STMicroelectronics-Aktie sackt ab: Warum Anleger trotz starkem Quartal skeptisch bleiben
Der Chipkonzern STMicroelectronics hat seine Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt - und diese fallen anders aus als zuletzt erwartet.
Werte in diesem Artikel
- STMicroelectronics steigert den Umsatz im zweiten Quartal kräftig zweistellig
- Gewinn dreht von einem Verlust im Vorjahresquartal deutlich ins Plus
- Für das dritte Quartal stellt der Chipkonzern weiteres Wachstum in Aussicht
STMicroelectronics-Aktie bricht ein
Eine enttäuschende Umsatzprognose von STMicroelectronics für das laufende Quartal hat den Kurs der Aktie am Donnerstag auf steile Talfahrt geschickt. An der Pariser Börse Euronext sackte der STMicro-Kurs um bis zu 17 Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte Mai ab. Im Tief von 48,545 testeten die Anteilsscheine die 100-Tage-Linie, einen Indikator für den mittel- bis längerfristigen Trend. Im Juni waren die Aktien noch auf den höchsten Stand seit sechs Jahren gestiegen. Später notieren die Titel an der Euronext in Paris immer noch 11,91 Prozent tiefer bei 51,33 Euro.
Das traf am Morgen im frühen Handel auch andere Halbleiter- und Sensorenhersteller wie BE Semiconductor (-3,75 Prozent auf 238,80 Euro), Infineon (-4,10 Prozent auf 66,94 Euro) und Melexis (-3,17 Prozent auf 71,75 Euro), deren Kurse deutlich nachgaben.
Die Franzosen erwarten im dritten Quartal einen Umsatz von 3,7 Milliarden US-Dollar. Die Konsensschätzung liege bei knapp 3,8 Milliarden Dollar, schrieb Analyst Janardan Menon von der US-Bank Jefferies.
Möglicherweise fahre die Fertigung des iPhone 18 nicht so schnell hoch wie angenommen. Auch das implizite Umsatzziel für das Gesamtjahr bleibe hinter seiner Schätzung zurück. Der Experte fand jedoch überwiegend lobende Worte für die Geschäftszahlen von STMicro.
Umsatz und Gewinn steigen - verfehlen jedoch die Erwartungen
Wie aus der offiziellen Pressemitteilung von STMicroelectronics hervorgeht, kletterte der Umsatz im zweiten Quartal auf 3,49 Milliarden US-Dollar und damit um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Zum Vergleich: 17 Analysten hatten im Schnitt einen Umsatz von 3,00 Milliarden Euro (rund 3,51 Milliarden US-Dollar) für das vergangene Quartal erwartet.
Die Bruttomarge stieg auf 34,8 Prozent, nach 33,5 Prozent ein Jahr zuvor. Aus einem operativen Verlust von 133 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal wurde ein operatives Ergebnis von 187 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 222 Millionen US-Dollar beziehungsweise 0,24 US-Dollar je verwässerter Aktie, nach einem Nettoverlust von 97 Millionen US-Dollar beziehungsweise minus 0,11 US-Dollar je Aktie im Vorjahresquartal. Bereinigt um Sonderposten weist der Konzern ein Ergebnis von 0,31 US-Dollar je Aktie aus. Beim Gewinn je Aktie lag der Durchschnitt von 15 Analystenschätzungen bei 0,229 Euro (rund 0,27 US-Dollar).
Konzernchef sieht Rückenwind aus dem Rechenzentrumsgeschäft
Konzernchef Jean-Marc Chery erklärte laut der Mitteilung, die Umsätze des zweiten Quartals hätten den Mittelwert der eigenen Prognose übertroffen, getragen von höheren Erlösen im Bereich Consumer Electronics, Communication und Personal Electronics sowie im Bereich Automobilelektronik. Zudem sei die Nachfrage im Quartal weiter gestiegen, mit kräftigen Auftragseingängen in allen Endmärkten und ersten Anzeichen für knappe Lieferkapazitäten bei einzelnen Produktkategorien. Besonders das Geschäft mit Chips für KI-Rechenzentren rückt in den Fokus: Der Konzern rechnet für das laufende Jahr mit Umsätzen im Rechenzentrumsgeschäft von mehr als einer Milliarde US-Dollar und, sofern sich die aktuelle Dynamik fortsetzt, mit deutlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar im kommenden Jahr.
Der Boom bei Rechenzentren hat STMicro - einem Zulieferer von Tesla und Apple - zu einer Wende geführt. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren mit einer schwachen Nachfrage in der Automobil- und Konsumgüterbranche zu kämpfen, da die Kunden zunächst ihre Lagerbestände abbauten, die sie während der Engpässe im Zuge der Covid-19-Pandemie angehäuft hatten.
Ausblick auf das dritte Quartal
Für das dritte Quartal 2026 rechnet STMicroelectronics im Mittel mit einem Umsatz von 3,70 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von rund 6 Prozent gegenüber dem abgelaufenen Quartal entspräche, sowie mit einer Bruttomarge von etwa 37,0 Prozent. Für das vierte Quartal stellt der Konzern laut Mitteilung einen weiteren Wachstumsschub in Aussicht, mit Erlösen von mehr als 4 Milliarden US-Dollar.
Jefferies belässt STMicro auf "Buy"
Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für STMicro nach Zahlen zum zweiten Quartal auf "Buy" mit einem Kursziel von 82 Euro belassen. Diese deckten sich sowohl mit seinen Annahmen als auch mit den Konsensschätzungen, schrieb Janardan Menon in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Die Prognose des Halbleiterherstellers für die Bruttomarge im laufenden dritten Quartal übertreffe mit 37 Prozent seine Schätzung von 36,2 Prozent.
STMicroelectronics-Aktie taumelt: Was das für Anleger bedeutet
Die Quartalszahlen zeigen, dass STMicroelectronics operativ wieder auf Wachstumskurs ist und die Erholung im Chipgeschäft an Fahrt gewinnt. Dennoch bleibt die Aktie kurzfristig unter Druck, da die Erwartungen der Anleger höher lagen. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung dürfte sein, ob der Konzern die angekündigte Wachstumsdynamik - insbesondere im Bereich KI-Rechenzentren - bestätigen kann.
Bettina Schneider, Julia Walter, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 09:11 | STMicroelectronics Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 15.07.26 | STMicroelectronics Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 02.07.26 | STMicroelectronics Buy | UBS AG | |
| 29.06.26 | STMicroelectronics Equal Weight | Barclays Capital | |
| 29.06.26 | STMicroelectronics Neutral | JP Morgan Chase & Co. |
