Amundi Core Nasdaq-100: Über 60 Prozent Technologie in einem einzigen ETF und Micron liegt hier vor Microsoft

Micron liegt in diesem Fonds vor Microsoft, ein Novum unter den großen US-ETFs. Der Grund dafür ist eine Billion-Dollar-Story rund um den KI-Speicherboom.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Unter den fünf größten Nasdaq-100-ETFs ist dieser Fonds der günstigste, deutlich unter üblichen 0,30 Prozent der meisten Wettbewerber.
- Auf Platz drei der größten Positionen steht Micron Technology vor Microsoft, ein Novum unter den großen US-ETFs, das sich mit einer bemerkenswerten Unternehmensgeschichte erklären lässt.
- 2023 und 2024 hat die Konzentration auf den Nasdaq 100 hervorragend funktioniert, 2022 dagegen zu einem der stärksten Verlustjahre unter allen US-ETFs geführt.
Der günstigste unter den großen Nasdaq-100-ETFs
Der Amundi Core Nasdaq-100 Swap UCITS ETF Acc bildet den Nasdaq 100 Index nach, der die 100 größten, nicht dem Finanzsektor zugehörigen Unternehmen an der Technologiebörse Nasdaq bündelt. Der Fonds bildet seinen Index synthetisch über ein Swap-Geschäft nach, bei dem ein Bankpartner die Wertentwicklung des Index vertraglich garantiert, und thesauriert seine Erträge. Mit einem Fondsvolumen von 5,9 Milliarden Euro zählt er zu den fünf größten Nasdaq-100-ETFs am Markt, unter diesen ist er zugleich der günstigste. Mit 0,22 Prozent laufenden Kosten pro Jahr liegt er spürbar unter den 0,30 Prozent, die sowohl der größere iShares Nasdaq 100 UCITS ETF als auch die verschiedenen Invesco-EQQQ-Varianten verlangen. Erst dahinter folgen mit dem BNP Paribas Easy II NASDAQ 100 UCITS ETF oder dem Xtrackers Nasdaq 100 UCITS ETF noch etwas günstigere, aber deutlich kleinere Alternativen. Der Fonds selbst wurde bereits 2001 aufgelegt und blickt damit auf eine der längsten Historien unter allen Nasdaq-100-ETFs zurück.
Micron vor Microsoft: Eine Billion-Dollar-Geschichte erklärt die Reihenfolge
Die zehn größten Positionen vereinen 44,75 Prozent des Fondsvermögens. Angeführt wird der Fonds von NVIDIA mit 7,53 Prozent, gefolgt von Apple mit 6,61 Prozent. Ungewöhnlich ist die dritte Position: Mit 5,69 Prozent liegt Micron Technology mit 5,69 Prozent vor Microsoft, ein Novum unter den großen US-ETFs, in denen üblicherweise hinter Microsoft erst noch unter anderemAmazon und Alphabet die vorderen Plätze belegen. Micron hat jedoch seine gesamte Speicherkapazität für hochleistungsfähige KI-Speicherchips für das laufende Jahr bereits vollständig verkauft und rechnet mit einer anhaltenden Angebotsknappheit über 2027 hinaus, untermauert durch 16 mehrjährige Liefervereinbarungen im Gesamtvolumen von etwa 22 Milliarden US-Dollar, die dem einst stark zyklischen Speicherhersteller eine ungewöhnliche Umsatzsicherheit verschaffen. Getragen von dieser Nachfragewelle überschritt die Marktkapitalisierung von Micron im Mai 2026 erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar. In einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index wie dem Nasdaq 100 kann sich die Rangfolge der größten Positionen deutlich schneller verschieben, als man es von etablierten Welt- oder Europa-ETFs gewohnt ist. Hier zeigt sich ein direktes Resultat der teils extremen Kursbewegungen einzelner Technologiewerte.
Über 60 Prozent Technologie: Worauf Anleger mit diesem Fonds konzentriert setzen
Mit 60,43 Prozent entfällt der mit Abstand größte Teil des Fonds auf die Informationstechnologie, deutlich mehr als in praktisch jedem anderen breiten US-ETF, gefolgt von Kommunikationsdiensten mit 12,32 Prozent und zyklischen Konsumgütern mit 10,82 Prozent. Der Finanzsektor fehlt dagegen, da der Nasdaq 100 per Definition keine Finanzdienstleister enthält. Diese Struktur ergibt sich unmittelbar aus der Zusammensetzung der Nasdaq-Börse selbst, an der überproportional viele Technologie- und Internetkonzerne notiert sind. Wer diesen Fonds kauft, setzt damit bewusst und konzentriert auf die Innovationskraft der US-Technologiebranche, insbesondere auf Halbleiter, Software und Internetdienste, verzichtet aber auf die breitere Branchenstreuung, die ein Fonds auf den MSCI USA oder den S&P 500 bietet.
Warum die Konzentration 2023 bis 2025 hervorragend funktionierte, aber 2022 zum Verlustjahr wurde
2023 legte der Fonds um 49,55 Prozent zu, 2024 um weitere 33,96 Prozent, in beiden Jahren deutlich mehr als ein breiter US-ETF auf den MSCI USA. Der KI-Boom hat die Gewinne und Kurse genau jener Unternehmen besonders stark angetrieben, die im Nasdaq 100 überproportional vertreten sind, allen voran Chiphersteller und Cloud-Anbieter. 2025 fiel die Rendite mit 6,42 Prozent deutlich moderater aus. Die Kehrseite dieser Konzentration zeigte sich bereits 2022 mit einem Verlust von 28,15 Prozent, einem der stärksten Rückgänge unter allen großen US-ETFs in diesem Jahr. Auslöser waren die schnellen und heftigen Leitzinserhöhungen der US-Notenbank, die besonders hoch bewertete Technologiewerte überproportional trafen, da deren künftige Gewinne bei höheren Zinsen rechnerisch weniger wert sind, ein Effekt, der sich bei einem zu 60 Prozent technologielastigen Fonds naturgemäß stärker bemerkbar macht als bei einem breiter gestreuten US-ETF. Die Chance auf überdurchschnittliche Renditen in Phasen starken Technologiewachstums geht also mit einem spürbar höheren Rückschlagrisiko einher, sobald sich das Zins- oder Konjunkturumfeld eintrübt.
Erhöhte Schwankung als Preis für die Konzentration
Die Volatilität liegt über ein Jahr bei 18,76 Prozent und über fünf Jahre bei 22,86 Prozent, spürbar höher als bei einem breiten US- oder Welt-ETF. Auch die maximalen Kursrückgänge fallen entsprechend deutlicher aus. Über fünf Jahre liegt der maximale Verlust bei minus 30,88 Prozent, seit Auflage im Jahr 2001 sogar bei minus 61,11 Prozent, ein Wert, der auf das Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn der 2000er-Jahre zurückgeht, als besonders viele der damals stark überbewerteten Technologie- und Internetunternehmen im Nasdaq 100 betroffen waren. Anleger sollten diese erhöhte Schwankungsbreite als festen Bestandteil einer Investition in diesen Fonds einplanen und entsprechend aushalten können, statt bei zwischenzeitlichen Rückschlägen vorschnell zu verkaufen.
Für welche Strategie sich dieser Nasdaq-100-ETF eignet
Der Fonds eignet sich als gezielte Beimischung für Anleger, die bewusst und konzentriert auf die US-Technologiebranche setzen möchten und dafür bereit sind, eine im Vergleich zu breiter gestreuten US- oder Welt-ETFs deutlich höhere Schwankungsbreite in Kauf zu nehmen. Wegen der fehlenden Branchenstreuung und der ausschließlichen Fokussierung auf ein einzelnes Land eignet er sich nicht als alleiniger Grundbaustein eines Portfolios, sondern sollte stets als Ergänzung zu einem bereits breiter aufgestellten Depot verstanden werden. Wer diese Konzentration versteht und bewusst auf sie setzen möchte, findet mit diesem Fonds unter den größten Nasdaq-100-ETFs die günstigste verfügbare Variante.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf eine einzelne Branche kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.
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