NVIDIA, Apple & Co.: Diese Aktien könnten vom Jahresend-Effekt profitieren - sollten Anleger jetzt zuschlagen?
Ein Muster aus über hundert Jahren Börsengeschichte: Sobald der Jahresendspurt beginnt, wechseln viele Fondsmanager systematisch von kleinen zu großen Werten.
Werte in diesem Artikel
- Large Caps schlagen Small Caps saisonal bedingt im vierten Quartal deutlich
- Grund ist laut Experten das bonusgetriebene Window Dressing der Fondsmanager
- Anleger können den Effekt über breite Large-Cap-ETFs nutzen
Mit dem nahenden Jahresende rückt an der Wall Street ein saisonales Muster in den Fokus, das größere Aktien gegenüber kleineren Werten begünstigt. Wie MarketWatch berichtet, sprechen dafür nicht nur die bekannten fundamentalen Gründe wie steigende Anleiherenditen und erhöhte wirtschaftspolitische Unsicherheit, die beide historisch mit einer schwächeren relativen Wertentwicklung von Small Caps korreliert sind. Selbst wenn diese beiden Faktoren herausgerechnet werden, zeigt sich demnach eine eigenständige saisonale Tendenz zugunsten großer Standardwerte, die sich mit näher rückendem Jahresende verstärkt. Diese Regelmäßigkeit ist nach Einschätzung von MarketWatch robust genug, um sie von reinem Zufall zu unterscheiden.
Das saisonale Muster hinter dem Jahresendspurt am Aktienmarkt
Die zugrunde liegende Datenreihe reicht laut MarketWatch rund ein Jahrhundert zurück und zeigt ein wiederkehrendes Bild. Im Verhältnis zu den größten Börsenwerten liefern die kleinsten Aktien ihre beste relative Wertentwicklung demnach im Januar. Von dort an schrumpft ihr Vorsprung im Jahresverlauf kontinuierlich, bis er im vierten Quartal ins Negative dreht und Large Caps die Führung übernehmen. Bemerkenswert ist laut der Auswertung, dass sich dieses Muster in der zweiten Hälfte des rund hundertjährigen Beobachtungszeitraums nahezu genauso zeigt wie in der ersten Hälfte. Für MarketWatch erhöht diese Konsistenz über sehr unterschiedliche Marktphasen hinweg die statistische Verlässlichkeit des Effekts deutlich, auch wenn saisonale Muster grundsätzlich keine Garantie für künftige Kursentwicklungen sind.
Boni als Antrieb für das Window Dressing
Der Ursprung des Effekts lässt sich in einer Studie der Finanzprofessorin Lucy Ackert von der Kennesaw State University und des Finanzprofessors George Athanassakos von der University of Western Ontario aus dem Jahr 2000 verorten, die 2021 mit ähnlichem Ergebnis aktualisiert wurde. Demnach treibt vor allem die Vergütungsstruktur vieler institutioneller Fondsmanager das Muster an: Wer zum Jahresende einen Bonus erhält, wenn das eigene Portfolio den S&P 500 schlägt, geht das höhere Risiko von Small Caps bevorzugt zu Jahresbeginn ein und baut diese Positionen zugunsten großer, im Index dominierender Werte ab, sobald sich eine Outperformance gegenüber der Benchmark abzeichnet. Ackert schrieb in einer E-Mail an MarketWatch, der Sog des Window Dressing werde in diesem Jahr "so stark wie eh und je" ausfallen. Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit durch geopolitische Spannungen und anhaltende Inflation rechnet sie demnach mit einer fortgesetzten Aufwärtsbewegung bei den Bewertungen von Large-Cap-Aktien bis zum Jahresende.
So können Anleger den Effekt umsetzen - Investments in NVIDIA-Aktie und Co.
Der naheliegendste Weg, das saisonale Muster zu nutzen, führt laut MarketWatch über Indexfonds, die auf die größten Börsenwerte setzen. Neben ETFs auf den S&P 500 wie dem State Street SPDR S&P 500 ETF Trust nennt der Beitrag auch den iShares Russell Top 200 ETF, der die 200 größten US-Werte abbildet. Wer stattdessen auf Einzelaktien setzen möchte, kann sich laut MarketWatch an einer Auswahl von Titeln mit einem Börsenwert von mindestens 100 Milliarden US-Dollar orientieren, die auch Teil des S&P 500 sind.
Als konkrete Einzeltitel nennt MarketWatch unter anderem die Börsenlieblinge NVIDIA, Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon, Broadcom und Meta, aber auch weniger bekannte Titel wie ConocoPhillips, Thermo Fisher Scientific, Charles Schwab und Abbott Laboratories sowie Aktien großer US-Analystenhäuser wie JPMorgan, Morgan Stanley und Goldman Sachs.
Ob sich das Muster in diesem Jahr bestätigt, zeigt sich endgültig erst im direkten Vergleich der Wertentwicklung von Small Caps und Large Caps zwischen Oktober und Dezember. Als nächster konkreter Anhaltspunkt gilt dabei die Entwicklung der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die laut MarketWatch eng mit der relativen Stärke kleinerer Aktien verknüpft ist: Zieht sie weiter an, dürfte das den saisonalen Rückenwind für Large Caps zusätzlich verstärken.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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