Xtrackers MSCI World Swap ETF: Fast viermal so teuer wie sein physischer Zwilling, ein Blick auf die Gründe
Vom selben Anbieter, auf denselben Index, aber fast viermal so teuer wie sein Zwilling. Dieser Fonds zeigt anschaulich, wie ein älteres, einst konkurrenzloses Produkt zum teuren Auslaufmodell werden kann.
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Das Wichtigste in Kürze:
- Mit 0,45 Prozent laufenden Kosten pro Jahr kostet dieser Fonds fast viermal so viel wie der physisch replizierende Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C mit nur 0,12 Prozent, obwohl beide denselben MSCI World Index abbilden und vom selben Anbieter stammen.
- Mit 5,3 Milliarden Euro Fondsvolumen ist der Fonds keineswegs ein Nischenprodukt, landet aber trotzdem nur auf Platz 14 unter allen verfügbaren MSCI-World-ETFs.
- Der Fonds wurde bereits 2006 aufgelegt, acht Jahre bevor Xtrackers 2014 die deutlich günstigere physische Variante nachlegte.
Warum Xtrackers zwei so unterschiedlich teure Fonds auf denselben Index anbietet
Der Xtrackers MSCI World Swap UCITS ETF 1C bildet den MSCI World Index nach, der große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern bündelt. Bei den Kosten liegt er mit 0,45 Prozent pro Jahr am oberen Ende dessen, was für etablierte MSCI-World-ETFs üblich ist, deren Preisspanne sich insgesamt zwischen 0,06 und 0,50 Prozent bewegt. Besonders auffällig wird das im Vergleich zum ebenfalls von Xtrackers angebotenen, physisch replizierenden Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C, der mit 0,12 Prozent nur etwa ein Viertel der Kosten verlangt. Der Grund für diesen Unterschied liegt im jeweiligen Alter der beiden Fonds. Der hier vorgestellte, synthetisch über ein Swap-Geschäft nachbildende Fonds wurde bereits im Dezember 2006 aufgelegt, zu einer Zeit, in der synthetische Nachbildung über Swap-Geschäfte die gängige und oft günstigste verfügbare Methode war. Erst im Juli 2014, acht Jahre später, legte Xtrackers mit dem physisch replizierenden Pendant eine neue, deutlich preisaggressivere Variante nach, die von den seither gesunkenen Kosten für die direkte physische Nachbildung profitierte. Ältere, bereits etablierte Fonds mit einer treuen Anlegerbasis werden dabei nicht automatisch im Preis an neuere, gezielt auf niedrige Kosten ausgelegte Konkurrenzprodukte angepasst, selbst wenn diese vom selben Anbieter stammen. Mit einem Fondsvolumen von aktuell 5,3 Milliarden Euro ist dieser Fonds trotz seiner höheren Kosten kein kleines Nischenprodukt, reicht aber angesichts der großen Konkurrenz nur für Platz 14 unter allen verfügbaren MSCI-World-ETFs. Der Fonds thesauriert seine Erträge.
NVIDIA, Apple und Microsoft: Die Schwergewichte im Fonds
Größte Position ist mit 5,21 Prozent NVIDIA. Der Chiphersteller hat mit Alpamayo 2 Super zuletzt ein offenes KI-Modell für Robotaxis und autonome Fahrzeuge zur kommerziellen Nutzung freigegeben, ein weiterer Schritt in der Strategie, die eigene KI-Technologie über Rechenzentren hinaus auch in der physischen Welt zu verankern. Auf Platz zwei folgt mit 4,68 Prozent Apple, das zuletzt seine Zahlen zum dritten Geschäftsquartal veröffentlichte und dabei erneut ein solides Wachstum über sein gesamtes Produkt- und Dienstleistungsportfolio hinweg auswies. An dritter Stelle steht mit 3,23 Prozent Microsoft, das für sein viertes Geschäftsquartal Ende Juli starke Ergebnisse meldete, getragen von der anhaltenden Stärke seines Cloud- und KI-Geschäfts. Dahinter folgen unter anderem mit Amazon, Alphabet und Broadcom weitere Schwergewichte, die das Bild eines stark US-amerikanisch und technologielastigen Fonds abrunden.
Warum die US- und Technologieabhängigkeit für Anleger so entscheidend ist
Bereits an den Top-Positionen zeigt sich, wie stark dieser Fonds von wenigen US-Technologiekonzernen abhängt. Ein Muster, das für praktisch jeden MSCI-World-ETF gilt, da die USA die mit Abstand größte und am höchsten bewertete Börse der Welt stellen und Technologiewerte dort besonders stark vertreten sind. Die Wertentwicklung eines MSCI-World-ETFs hängt dementsprechend trotz des Namens Welt-ETF überproportional von der Entwicklung einzelner US-Technologiekonzerne, der amerikanischen Geldpolitik und der US-Konjunktur ab, weniger von einer wirklich gleichmäßigen globalen Streuung.
Warum der Fonds mal stark, mal schwach läuft
2022 verlor der Fonds 13,1 Prozent, ausgelöst durch die schnellen und massiven Leitzinserhöhungen der großen Notenbanken, die besonders hoch bewertete Technologiewerte überproportional trafen. 2023 und 2024 folgten mit 19,4 und 26,2 Prozent zwei starke Jahre, getragen vom aufkommenden KI-Boom, der die Gewinne der größten Technologiekonzerne kräftig antrieb. 2025 fiel die Rendite zuletzt mit 7,0 Prozent wieder deutlich moderater aus, dafür steht im laufenden Jahr bereits ein Plus von 15,1 Prozent zu Buche, unterstützt von weiteren Leitzinssenkungen der US-Notenbank und anhaltend hohen Investitionen in KI-Infrastruktur. Starke Jahre fallen typischerweise in Phasen sinkender oder stabiler Zinsen bei gleichzeitig kräftigem Gewinnwachstum großer Technologiekonzerne, während überraschend restriktive Geldpolitik oder allgemeine Konjunktursorgen zu den größten Risikofaktoren für Rückschläge zählen.
Warum die Schwankungsbreite zuletzt spürbar gesunken ist
Die Volatilität liegt über ein Jahr bei 10,8 Prozent, über drei Jahre bei 13,1 Prozent und über fünf Jahre bei 14,7 Prozent, ein in den vergangenen Jahren deutlich rückläufiger Trend. Das lässt sich damit erklären, dass die jüngste Marktphase von einem vergleichsweise geradlinigen, durch anhaltendes KI-getriebenes Gewinnwachstum gestützten Aufwärtstrend geprägt war, während in die länger zurückliegenden Betrachtungszeiträume noch der Zinsschock des Jahres 2022 mit seinen deutlich heftigeren Kursausschlägen einfließt. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 20,5 Prozent und geht auf ebendiesen Zinsschock zurück. Seit Auflage im Jahr 2006 liegt der maximale Verlust dagegen bei minus 53,4 Prozent, ein deutlich höherer Wert, der auf die globale Finanzkrise 2008 zurückgeht, die den Fonds nur kurz nach seiner Auflage besonders hart traf und einen der schwersten Einbrüche der jüngeren Börsengeschichte auslöste. Auch ein breit gestreuter Welt-ETF ist also keineswegs vor extremen Krisenphasen geschützt, selbst wenn sich die vergangenen Jahre deutlich ruhiger gestaltet haben.
Für welche Strategie sich dieser MSCI-World-ETF eignet
Wer sich ausschließlich an der Zusammensetzung und der historischen Wertentwicklung orientiert, findet in diesem Fonds einen soliden, wenn auch nicht mehr besonders kostengünstigen Zugang zum MSCI World Index. Da der eigene Anbieter mit dem physisch replizierenden Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C bei praktisch identischer Zusammensetzung eine deutlich günstigere Alternative bereithält, dürfte dieser Fonds vor allem für Anleger relevant sein, die bereits seit Jahren investiert sind und aus steuerlichen oder praktischen Gründen nicht ohne Weiteres umschichten möchten, oder die aus anderen Gründen gezielt eine synthetische statt physische Nachbildung bevorzugen. Für einen Neueinstieg spricht bei nahezu identischer Zusammensetzung wenig gegen die deutlich günstigere physische Variante desselben Anbieters.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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