KI-ETFs boomen: Chancen und Risiken für Anleger im Überblick
Immer mehr Kapital fließt in KI-Indexfonds. Morningstar-Analyst Dan Sotiroff ordnet ein, wie stark Anleger schon investiert sind und ob sich das Extra-Risiko thematischer KI-ETFs lohnt.
Werte in diesem Artikel
•Anleger mit breiten Indexfonds sind über große Technologiewerte bereits stark im KI-Thema investiert
•Ein Investment in thematische KI-ETFs bedeutet laut Morningstar gleich drei Wetten zugleich
•Thematische KI-Fonds gelten als kleiner, teurer und volatiler als breite Indexfonds
Wie viel KI bereits in breiten Indexfonds steckt
Im Podcast "Investing Insights" von Morningstar ordnete Analyst Dan Sotiroff ein, wie stark Anleger über breite Indexfonds bereits am KI-Thema beteiligt sind. Große Technologiewerte wie NVIDIA und Microsoft dominierten zunehmend die großen Indizes, wodurch ein Großteil der Marktperformance bereits von diesen Titeln getrieben werde. Wer einen Fonds auf den S&P 500 oder den breiten US-Gesamtmarkt halte, sei damit laut Sotiroff bereits deutlich im KI-Thema engagiert, ohne dass es eines zusätzlichen thematischen Fonds bedürfe. Das Thema beschränke sich zudem nicht auf die USA, da auch große Werte an ausländischen Börsen wie SK hynix, Samsung Electronics und Taiwan Semiconductor Manufacturing eng mit dem KI-Ausbau verknüpft seien. Nach Einschätzung von Sotiroff profitieren neben Chipherstellern und Entwicklern zunehmend auch Material- und Energieunternehmen, die im Zuge des Baus neuer Rechenzentren und des steigenden Strombedarfs für die dafür benötigten Grafikprozessoren gebraucht würden. Auch kleinere Werte könnten davon profitieren, auch wenn sie bislang im Schatten der großen Technologiekonzerne stünden.
Drei Wetten auf einmal
Wer zusätzlich in einen thematischen KI-ETF investiert, gehe laut Sotiroff im Grunde drei Wetten gleichzeitig ein. Die erste Wette betrifft die Frage, ob sich das KI-Thema wie erwartet weiterentwickelt, was sich aus seiner Sicht bereits weitgehend bestätigt hat. Die zweite Wette liegt darin, dass der gewählte Fonds tatsächlich die richtigen Titel hält, was je nach Auswahlmethode zu stark unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Die dritte und aus seiner Sicht schwierigste Wette sei, dass die Erwartungen an das Thema noch nicht in den Kursen eingepreist seien. Gerade dieser Punkt sei kaum einzuschätzen, da die Bewertungen vieler KI-Titel bereits hoch seien und ein Großteil der Nachrichtenlage längst öffentlich bekannt sei. Laut Sotiroff hat die Mehrheit der von Morningstar erfassten thematischen KI-ETFs den breiten Markt übertroffen, wobei die Streuung zwischen den einzelnen Fonds sehr groß ausfällt. Manche Fonds hätten den Markt nur um wenige Prozentpunkte übertroffen, andere um 50 bis 70 Prozentpunkte, was laut Sotiroff vor allem an den unterschiedlichen Auswahl- und Gewichtungsmethoden der einzelnen Anbieter liege.
Kleinere, teurere und volatilere Fonds
Thematische KI-Fonds seien zudem kleiner, volatiler und teurer als breite Indexfonds, wie Sotiroff im Podcast "Investing Insights" weiter erläutert. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Fonds über mehrere Jahre hinweg bestehen blieben, sei vergleichsweise gering, und Anleger zahlten für die gezielte Wette auf ein enges Marktsegment höhere Verwaltungsgebühren. Ein Engagement über ETFs sei gegenüber Einzelaktien aus seiner Sicht ohnehin vorzuziehen, da es Diversifikation und steuerliche Vorteile biete, auch wenn dafür eine Verwaltungsgebühr anfalle. Bei aktiv verwalteten Fonds im Large-Growth-Segment schnitten passive Strategien nach seiner Einschätzung meist besser ab als aktive, da die großen und liquiden Werte des Segments ohnehin täglich in den Schlagzeilen präsent seien und die entsprechenden Informationen damit rasch in die Kurse einflößen.
Empfohlene Herangehensweise für Anleger
Als konkreten Einstieg empfahl Sotiroff, zunächst bei einem breiten Indexfonds auf den Gesamtmarkt zu bleiben, da dieser ohnehin bereits stark von den größten KI-Werten geprägt sei. Wer eine etwas gezieltere Positionierung wünsche, könne im nächsten Schritt zu einem Indexfonds mit Fokus auf Wachstumswerte übergehen, der stärker auf große Technologietitel ausgerichtet sei. Erst danach komme aus seiner Sicht ein thematischer KI-Fonds infrage, dessen größte Positionen typischerweise in Halbleiter- und Technologiewerten wie SK Hynix, Micron Technology, AMD, Broadcom und Nvidia lägen. Ein solcher Fonds sei stärker konzentriert, teurer und volatiler als ein breiter Technologiefonds. Wer bereits einen breiten Indexfonds mit US-Aktien halte, brauche laut Sotiroff für die langfristige Teilhabe am KI-Thema keinen zusätzlichen thematischen Fonds, da sich die Technologie nach seiner Einschätzung mit der Zeit auf immer mehr Branchen und Unternehmen ausweiten werde.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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