State Street SPDR Russell 2000 ETF: Die Top 10 bringen es nur auf 3,4 Prozent, ein Blick auf das Gegenteil eines Nasdaq-100-ETFs
1.861 Unternehmen stecken in diesem größten US-Nebenwerte-ETF und die zehn größten davon bringen es zusammen nur auf 3,4 Prozent Gewicht - das genaue Gegenteil eines Nasdaq-100- oder S&P-500-ETFs.
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Das Wichtigste in Kürze:
- Der Russell 2000 Index bündelt 2.000 kleinere börsennotierte US-Unternehmen und unterscheidet sich damit fundamental von bekannten Indizes wie dem S&P 500 oder dem Nasdaq 100, die ausschließlich die größten US-Konzerne abbilden.
- Die zehn größten Positionen dieses Fonds vereinen zusammen nur 3,4 Prozent des Fondsvermögens, bei einem Nasdaq-100- oder S&P-500-ETF völlig undenkbar.
- 2023 bis 2025 blieb der Fonds hinter einem S&P-500-ETF zurück, im laufenden Jahr hat er ihn dagegen klar überholt.
Was der Russell 2000 ist, und wie er sich von S&P 500 und Nasdaq 100 unterscheidet
Der State Street SPDR Russell 2000 U.S. Small Cap UCITS ETF bildet den Russell 2000 Index nach, der 2.000 kleinere börsennotierte US-Unternehmen bündelt. Während sich der Nasdaq 100 auf die 100 größten Nicht-Finanzwerte der Technologiebörse Nasdaq und der S&P 500 auf die 500 größten US-Unternehmen insgesamt beschränken, deckt der Russell 2000 gezielt jenen Teil des US-Aktienmarkts ab, der beim Übergang vom Russell-1000-Index, der die 1.000 größten US-Unternehmen bündelt, zum breiteren Russell-3000-Index übrig bleibt, also die kleineren, oft noch wenig bekannten Unternehmen. Wer in diesen Fonds statt in einen S&P-500- oder Nasdaq-100-ETF investiert, setzt damit weniger auf die bereits etablierten, oft weltweit tätigen Großkonzerne, sondern auf kleinere, häufig stärker binnenmarktorientierte Unternehmen mit größerem Wachstumspotenzial, aber auch höherem Risiko und geringerer Marktbekanntheit. Damit sich eine Investition in Nebenwerte gegenüber den bekannteren, großkapitalisierten US-Indizes stärker lohnt, braucht es in der Regel eine Phase sinkender Zinsen, die kleineren, oft stärker fremdfinanzierten Unternehmen besonders zugutekommt, sowie eine robuste US-Konjunktur, von der binnenorientierte Geschäftsmodelle überproportional profitieren.
Der größte und zugleich einer der günstigsten US-Nebenwerte-ETFs
Unter den verfügbaren US-Small-Cap-ETFs ist dieser Fonds mit einem Fondsvolumen von 4,9 Milliarden Euro mit Abstand der größte, deutlich vor dem iShares MSCI USA Small Cap ESG Enhanced CTB UCITS ETF, dem iShares S&P SmallCap 600 UCITS ETF und dem Xtrackers Russell 2000 UCITS ETF. Bei den Kosten liegt er mit 0,30 Prozent pro Jahr gleichauf mit dem günstigsten dieser vier größten Anbieter. Erst ab einem Fondsvolumen von unter 400 Millionen Euro finden sich günstigere Varianten. Der Fonds bildet seinen Index über ein Optimiertes-Sampling-Verfahren nach, thesauriert seine Erträge und wurde bereits im Juni 2014 aufgelegt.
Keine Gleichgewichtung, sondern schlicht sehr viele kleine Unternehmen
Der Russell 2000 Index ist entgegen einer verbreiteten Annahme nicht gleichgewichtet, sondern wie die meisten großen Indizes nach der frei handelbaren Marktkapitalisierung gewichtet. Dass die zehn größten Positionen trotzdem nur 3,4 Prozent des Fonds ausmachen, liegt nicht an einer expliziten Gleichgewichtungsregel, sondern schlicht daran, dass der Index aktuell 1.861 überwiegend sehr kleine Unternehmen umfasst, bei denen selbst die größten Positionen im Verhältnis zum riesigen Gesamtuniversum winzig bleiben. Überprüft und angepasst wird der Index traditionell einmal jährlich im Juni, wobei ab 2026 zusätzlich eine zweite Überprüfung im Dezember eingeführt wird, um Marktkapitalisierungsverschiebungen künftig schneller abzubilden.
Moog und Hut 8: Zwei sehr unterschiedliche Beispiele für US-Nebenwerte
Moog, mit 0,38 Prozent knapp die größte Position, ist ein 1951 gegründeter Hersteller von Präzisionssteuerungssystemen für Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Industrie, unter anderem für Flugsteuerungen kommerzieller und militärischer Flugzeuge, Raketenlenksysteme und Industrieanwendungen. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von 3,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von knapp 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen von Rekordbestellungen, einem Rekordauftragsbestand von 2,7 Milliarden US-Dollar sowie starkem Wachstum im zivilen Nachrüstgeschäft und in den Bereichen Raumfahrt und Verteidigung.
Auf Platz zwei folgt mit 0,37 Prozent Hut 8, ein nordamerikanisches Energie- und Digitalinfrastruktur-Unternehmen, das Strom, Rechenzentren und Rechenleistung für energieintensive Anwendungen wie Bitcoin-Mining und Hochleistungsrechnen bereitstellt. Nachdem Hut 8 sein klassisches Bitcoin-Mining-Geschäft in die Tochtergesellschaft American Bitcoin ausgegliedert hat, verlagert sich der Fokus zunehmend auf KI-Rechenzentrumsinfrastruktur, etwa über das Großprojekt River Bend in Louisiana sowie den Anbieter von Grafikprozessor-Rechenleistung Highrise AI. Die Aktie legte 2026 zeitweise um bis zu 200 Prozent zu, nachdem der Konzern einen 15 Jahre laufenden, 9,8 Milliarden US-Dollar schweren Mietvertrag mit einem großen, bislang nicht genannten Technologiekonzern für Rechenzentrumskapazität abgeschlossen hatte, ein Beispiel dafür, wie stark sich einzelne Nebenwerte im Zuge des KI-Booms neu bewerten können.
Warum Finanzen und Gesundheit hier vor Technologie stehen
Nach Sektoren führt Finanzen mit 25,8 Prozent, gefolgt von Gesundheitswesen mit 20,1 Prozent, erst an dritter Stelle folgt Technologie mit 12,9 Prozent. Diese Reihenfolge unterscheidet sich deutlich von den meisten anderen US-ETFs, in denen Technologie üblicherweise klar dominiert. Der Grund liegt darin, dass viele der größten und bekanntesten Technologiekonzerne der USA längst zu Large Caps herangewachsen sind und damit im Russell 1000 statt im Russell 2000 stecken, während kleinere Regionalbanken, spezialisierte Finanzdienstleister sowie Biotech- und Gesundheitsunternehmen im Nebenwerte-Segment stärker vertreten bleiben. Für Anleger ergibt sich daraus ein besonderer Diversifikationsvorteil. Der Fonds eignet sich zur Ergänzung eines MSCI-World-, S&P-500- oder Nasdaq-100-ETFs für Anleger, die von den langfristigen Potenzialen US-amerikanischer Unternehmen überdurchschnittlich überzeugt sind, dabei aber ihre ohnehin meist schon hohe Abhängigkeit von der US-Technologiebranche nicht zusätzlich verstärken möchten, da hier eine spürbar andere Branchenmischung zum Tragen kommt.
Warum sich das Blatt 2026 so deutlich gewendet hat
2023 legte der Fonds um 12,2 Prozent zu und 2024 um 18,3 Prozent, blieb damit aber beide Jahre klar hinter einem S&P-500-ETF zurück, der im selben Zeitraum über 20 beziehungsweise über 30 Prozent erzielte. 2025 verlor der Fonds sogar leicht mit minus 0,7 Prozent. Im laufenden Jahr hat sich das Bild dagegen umgekehrt. Mit 22,5 Prozent liegt der Fonds deutlich vor dem iShares Core S&P 500 UCITS ETF mit 13,3 Prozent. Der Grund für diese Wende liegt genau in den zuvor beschriebenen Voraussetzungen für eine Nebenwerte-Rally. Die US-Notenbank hat ihre Leitzinsen mittlerweile mehrfach gesenkt, was kleineren, oft stärker fremdfinanzierten Unternehmen unmittelbar zugutekommt, während gleichzeitig Beispiele wie Hut 8 zeigen, dass auch kleinere Unternehmen zunehmend vom KI-Investitionsboom profitieren, statt dass dieser sich wie in den Vorjahren fast ausschließlich auf eine Handvoll großer Technologiekonzerne konzentriert.
Warum die Schwankungsbreite sinkt, und wann es besonders heftig krachte
Die Volatilität liegt über ein Jahr bei 18,6 Prozent, über drei Jahre bei 21,5 Prozent und über fünf Jahre bei 22,7 Prozent, ein im Zeitverlauf leicht rückläufiger Trend, der sich mit der zuletzt robusteren und klareren Aufwärtsbewegung des laufenden Jahres erklären lässt, während die längeren Betrachtungszeiträume noch die deutlich unruhigeren Vorjahre mit einschließen. Der maximale Kursrückgang über drei Jahre liegt bei minus 30,6 Prozent, deutlich höher als bei vielen anderen, selbst spezialisierteren ETFs. Dieser Einbruch fällt in die Phase der regionalen US-Bankenkrise ab März 2023, als die Pleiten mehrerer US-Regionalbanken gerade kleinere, im Russell 2000 stark vertretene Finanzinstitute stark verunsicherten, verstärkt durch die anhaltend hohen Zinsen der Folgejahre, die kleinere, oft variabel verschuldete Unternehmen deutlich stärker belasteten als die großen, kapitalstarken Konzerne der bekannteren Indizes. Besonders anfällig für Kursrückgänge ist dieser Fonds speziell in Phasen steigender oder anhaltend hoher Zinsen, bei Turbulenzen im US-Bankensektor sowie in Rezessionsphasen, die binnenorientierte kleinere Unternehmen typischerweise stärker treffen als international diversifizierte Großkonzerne.
Für welche Strategie sich dieser US-Nebenwerte-ETF eignet
Der Fonds eignet sich als gezielte Beimischung für Anleger, die neben einem bereits vorhandenen S&P-500-, Nasdaq-100- oder MSCI-World-ETF gezielt auch von kleineren US-Unternehmen profitieren und dabei ihre Technologiekonzentration nicht weiter erhöhen möchten. Wegen der deutlich höheren Schwankungsbreite und der stärkeren Abhängigkeit von Zinsentwicklung und US-Binnenkonjunktur eignet sich der Fonds nicht als alleiniges Investment, sondern als Ergänzung zu einem bereits breiter aufgestellten Depot.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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