss den Aufbau eigener Speicherfabriken jedoch aus.
Ob die aktuelle Dynamik ausreicht, den Abstand zu NVIDIA zu schließen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen - entscheidend dürften dabei sowohl die Entwicklung des China-Geschäfts als auch die weitere Nachfrage nach KI-Hardware und Speicherchips sein.
Paul Schütte, Redaktion finanzen.net
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