KI-Aktien wie NVIDIA & Co. in Gefahr? Warum Ray Dalio vor einem Crash wie in den 1920ern warnt
Bridgewater-Gründer Ray Dalio vergleicht den KI-Boom mit der Technologie-Euphorie der 1920er Jahre und zieht eine klare Grenze zwischen Fortschritt und überteuerten Aktien.
Werte in diesem Artikel
- Ray Dalio vergleicht KI-Boom mit Technologie-Euphorie der 1920er Jahre
- Bridgewater-Gründer trennt zwischen Technologie und Aktienpreis
- Bank of England sieht historisch hohe Bewertungen und wachsende Risiken
Ray Dalio bringt mit einem einzigen Satz die Debatte um die KI-Rally zurück auf die Tagesordnung. Der Gründer von Bridgewater Associates erklärte auf der Plattform X, die Welt befinde sich bereits in einer Blase, ausgelöst durch den Boom rund um Künstliche Intelligenz. Seine Begründung führt in die späten 1920er Jahre, als Strom, Kühlschränke, Telefone, Radios, Flugzeuge und Autos gleichzeitig den Alltag veränderten und Anleger in Scharen investierten, bevor die Weltwirtschaftskrise folgte. Für Dalio liegt darin ein Muster, das sich bei jedem großen Technologiesprung wiederholt, von der Eisenbahn bis zur Industriellen Revolution.
Das Muster aus den 1920er Jahren
Fast jeder Technologieboom ende in einer Blase und einem Crash, schrieb Dalio, ob bei Eisenbahnen, der Industriellen Revolution oder eben in den 1920er Jahren. Die Gefahr liege darin, dass Anleger das Wunder der Technologie nicht von der Investition darin unterscheiden. Eine Technologie könne echten Fortschritt bringen, doch wenn die dazugehörigen Aktien zu teuer bezahlt oder auf Kredit gekauft würden, entstehe der Crash. Wörtlich schrieb Dalio: "Neue Technologie wird großartig sein, daran besteht kein Zweifel, aber wir müssen uns immer fragen: großartig für wen, zahlt es sich aus, und zahlen wir zu viel für das Wunder?"
NVIDIA-Aktie und Hyperscaler treiben die Investitionswelle
Übertragen auf die Gegenwart sieht Dalio dieselbe Dynamik am Werk: Anleger müssten prüfen, wer wirklich profitiert, ob sich Investitionen rechnen und ob Kurse nicht bereits zu viel Optimismus einpreisen. Konkret zeigt sich das am Kapitaleinsatz der großen Technologiekonzerne: Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta Platforms bauen ihre Rechenzentren im Rekordtempo aus. Laut Torsten Slok, Chefvolkswirt von Apollo Global Management, könnten die US-Hyperscaler binnen zwölf Monaten rund 916 Milliarden US-Dollar investieren, die Ausgaben für Rechenzentren damit bis 2027 auf etwa 3,1 Prozent der US-Wirtschaftsleistung treiben, fast dreimal so viel wie am Höhepunkt des Telekom-Ausbaus in der Dotcom-Ära.
NVIDIA nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: Der Chipkonzern tritt zunehmend als eine Art Käufer letzter Instanz auf und hilft, den Aufbau der Rechenzentren seiner Kunden mitzufinanzieren.
Auch die Bank of England sieht historische Bewertungsniveaus
Dalio steht mit seiner Einschätzung nicht allein. Bereits im Juli warnte die Bank of England in ihrem Finanzstabilitätsbericht vor ähnlichen Mustern: Die um Konjunkturzyklen bereinigte Gewinnrendite des S&P 500 nähere sich Ständen wie zuletzt während der Dotcom-Blase, selbst ohne die 30 größten KI-Werte falle die Kennzahl auf den niedrigsten Stand seit 2007. Der Anteil KI-naher Unternehmen an der Marktkapitalisierung des Index sei zudem von rund einem Viertel 2022 auf inzwischen etwa die Hälfte gestiegen, während gehebelte Positionen von Hedgefonds binnen eines Jahres um rund 40 Prozent zugelegt hätten.
Warum eine Blase kein Verkaufssignal sein muss
Neu ist die Warnung damit nicht: Bereits im November vergangenen Jahres hatte Dalio gegenüber dem US-Sender CNBC erklärt, der Markt befinde sich "definitiv" in einer Blase, zugleich aber davon abgeraten, deshalb sofort zu verkaufen. Eine Blase zu erkennen ist nicht gleichbedeutend mit einem unmittelbar bevorstehenden Crash, historische Blasen wie jene der 1920er Jahre oder der Dotcom-Ära dehnten sich teils über Jahre aus, bevor sie platzten. Wer die Warnung ernst nimmt, muss deshalb nicht sofort aussteigen, sollte die Bewertung einzelner KI-Titel aber schärfer beobachten als zuvor.
Ein belastbarer nächster Test dürfte die anstehende Berichtssaison der Hyperscaler liefern: Bestätigen die Konzerne ihre geplanten Investitionssummen, bleibt die Kapitalspirale intakt. Kappt einer von ihnen die eigene Prognose, dürfte das die Diskussion um Dalios Warnung neu befeuern.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Alphabet A (ex Google)
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Alphabet A (ex Google)
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: CNBC/Getty Images, Den Rise / Shutterstock.com
