CVs in NFT-Form

Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin stellt Soulbound Tokens (SBTs) vor: Der nächste große Trend oder Mega-Flop?


Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin stellt Soulbound Tokens (SBTs) vor: Der nächste große Trend oder Mega-Flop?

Vitalik Buterin ist bekannt für die Mitwirkung an der Gründung von Ethereum, eine der größten Blockchains der Welt. Nun mischt Buterin erneut die Krypto-Szene auf, indem er sogenannte Soulbound Tokens (SBTs) vorstellt. Was ist das Neuartige an den SBTs - und wie steht es um die Erfolgsaussichten?

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• SBTs: Personalisierte CVs in NFT-ähnlicher Form
• SBTs sollen unsere analoge und digitale Persönlichkeit zusammenführen
• Erfolg der SBTs wird von den Charakteristika des Metaverse abhängen

Soulbound Tokens (SBTs) könnten wie NFTs (non-fungible tokens) demnächst durch die Decke gehen, mutmaßt Buterin. Doch was steckt hinter dieser neuen Krypto-Idee?

SBTs - der neueste Wurf des Krypto-Vordenkers Buterin?

Vitalik Butterin ist der bekannteste Befürworter der neuen Token-Gattung SBTs. Buterin ist bekannt geworden als der Mastermind hinter der Ethereum-Blockchain und der damit verbundenen Kryptowährung Ether, deren Marktkapitalisierung nur noch von der Ur-Cyberdevise Bitcoin übertroffen wird. Buterin hat seine Originalität damit hinreichend unter Beweis gestellt - wenig verwunderlich also, dass die Krypto-Szene ganz genau hinschaut, welche Innovationen der Krypto-Unternehmer als nächstes plant. Am 10. Mai 2022 beschrieb der Ethereum-Gründer seine neueste Idee in einem 37-seitigen Forschungsaufsatz, den er mit Microsoft-Spezialisten E. Glen Weyl und Puja Ohlhaver von Flashbot veröffentlichte.

Was ist ein SBT?

Buterin, Weyl und Ohlhaver stellen dabei die Einführung von Soulbound Tokens (SBTs), also frei übersetzt "an die Seele gebundene Tokens", vor. SBTs kann man am besten als NFT-ähnliche Lebensläufe (CVs) beschreiben, welche die persönlichen Leistungen wie Bildungsabschlüsse "realer" Menschen in die multidimensional-digitale Sphäre (Web3) transferieren. So hat jeder Mensch auch im Metaverse auf seine wichtigsten Dokumente Zugriff. Buterin betont, dass diese weder von anderen Usern noch von größeren Institutionen gefälscht werden können. Buterins Vision liegt laut "Block Builders" darin, dass digitale Identitäten in Zukunft dezentral organisiert werden müssen, um vertrauenswürdig zu sein und zugleich Innovation zu ermöglichen. Wie NFTs können SBTs nicht verändert werden. Der große Unterschied von SBTs zu NFTs liegt jedoch darin, dass SBTs nicht transferiert werden können, sie sind stattdessen fest an eine Person gebunden.

Verwendungsmöglichkeiten

Ähnlich wie CVs sind SBTs deshalb, weil sie - zumindest der derzeitigen Idee entsprechend - hauptsächlich Universitätsdiplome, Schulabschlüsse oder gewonnene Preise tokenisieren sollen. Die Institutionen, wie beispielsweise Universitäten, würden diese SBTs selbst an die Absolventen ausstellen. Dies soll die Glaubwürdigkeit solcher Dokumente bewerkstelligen.

Die Verwendung der SBTs soll aber über die Dokumentierung von Bildungsabschlüssen hinausgehen. Der Projektstudie zufolge könne ein SBT als Stimmzettel bei dezentral organisierten Referenden dienen, wie "Business Insider" berichtet. Zudem können mit SBT könnten Arbeitszeugnisse und persönliche Empfehlungen ausgesprochen werden. Umwelt-NGOs könnten SBT an Unterstützer ausgeben, um deren Hilfe zu belegen. So entstünde durch die SBTs ein "erweiterter Lebenslauf", der in der Blockchain dokumentiert und in einer "Soul Wallet" aufbewahrt wird. Ähnlich wie in einem Lebenslauf, können Personen einzelne SBTs aus ihrem "Soul Wallet" löschen, beispielsweise wenn sie eine frühere Aktivität nicht mehr betonen wollen.

Wie viele persönliche Informationen wollen wir im Metaverse?

Der Erfolg von SBTs wird primär von der essentiellen Frage abhängen, wie viel die User von ihren wahren Identitäten im Metaverse preisgeben wollen. Wird das Metaverse quasi eine Erweiterung des realen Lebens, in der wir unsere Namen, unsere familiäre und berufliche Situation und unsere Lebensleistungen übernehmen wollen? Oder wird das Metaverse vielmehr ein Ort des Eskapismus, der Realitätsflucht, des Entfliehens in eine Fantasiewelt? Bis jetzt kann diese Grundsatzfrage nicht entschieden beantwortet werden.

Sollte tatsächlich der Fall eintreten, dass das Metaverse ein dreidimensionales soziales Netzwerk mit wahren Identitäten sein wird, dann hätten die SBTs definitiv gute Erfolgsaussichten. Buterin warnt jedoch explizit vor potenziellen Gefahren. SBTs könnten nämlich auch zu Diskriminierung und Mobbing führen, indem sie als Marker "missliebige soziale Gruppen automatisch aussondern oder sie sogar für Cyber- oder physische Angriffe ins Visier nehmen". Auch könnten SBTs von autokratischen Regimen verwendet werden, um missliebige Individuen zu brandmarken. Aus diesem Grund sei es von fundamentaler Bedeutung, dass jede Person selbst darüber entscheiden könne, welche SBTs in ihrer jeweiligen digitalen Identität verankert werden sollen.

Der neueste Mega-Trend?

Anders als NFTs können SBTs nicht verkauft und auch nicht käuflich im digitalen Bereich erworben werden. Sie sind somit personalisiert und limitiert. Wie immer wird es folglich darauf ankommen, wie die Nachfrage nach den SBTs ausfallen wird. Die Konkurrenzsituation ist hierbei nicht zu unterschätzen: Big Tech-Firmen wie allen voran Meta Platforms, aber auch Apple oder Amazon werden wohl versuchen, die Identität der realen Personen auch im Metaverse offenzulegen. Anders als bei den SBTs wäre dann jedoch eine zentralisierte Instanz dafür verantwortlich, was zu großen Bedenken in puncto Datenschutz führen dürfte. Zudem sind diese IT-Riesen - wenig überraschend - an Profiten interessiert. Aber auch speziell auf den Krypto-Bereich ausgerichtete Unternehmen wie der NFT-Marktplatz OpenSea oder die Krypto-Börse Coinbase haben inzwischen eine große Machtposition in der Cyberdevisen- und NFT-Welt aufgebaut. Die SBTs könnten somit eine beliebte, da nicht gewinnorientierte, sowie dezentralisierte Alternative bieten.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: PopTika / Shutterstock.com, PopTika / Shutterstock.com

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