Europa-ETF

iShares Core MSCI Europe ETF: Wie dieser Europa-ETF ein Welt-Depot sinnvoll ergänzen kann


iShares Core MSCI Europe ETF: Wie dieser Europa-ETF ein Welt-Depot sinnvoll ergänzen kann

Wer sein Depot über einen Welt-ETF aufgebaut hat, besitzt oft nur einen kleinen Europa-Anteil. Der größte MSCI-Europe-ETF zeigt, wie sich das gezielt ausgleichen lässt.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit über 15 Milliarden Euro Fondsvolumen ist dieser Fonds der größte MSCI-Europe-ETF und der zweitgrößte Europa-Aktien-ETF überhaupt.
  • Finanzdienstleistungen und Industrie vereinen zusammen mehr als 40 Prozent des Fonds.
  • Wer über einen Welt-ETF investiert ist, besitzt dort oft nur einen geringen Europa-Anteil. Dieser Fonds eignet sich deshalb gut, um die eigene Europa-Gewichtung gezielt zu erhöhen.

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Der iShares Core MSCI Europe UCITS ETF EUR (Acc) bildet den MSCI Europe Index nach, der große und mittelgroße Unternehmen aus 15 europäischen Industrieländern bündelt und dabei etwa 85 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des europäischen Industrieländer-Aktienuniversums abdeckt. Aufgenommen werden Unternehmen, die die Kriterien von MSCI an Größe, Liquidität und frei handelbaren Streubesitz erfüllen, gewichtet wird nach frei handelbarer Marktkapitalisierung. Der Fonds bildet seinen Index über ein Optimiertes-Sampling-Verfahren nach, thesauriert seine Erträge und wurde am 25. September 2009 aufgelegt, wenige Monate nach dem Tiefpunkt der globalen Finanzkrise. Mit einem Fondsvolumen von 16,2 Milliarden Euro ist er der größte ETF, der den MSCI Europe Index abbildet, und nach dem Amundi Core Stoxx Europe 600 der zweitgrößte Europa-Aktien-ETF überhaupt. Bei den Kosten liegt er mit 0,12 Prozent pro Jahr exakt auf dem Niveau der drei nächstgrößten Wettbewerber, während kleinere Anbieter zwischen 0,06 und 0,30 Prozent verlangen.

Der europäische Markt aktuell: Zwischen Zinswende und geopolitischer Unsicherheit

Der europäische Aktienmarkt profitiert seit einigen Jahren von mehreren konkreten Entwicklungen. Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen in mehreren Schritten gesenkt, was Finanzierungskosten für Unternehmen senkt und Aktien attraktiver macht, während der europäische Bankensektor gleichzeitig von den in den Vorjahren gestiegenen Zinserträgen profitiert hat. Hinzu kommen milliardenschwere Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben mehrerer europäischer Regierungen sowie eine im internationalen Vergleich weiterhin günstigere Bewertung als in den USA. Als Risiken bleiben die anhaltende geopolitische Unsicherheit rund um den Krieg in der Ukraine, eine weiterhin bestehende Abhängigkeit von externen Energieimporten sowie die politische Fragmentierung innerhalb der Europäischen Union zu nennen, die wichtige gemeinsame Reformen immer wieder verzögern kann.

ASML, HSBC und Roche: Drei sehr unterschiedliche Rollen im europäischen Markt

Größte Position ist mit 4,47 Prozent ASML Holding aus den Niederlanden. Der Konzern ist weltweit der einzige Hersteller von Lithografie-Anlagen, die für die Fertigung modernster Computerchips zwingend benötigt werden. Damit gilt man als praktisch konkurrenzloser Zulieferer für die globale KI- und Halbleiterindustrie, unabhängig davon, welcher einzelne Chiphersteller den technologischen Wettlauf gerade anführt. Auf Platz zwei folgt mit 2,30 Prozent HSBC Holdings aus Großbritannien, eine der größten Banken der Welt mit besonders starker Präsenz in Asien, wodurch der Konzern stärker vom globalen Wirtschaftswachstum als von der britischen Binnenkonjunktur abhängt. An dritter Stelle steht mit 2,11 Prozent Roche Holding aus der Schweiz, einer der größten Pharmakonzerne der Welt mit einem breiten Portfolio an Krebs- und Diagnostikprodukten, dessen Geschäft durch die globale Nachfrage nach medizinischer Versorgung und eine alternde Weltbevölkerung getragen wird, weitgehend unabhängig von kurzfristigen europäischen Konjunkturzyklen. Alle drei Beispiele zeigen: Die größten Positionen dieses Fonds sind zwar in Europa ansässig, ihre Geschäftsmodelle und Wachstumstreiber sind aber überwiegend global ausgerichtet.

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Fast ein Fünftel Großbritannien: Was das für den Fonds bedeutet

Bei der Länderverteilung dominiert kein einzelnes Land den Fonds, Großbritannien führt aber mit 19,0 Prozent vor Deutschland mit 13,8 Prozent und Frankreich mit 13,6 Prozent. Der hohe britische Anteil geht vor allem auf global tätige Konzerne wie HSBC und den Energiekonzern Shell zurück, die trotz ihres britischen Firmensitzes einen Großteil ihres Geschäfts außerhalb Großbritanniens erzielen. Die Abhängigkeit von der britischen Binnenwirtschaft ist somit deutlich geringer, als der reine Länderanteil vermuten lässt, gleichzeitig bringt die Einbeziehung Großbritanniens zusätzliche Diversifikation über eine eigene Währung und eine eigenständige Geldpolitik der Bank of England mit sich, was den Fonds von der Eurozone allein unabhängiger macht.

Finanzdienstleister und Industrie statt Technologie: Ein echter Diversifikationsvorteil

Nach Sektoren führen Finanzdienstleistungen mit 22,5 Prozent und Industrie mit 18,1 Prozent zusammen mit etwas mehr als 40 Prozent den Fonds an, während Technologie mit nur 9,5 Prozent eine deutlich kleinere Rolle spielt als im klassischen MSCI World, wo Technologie regelmäßig 30 Prozent oder mehr ausmacht. Für Anleger, die ihr Depot bereits über einen Welt-ETF mit hohem US-Technologieanteil aufgebaut haben, ergibt sich daraus ein doppelter Diversifikationseffekt. Sowohl regional, durch die stärkere Gewichtung europäischer statt US-amerikanischer Unternehmen, als auch sektoral, durch die Verschiebung weg von Technologie hin zu Finanzwerten und Industrie.

Wie die Zusammensetzung mit der jüngeren Rendite zusammenhängt

2022 verlor der Fonds 9,4 Prozent, ausgelöst durch die damaligen Leitzinserhöhungen sowie die Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Seit 2023 zeigt sich eine deutliche Erholung. 2023 legte der Fonds um 16,2 Prozent zu, 2024 um 8,8 Prozent, 2025 sogar um 20,1 Prozent und im laufenden Jahr steht bereits ein Plus von 13,7 Prozent zu Buche. Der hohe Anteil an Finanzdienstleistern profitierte von den zwischenzeitlich hohen Zinsen, während Technologiezulieferer wie ASML von der weltweiten KI-Nachfrage getragen wurden, zwei der wichtigsten Treiber hinter den größten Branchen dieses Fonds.

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Warum das Risiko kaum höher ausfällt als bei einem Welt-ETF

Die Volatilität liegt über drei Jahre bei 12,2 Prozent, nur leicht über einem klassischen MSCI-World-ETF, über fünf Jahre mit 13,7 Prozent sogar nahezu gleichauf. Das lässt sich damit erklären, dass die breite Streuung über 400 Unternehmen aus 15 Ländern und mehrere ausgewogene Branchen einen ähnlichen Diversifikationseffekt bietet wie ein globaler Index, nur eben innerhalb Europas statt weltweit. Auch der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt mit minus 19,3 Prozent minimal unter dem eines klassischen Welt-ETFs im selben Zeitraum. Seit Auflage im September 2009 liegt der maximale Verlust bei minus 35,3 Prozent. Da der Fonds erst nach der globalen Finanzkrise 2008 aufgelegt wurde, geht dieser historische Höchstwert nicht auf jene Krise zurück, sondern auf die europäische Staatsschuldenkrise der frühen 2010er-Jahre, die vor allem europäische Banken und Länder mit hoher Staatsverschuldung wie Griechenland, Spanien und Italien schwer belastete.

Für welche Strategie sich dieser Europa-ETF eignet

Der Fonds eignet sich besonders für Anleger, die ihren über einen Welt-ETF meist nur gering gewichteten Europa-Anteil gezielt erhöhen möchten, und die gleichzeitig von der spürbar anderen Branchenmischung mit weniger Technologie und mehr Finanzwerten und Industrie profitieren möchten. Ein mittel- bis langfristiger Anlagehorizont sowie das Bewusstsein für die weiterhin bestehende Abhängigkeit von der europäischen Konjunktur- und Zinsentwicklung sowie geopolitischen Risiken sind für dieses Investment hilfreich.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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Bildquellen: Iurii Konoval / Shutterstock.com, DesignRage / Shutterstock.com

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