Yen-Talfahrt beschleunigt sich: Neues 40-Jahres-Tief markiert - trotz positiver Signale

Eigentlich sollte die überraschend gute Tankan-Umfrage den Yen stützen, doch die Währung fällt stattdessen auf ein Niveau, das seit vier Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde.
Werte in diesem Artikel
- Yen fällt im Tagesverlauf weiter, US-Dollar klettert weiter
- Steigende US-Anleiherenditen treiben den US-Dollar vor US-Jobdaten an
- Trotz der andauernden Talfahrt bleibt Tokio bislang zurückhaltend
Der Yen wertet an diesem Mittwoch weiter ab und markiert im Tagesverlauf mehrfach neue Tiefstände. Nach rund 162,65 Yen je US-Dollar im späten asiatischen Handel steigt der US-Dollar im europäischen Handel bis auf 162,84 Yen, den höchsten Stand seit rund 40 Jahren. Am Vortag hatte der US-Dollar zur gleichen Zeit im asiatischen Handel noch bei etwa 162,20 Yen gelegen.
Steigende US-Renditen treiben den US-Dollar
Der Anstieg der US-Anleiherenditen vor den am Donnerstag anstehenden Arbeitsmarktdaten treibt den US-Dollar zusätzlich an. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt laut Reuters zuletzt bei 4,46 Prozent und damit 4,3 Basispunkte höher als am Vortag. Am Devisenmarkt bekommt der Yen dadurch zusätzlichen Gegenwind, obwohl die Tankan-Umfrage der japanischen Notenbank zur Stimmung der Industrie überraschend gut ausfällt.
Tankan-Bericht so gut wie seit acht Jahren nicht, Yen bleibt unbeeindruckt
Die Stimmung der großen japanischen Industrieunternehmen steigt in der Tankan-Umfrage der Bank of Japan auf den höchsten Wert seit acht Jahren, die Fabrikaktivität erreicht laut Einkaufsmanagerindex ihr stärkstes Quartal seit 2014. Der Nikkei 225 gewann am Mittwoch 0,6 Prozent (Schlusskurs 70.474,96 Punkte), nachdem der Index im zweiten Quartal bereits um 37 Prozent zugelegt hatte. Die Landeswährung profitiert von der guten Konjunkturstimmung dennoch nicht und setzt ihre Talfahrt gegenüber dem US-Dollar fort.
Intervention bleibt vorerst aus
Die neue Schwäche des Yen schürt erneut Spekulationen über einen Eingriff der japanischen Notenbank am Devisenmarkt. Nach Reuters-Angaben hat Tokio zwischen April und Mai umgerechnet rund 74 Milliarden US-Dollar, etwa 12 Billionen Yen, zur Stützung der Währung eingesetzt, bislang ohne nachhaltige Wirkung. Die Behörden wirken trotz der neuen Tiefstände bislang zurückhaltend bei einem erneuten Eingriff. Sollten die US-Arbeitsmarktdaten am Donnerstag zudem positiv überraschen, wäre eine weitere Abwertung auf 165 Yen je US-Dollar möglich, sagte Carol Kong, Devisenstrategin bei der Commonwealth Bank, gegenüber Dow Jones Newswires.
Ob Tokio angesichts des neuen 40-Jahres-Tiefs eingreift oder weiter zusieht, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen. Richtungsweisend bleiben dafür die US-Arbeitsmarktdaten am Donnerstag.
Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net
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