Steueroptimierung

Direct Indexing vs ETF: Was hinter der angeblichen Konkurrenz wirklich steckt


Direct Indexing vs ETF: Was hinter der angeblichen Konkurrenz wirklich steckt

Direct Indexing gilt in den USA als ETF-Konkurrenz und wächst stark. Für deutsche Anleger relativiert sich der Hype jedoch beim Blick auf Mechanismus und Steuerrahmen.

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• Steueroptimierung treibt Direct Indexing in den USA
• US-ETF-Struktur bietet eigenen Steuervorteil
• In Deutschland kaum Zusatznutzen gegenüber ETFs

Was Direct Indexing ist und warum es in den USA wächst

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Direct Indexing bezeichnet den direkten Kauf der Einzeltitel eines Index über ein separat verwaltetes Konto, anstatt den Index über einen ETF oder klassischen Indexfonds abzubilden. Das zentrale Verkaufsargument der Anbieter liegt in der Steueroptimierung auf Einzeltitelebene. Durch das sogenannte Tax Loss Harvesting lassen sich Verluste gezielt realisieren, um Gewinne an anderer Stelle auszugleichen, während die Gesamtstruktur des Portfolios weitgehend erhalten bleibt. Hinzu kommen Möglichkeiten zur Personalisierung, wie etwa der Ausschluss bestimmter Branchen oder individuelle Faktor-Gewichtungen, die in einem Standard-ETF kaum realisierbar sind.

In den USA haben technologische Fortschritte und der Wegfall von Handelsgebühren die Einstiegshürden massiv gesenkt, sodass entsprechende Programme heute bereits für deutlich geringere Anlagesummen zugänglich sind als noch vor wenigen Jahren. Dennoch bleiben die Verwaltungsgebühren für diese Mandate meist spürbar über dem Niveau günstiger Standard-ETFs.

Der strukturelle Vorteil von US-ETFs

In der Debatte geht oft unter, dass der steuerliche Vorsprung von US-ETFs gegenüber klassischen Investmentfonds auf einem regulatorischen Mechanismus beruht, der speziell im US-Markt greift. Über das Verfahren der In-Kind Redemption können ETF-Emittenten in den USA Wertpapiere mit hohen Buchgewinnen übertragen, ohne dass dabei steuerlich relevante Kapitalgewinne im Fondsmantel anfallen.

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Kritische Stimmen geben zudem zu bedenken, dass die US-amerikanische "Wash Sale Rule", welche einen Rückkauf desselben Titels kurz nach einer Verlustrealisierung untersagt, den Effekt des Tax Loss Harvesting strukturell begrenzt. Ein weiteres Problem ist der mit der Zeit zunehmende Trackingfehler, da das Portfolio mit jedem steuerlich motivierten Verkauf weiter von der Struktur des Original-Index abdriftet.

Warum deutsche Anleger das Thema anders rechnen müssen

Der entscheidende Punkt für den hiesigen Markt liegt im deutschen Steuersystem. Anders als in den USA, wo Verluste oft flexibel mit dem allgemeinen Einkommen verrechnet werden können, gilt in Deutschland die pauschale Abgeltungsteuer. Da Verluste aus dem Verkauf von Aktien gemäß Einkommensteuergesetz ausschließlich mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden dürfen, führen deutsche Banken hierfür automatisierte Verlustverrechnungstöpfe.

Damit verschiebt sich die Logik erheblich, da der Mehrwert einer aktiven Verlustrealisierung auf Einzeltitelebene im deutschen System weitgehend ins Leere läuft. Die Bank saldiert Gewinne und Verluste ohnehin automatisch auf Depotebene. Ein eigenständiges Management bringt für deutsche Privatanleger somit kaum Vorteile, es sei denn, es stehen sehr hohe anderweitige Aktiengewinne im selben Jahr gegenüber. Zudem genießen Aktien-ETFs in Deutschland eine Teilfreistellung von meist 30 Prozent, was die effektive Steuerlast im Vergleich zum direkten Halten der Einzelwerte sogar senken kann.

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Personalisierung als zweites Argument

Über die Steueroptimierung hinaus werben Anbieter mit individueller Anpassbarkeit. Ein klassisches Beispiel ist der Wunsch, bestimmte Branchen gezielt auszuschließen, um Klumpenrisiken zum eigenen Gehalt zu reduzieren. In der Praxis ist diese Lücke in Europa jedoch schmal geworden, da Anleger für ESG-Kriterien oder Faktor-Strategien heute auf ein riesiges Angebot an kostengünstigen UCITS-ETFs zurückgreifen können. Für die breite Anlegerschaft rechtfertigt die verbleibende Rest-Personalisierung den höheren Verwaltungsaufwand und die Kosten von Direct Indexing daher kaum, zumal ein korrespondierendes Portfolio aus Sektor-ETFs oft deutlich günstiger und unkomplizierter zu führen ist.

Dominik Maier, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Drozd Irina / Shutterstock.com

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06.02.15 MSCI Neutral UBS AG

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