Indien-ETF

Der Amundi MSCI India ETF setzt auf über eine Milliarde junge Menschen und einen wachsenden Bankensektor

22.07.26 14:00 Uhr

Amundi MSCI India Swap UCITS ETF EUR Acc (FR0010361683) im Check: Kosten, Top-Positionen und Marktlage Indien | finanzen.net

Wir beleuchten, was die teuerste Möglichkeit, in Indien zu investieren, trotzdem interessant macht. Außerdem bewerten wir die aktuelle Achterbahnfahrt am indischen Aktienmarkt.

Werte in diesem Artikel

Das Wichtigste in Kürze:

  • Unter allen verfügbaren Indien-ETFs ist dieser Fonds die teuerste Variante. Der Grund dafür liegt vor allem in der Art, wie der Zugang zum indischen Markt technisch überhaupt möglich gemacht wird.
  • 2023 und 2024 lief der indische Aktienmarkt hervorragend, 2025 und im laufenden Jahr dagegen deutlich schwächer, ein Muster mit klar benennbaren Ursachen.
  • Fast ein Drittel des Fonds steckt im Finanzsektor, angeführt von den drei größten Positionen, die zusammen mehr als 18 Prozent des gesamten Fondsvermögens ausmachen.

Warum dieser Indien-ETF die teuerste verfügbare Option ist

Der Amundi MSCI India Swap UCITS ETF EUR Acc bildet den MSCI India Index nach, der etwa 85 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des indischen Aktienmarkts abdeckt. Mit 780 Millionen Euro Fondsvolumen ist er der drittgrößte unter allen verfügbaren Indien-ETFs. Bei den Kosten mit 0,85 Prozent pro Jahr allerdings die teuerste Option überhaupt, deutlich teurer als etwa der Franklin FTSE India UCITS ETF mit 0,19 Prozent oder das UBS-Pendant mit 0,15 Prozent. Der Grund dafür liegt in der Art, wie der Fonds seinen Index abbildet. Statt indische Aktien direkt zu kaufen, nutzt der Fonds ein Swap-Geschäft, bei dem ein Bankpartner die Wertentwicklung des Index vertraglich garantiert. Dieser Umweg ist notwendig, weil ausländische Investoren für den direkten Kauf indischer Aktien in der Regel eine eigene, aufwendige Registrierung als sogenannter Foreign Portfolio Investor bei der indischen Wertpapieraufsicht benötigen. Der Swap-Kontrahent trägt diesen regulatorischen und operativen Aufwand, lässt sich das aber entsprechend vergüten, was sich in der Kostenstruktur solcher Fonds niederschlägt. Hinzu kommt, dass dieser Fonds bereits 2006 aufgelegt wurde und damit zu den ältesten Indien-ETFs am Markt zählt, während jüngere, gezielt auf niedrige Kosten ausgelegte Konkurrenzprodukte erst später hinzukamen und den Wettbewerb um die günstigsten Gebühren inzwischen verschärft haben. Ob die höheren Kosten gerechtfertigt sind, hängt letztlich davon ab, wie stark Anleger auf die etwas längere Historie und etablierte Marktposition des Fonds Wert legen.

Junge Bevölkerung, wachsende Bildung: Die langfristigen Potenziale Indiens

Mit über 1,4 Milliarden Einwohnern ist Indien seit 2023 das bevölkerungsreichste Land der Welt, bei einem Durchschnittsalter von nur rund 28 Jahren. Diese sogenannte demografische Dividende gilt als einer der zentralen langfristigen Vorteile des Landes. Die Erwerbsbevölkerung wächst in den kommenden Jahren voraussichtlich um mehrere zig Millionen Menschen, während viele andere große Volkswirtschaften bereits mit einer alternden Bevölkerung kämpfen. Damit sich dieser demografische Vorteil tatsächlich in wirtschaftliches Wachstum übersetzt, braucht es allerdings auch entsprechende Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Die 2020 eingeführte nationale Bildungsreform hat das indische Schul- und Hochschulsystem stärker auf die Anforderungen einer modernen Wirtschaft ausgerichtet, während die Zahl der Hochschulabsolventen kontinuierlich steigt. Damit verbunden ist eine wachsende, zunehmend wohlhabendere Mittelschicht, die bis 2030 um geschätzt 400 Millionen Menschen zunehmen könnte, ein enormer Konsummarkt mit entsprechendem Potenzial für Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und digitale Angebote. Hinzu kommt die gezielte politische Förderung der Digitalisierung, die Indien zu einem der am schnellsten wachsenden Märkte für Fintech, Online-Handel und IT-Dienstleistungen gemacht hat, sowie die zunehmende Verlagerung globaler Produktionskapazitäten von China nach Indien im Zuge der Diversifizierung internationaler Lieferketten. Ein weiterer struktureller Vorteil gegenüber vielen anderen Schwellenländern: Der indische Privatsektor ist deutlich dynamischer und weniger staatsgetrieben als etwa in China, was tendenziell die Kapitalallokation und die Qualität der Unternehmensgewinne verbessert.

Rekordjahre 2023/2024, Rückschlag 2025/2026: Was hinter dem Auf und Ab steckt

2023 legte der Fonds um 15,18 Prozent zu, 2024 sogar um 16,83 Prozent, getragen von einer Rekordzahl an Börsengängen, kräftigen Mittelzuflüssen ausländischer wie inländischer Investoren und einem soliden Unternehmensgewinnwachstum von rund 15 Prozent pro Jahr in den vorangegangenen Jahren. Allein 2024 investierten inländische Anleger über 60 Milliarden US-Dollar in indische Aktien, mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Seit 2025 hat sich das Bild jedoch deutlich eingetrübt. Im vergangenen Jahr verlor der Fonds 10,76 Prozent, im laufenden Jahr weitere 8,02 Prozent. Mehrere Faktoren erklären diese Schwäche. Die USA haben Zölle von bis zu 50 Prozent auf indische Exportwaren verhängt, was zwischen Mai und Oktober 2025 zu Exportrückgängen von teils 20 bis 30 Prozent führte und die Stimmung sowohl bei exportorientierten als auch bei binnenmarktfokussierten Unternehmen belastete. Gleichzeitig haben ausländische Portfolioinvestoren seit September 2024 Nettoabflüsse von rund 30 Mrd. US-Dollar aus indischen Aktien verzeichnet, teilweise weil sich internationales Anlegerkapital verstärkt in Richtung China und dessen KI-getriebene Investitionsstory verschoben hat. Hinzu kommt, dass indische Aktien im Vergleich zu anderen Schwellenländern schon vor der Korrektur als eher hoch bewertet galten. Für die langfristige Perspektive ist wichtig: Der Großteil der indischen Unternehmensgewinne entsteht weiterhin im Inland, ungefähr 80 Prozent des indischen Wirtschaftswachstums werden durch Binnennachfrage, Konsum und Staatsausgaben getragen, was die Wirtschaft strukturell widerstandsfähiger gegenüber globalen Handelskonflikten macht als in vielen anderen Schwellenländern. Ob sich die aktuelle Schwächephase in eine Erholung verwandelt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Handelsbeziehungen zu den USA entspannen und ausländisches Kapital wieder zurückfindet.

HDFC Bank, Reliance Industries und ICICI Bank: Die Schwergewichte im Fonds

Da indische Unternehmen hierzulande deutlich weniger bekannt sind als etwa US-Konzerne, lohnt sich bei den drei größten Positionen ein etwas genauerer Blick. Größte Position mit 7,01 Prozent ist HDFC Bank, gemessen an der Bilanzsumme die größte Privatbank Indiens mit einem Netz von mehr als 4.100 Filialen im ganzen Land sowie einem breiten Angebot an Online- und Mobile-Banking-Diensten. Die Bank wurde zuletzt im Rahmen der Euromoney Private Banking Awards 2026 ausgezeichnet, eine Anerkennung für ihr Angebot in der Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatkunden, ein wachsendes Geschäftsfeld angesichts der zunehmenden Zahl vermögender Haushalte im Land. Auf Platz zwei folgt mit 6,10 Prozent Reliance Industries, einer der größten Mischkonzerne Indiens mit Geschäftsfeldern von Öl und Petrochemie über Einzelhandel bis zu Telekommunikation und digitalen Diensten. Der Konzern veröffentlichte zuletzt seine Geschäftszahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 und unterstrich damit erneut seine breite Diversifizierung über mehrere Wirtschaftszweige hinweg, die das Unternehmen weniger anfällig für Schwankungen in einer einzelnen Branche macht. An dritter Stelle steht mit 5,66 Prozent ICICI Bank, eine der größten Privatkundenbanken Indiens mit Präsenz in 17 Ländern, darunter Großbritannien, Russland, Kanada, Singapur und Dubai. Zusammen vereinen diese drei Banken und Konzerne bereits mehr als 18 Prozent des gesamten Fondsvermögens, was ein deutliches Zeichen dafür ist, wie konzentriert der indische Aktienmarkt auf wenige Branchenführer ausgerichtet ist.

Warum der Finanzsektor fast ein Drittel des Fonds ausmacht

Mit 31,17 Prozent ist Finanzwesen mit weitem Abstand die größte Branche im Fonds, deutlich vor zyklischen Konsumgütern mit 11,87 Prozent und Industrie mit 11,30 Prozent. Diese Dominanz spiegelt eine strukturelle Besonderheit der indischen Wirtschaft wider. Ein großer Teil der Bevölkerung ist erst in den vergangenen Jahren überhaupt in das formelle Bankensystem eingebunden worden, was Banken und Finanzdienstleistern jahrelanges, teils zweistelliges Wachstum bei Krediten, Einlagen und Gebühreneinnahmen beschert hat. Mit steigenden verfügbaren Einkommen und einer wachsenden Mittelschicht dürfte die Nachfrage nach Krediten, Versicherungen und Vermögensverwaltung auch künftig strukturell zunehmen, zumal mögliche Steuersenkungen und ein wachsender privater Konsum die Kreditnachfrage zusätzlich stützen könnten. Als Risiko bleibt jedoch, dass eine derart hohe Abhängigkeit von einer einzelnen Branche den Fonds anfällig für sektorspezifische Probleme macht, etwa im Falle steigender Kreditausfälle in wirtschaftlich schwächeren Phasen oder einer schärferen Regulierung des Bankensektors durch die indische Zentralbank.

Konstante, aber erhöhte Schwankung: Das Risiko im Überblick

Bemerkenswert ist die außergewöhnliche Konstanz der Volatilität dieses Fonds Sie liegt über ein, drei und fünf Jahre durchgehend bei 16 bis 17 Prozent, was eine gewisse Verlässlichkeit mit sich bringt, Anleger wissen also bereits vorab recht genau, mit welcher Schwankungsbreite sie zu rechnen haben. Diese Schwankungsbreite liegt naturgemäß über der eines breiten Welt-ETFs, was die Kombination aus Schwellenland-Status und hoher Branchenkonzentration widerspiegelt. Der maximale Verlust seit Auflage liegt bei minus 68,54 Prozent, ein Wert, der noch aus der globalen Finanzkrise 2008 und 2009 stammt, als sich internationale Anleger in großem Stil aus Schwellenländern zurückzogen und auch der indische Aktienmarkt einen historischen Einbruch erlebte. Seit dieser Krise befindet sich der Fonds auf lange Sicht in einem Aufwärtstrend, auch wenn zwischenzeitliche Rückschläge wie zuletzt 2025 und 2026 jederzeit möglich bleiben.

Für wen sich dieser Indien-ETF eignet

Der Fonds eignet sich als gezielte Beimischung im Portfolio für Anleger, die von den langfristigen Potenzialen des indischen Marktes überzeugt sind oder zumindest eine kleine Position dort aufbauen möchten, um an der jungen Bevölkerung, der wachsenden Mittelschicht und der zunehmenden Digitalisierung des Landes zu partizipieren. Wer investiert, sollte in der Lage sein, langfristig zu halten und auch mehrjährige Schwächephasen wie die seit 2025 auszuhalten, ohne vorzeitig auszusteigen. Angesichts der im Vergleich zu Wettbewerbern höheren Kosten sollten kostenbewusste Anleger zudem prüfen, ob eine der günstigeren Alternativen auf denselben oder einen ähnlichen Index nicht die bessere Wahl darstellt, sofern die etwas kürzere Historie dieser Fonds kein Ausschlusskriterium ist.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf ein einzelnes Land und eine einzelne Branche kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds erhöhen.

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Bildquellen: Aleksandar Todorovic / Shutterstock.com, pockygallery / Shutterstock.com

Nachrichten zu Reliance Industries Ltd. (RIL)

Analysen zu Reliance Industries Ltd. (RIL)

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12.12.2008Reliance Industries overweightMorgan Stanley
30.03.2006Reliance Industries kaufenAsia Investor
22.06.2005Reliance Industries in Position gehenAsia Investor
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