Break-Even im Blick

Wann lohnen sich Inflation-Linked Bond ETFs? So funktioniert der Inflationsschutz im Portfolio


Wann lohnen sich Inflation-Linked Bond ETFs? So funktioniert der Inflationsschutz im Portfolio

Wer sein Erspartes vor Kaufkraftverlust schützen will, stößt früher oder später auf inflationsgebundene Anleihen. Ob ETFs darauf sinnvoll sind, hängt von mehreren Faktoren ab.

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•Inflation-Linked Bond ETFs sollen Kaufkraftverluste durch Inflation abfedern
•Entscheidend ist, ob die Inflation über der Break-Even-Rate liegt
•Risiken bleiben etwa durch steigende Realzinsen und lange Laufzeiten bestehen

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Was Inflation-Linked Bonds eigentlich sind

Inflationsgebundene Anleihen, im englischsprachigen Raum als Inflation-Linked Bonds oder kurz Linker bezeichnet, sind Schuldverschreibungen, deren Kapital und Zinszahlungen an einen Preisindex gekoppelt sind. Das Grundprinzip ist dabei dasselbe, egal ob es sich um amerikanische Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS) des US-Finanzministeriums oder um europäische Staatsanleihen handelt, die an den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gebunden sind. Steigt das allgemeine Preisniveau, wächst der Nominalwert der Anleihe mit. Fällt das Preisniveau, greift in den meisten Fällen eine Schutzklausel: Beim Laufzeitende wird mindestens der ursprüngliche Nennwert zurückgezahlt. Das US-Finanzministerium stellt auf seiner Informationsseite zu TIPS klar, dass Anleger beim Laufzeitende stets den höheren der beiden Beträge erhalten, also entweder den inflationsbereinigten oder den ursprünglichen Nennwert. Der feste Zinssatz wird dabei auf das jeweils angepasste Kapital berechnet, sodass auch die Zinszahlungen bei steigender Inflation zulegen.

Entscheidend für die Kaufentscheidung ist das sogenannte Break-Even-Inflationsniveau, also jene Inflationsrate, bei der Linker und herkömmliche Anleihen gleich abschneiden. Liegt die tatsächliche Inflation über diesem Niveau, schneidet der Linker besser ab. Liegt sie darunter, profitiert der Inhaber einer konventionellen Anleihe stärker. Die Zentralbank von Malta erläutert in einem Arbeitspapier zur Einführung in Inflation-Linked Bonds diesen Zusammenhang anhand konkreter Beispiele: Wer ein inflationsgebundenes Papier kauft, muss die tatsächliche spätere Inflation mit dem zum Kaufzeitpunkt gültigen Break-Even-Wert vergleichen, um die relative Vorteilhaftigkeit zu bestimmen.

Wann die Break-Even-Rate zur entscheidenden Orientierungsgröße wird

Die Break-Even-Inflationsrate ergibt sich aus der Differenz zwischen der Rendite einer herkömmlichen Nominalanleihe und der Realrendite einer laufzeitgleichen inflationsgebundenen Anleihe. Wer in Inflation-Linked Bond ETFs investiert, wettet im Kern darauf, dass die künftige tatsächliche Inflation die vom Markt eingepreiste Break-Even-Rate übersteigt. Das klingt einfach, ist aber mit Tücken verbunden. Die Europäische Zentralbank (EZB) weist in einem Arbeitspapier darauf hin, dass Break-Even-Raten keine direkten Maße für Inflationserwartungen darstellen, sondern auch eine Inflationsrisikoprämie und eine Liquiditätsprämie enthalten. Erstere entschädigt Inhaber konventioneller Anleihen für die Unsicherheit über künftige Preisentwicklungen und treibt die Break-Even-Rate nach oben. Letztere wirkt entgegengesetzt, weil inflationsgebundene Anleihen in der Regel weniger liquide sind als herkömmliche Staatsanleihen und daher eine etwas höhere Rendite einpreisen müssen. In der Praxis bedeutet das: Wer allein auf die Break-Even-Rate schaut, erhält kein unverzerrtes Bild der Markterwartungen.

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Florian Kajuth und Sebastian Watzka von der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen in einem Diskussionspapier, wie stark diese Prämien die Messung verzerren können. Sie demonstrieren, dass die angenommene Konstanz der Inflationsrisikoprämie problematisch ist: In Phasen erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheit steigt diese Prämie typischerweise an, was die Break-Even-Rate als Maßstab für tatsächliche Inflationserwartungen weiter verzerrt. Wer einen Inflation-Linked Bond ETF kauft, sollte sich also bewusst sein, dass das Break-Even-Niveau am Markt nicht identisch mit der tatsächlich erwarteten Inflation ist.

Für wen und in welchen Phasen Linker-ETFs besonders interessant sind

Inflation-Linked Bond ETFs lohnen sich besonders dann, wenn die tatsächliche Inflation dauerhaft über dem eingepreisten Break-Even-Niveau liegt. Das ist historisch in Phasen starker Preissteigerungen der Fall. Die Zentralbank von Malta belegt anhand von Bloomberg-Barclays-Gesamtrenditedaten, dass US-TIPS nominale Staatsanleihen in den meisten Betrachtungszeiträumen übertrafen. Nominalanleihen schnitten nur in Phasen sehr niedriger Inflation oder Deflation besser ab. Für den europäischen Raum zeigt sich ein ähnliches Bild, allerdings mit der Einschränkung, dass der Datenbestand für viele europäische Länder kürzer ist.

Ein weiterer Punkt ist die Portfoliodiversifikation. Die EZB hält in ihrem Papier fest, dass inflationsgebundene Anleihen zu den wenigen Finanzinstrumenten gehören, die einen echten und stabilen Schutz gegen unerwartete Inflation über lange Zeiträume bieten. Weder rollierend gehaltene Geldmarktpapiere noch Immobilien noch Fremdwährungsanleihen leisten das zuverlässig und dauerhaft. Aus diesem Grund gelten Linker vor allem für Anleger mit langen Anlagehorizonten als sinnvolle Beimischung, insbesondere für Altersvorsorgeportfolios. Die EZB verweist darauf, dass inflationsgebundene Staatsanleihen bei Emittenten höchster Bonität das Inflationsrisiko eliminieren und damit aus Sicht langfristiger Investoren eine besonders stabile Anlage darstellen können.

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Ein besonderes Risiko bei Linker-ETFs, das häufig übersehen wird, ist die vergleichsweise hohe Duration. Da der größte Anteil der realen Cashflows am Laufzeitende anfällt, reagieren diese Papiere stärker auf Veränderungen des Realzinsniveaus als herkömmliche Anleihen gleicher Laufzeit. Steigen die Realzinsen, fallen die Kurse von Inflation-Linked Bonds, selbst wenn gleichzeitig die Inflation anzieht. Wer einen solchen ETF nicht bis zum Laufzeitende hält, sondern kurzfristig verkauft, kann also Verluste erleiden, obwohl die Inflationsschutzfunktion an sich intakt ist.

Was bei der Auswahl eines Linker-ETFs zu beachten ist

Inflation-Linked Bond ETFs unterscheiden sich vor allem durch den zugrundeliegenden Referenzindex. Im Euroraum sind die meisten Staatsanleihen an den HVPI ohne Tabak gekoppelt, eine von Eurostat monatlich berechnete Messgröße. US-amerikanische TIPS hingegen orientieren sich am Verbraucherpreisindex für alle städtischen Konsumenten (CPI-U), den das Bureau of Labor Statistics monatlich veröffentlicht. Wer als europäischer Anleger in TIPS-basierte ETFs investiert, trägt zusätzlich ein Wechselkursrisiko.

Neben dem Referenzindex spielt die Laufzeitenstruktur eine wichtige Rolle. Inflationsgebundene Anleihen werden typischerweise mit längeren Laufzeiten begeben, weil das Inflationsschutzargument umso stärker wiegt, je länger der Anlagehorizont ist. Die EZB hält in ihrem Papier fest, dass Linker sich vor allem am langen Ende der Zinsstrukturkurve konzentrieren - häufig mit Laufzeiten von mindestens zehn Jahren bei Emission. ETFs, die breit über verschiedene Laufzeiten diversifizieren, streuen das Zinsänderungsrisiko entsprechend stärker als Produkte, die sich auf sehr lange Laufzeiten konzentrieren.

Schließlich lohnt sich der Blick auf die Liquidität des jeweiligen ETF-Segments. Inflationsgebundene Anleihen sind in aller Regel weniger liquide als konventionelle Staatsanleihen mit ähnlicher Laufzeit, wie die EZB in ihrem Papier mit Verweis auf messbar höhere Geld-Brief-Spannen dokumentiert. In Stressphasen kann diese geringere Liquidität die Handelbarkeit eines ETFs einschränken. Wer also bei Bedarf schnell verkaufen möchte, sollte auf ETFs mit hohem Fondsvermögen und engem Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs achten.

Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Juicy FOTO / Shutterstock.com, Drozd Irina / Shutterstock.com

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29.07.26 Barclays Overweight JP Morgan Chase & Co.

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