KI-Aktien im Blick: Warum JPMorgan die Billionen-Investitionen für tragfähig hält
JPMorgan hebt seine Prognose für globale KI-Investitionen deutlich an und sieht den Ausbau wirtschaftlich auf soliden Beinen.
Werte in diesem Artikel
• JPMorgan hebt Prognose für globale KI-Investitionen bis 2030 auf 5,5 Billionen Dollar an
• Kapitalausgaben der größten US-Hyperscaler sollen 2026 deutlich zulegen
• Fremdkapitalfinanzierung von Rechenzentren erreicht neue Rekordwerte
JPMorgan erhöht Investitionsprognose deutlich
JPMorgan Global Research geht in seinem Ausblick zur Jahresmitte davon aus, dass der Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz nicht nur anhält, sondern zunehmend profitabel wird. Im Zentrum steht der Ausbau der vorgelagerten KI-Infrastruktur aus Rechenzentren, Chips und begleitender Technik, der weiterhin stark auf die USA konzentriert ist. Das Land vereint nach den Angaben rund 85 Prozent des Wagniskapitals im Bereich KI und maschinelles Lernen auf sich, während China, Südkorea und Taiwan aufgrund ihrer Rolle in der Halbleiter-Lieferkette von Zweiteffekten profitieren dürften. JPMorgan rechnet mit weltweiten KI-bezogenen Investitionsausgaben von 5,5 Billionen Dollar bis 2030, nachdem zuvor 5,1 Billionen Dollar veranschlagt worden waren. Die Anhebung geht auf eine größere Kapazitätsausweitung sowie eine veränderte Finanzierungsstruktur zurück, die Bank hat ihre Schätzung für die fremdfinanzierten Anteile des Ausbaus auf 4,1 Billionen Dollar angehoben und begründet dies mit höheren Beleihungsquoten der Vorhaben.
Hyperscaler treiben die Ausgaben
Als wesentliche Treiber der Investitionswelle gelten die großen Cloud- und Technologiekonzerne. JPMorgan erwartet für diese Hyperscaler Kapitalausgaben von rund 650 Milliarden Dollar für 2026, die 2027 auf über 1,1 Billionen Dollar steigen sollen, während der operative Cashflow der Unternehmen bis 2027 auf mehr als 900 Milliarden Dollar zulegen dürfte. In einer separaten Einschätzung zur Finanzierung von Rechenzentren in den USA beziffert JPMorgan die Kapitalausgaben der fünf größten US-Hyperscaler für 2026 auf 697 Milliarden Dollar, ein Plus von 173 Milliarden Dollar seit Jahresbeginn. Cloud-Anbieter wie Amazon, Alphabet und Microsoft melden steigende Umsätze aus dem KI-Geschäft, unter Investoren ist jedoch weiterhin umstritten, wie schnell sich die hohen Investitionen amortisieren. Da sich der Investitionszyklus auf eine kleine Gruppe von Technologiekonzernen konzentriert, könnte ein Nachfragerückgang bei diesen Unternehmen überproportionale Auswirkungen auf die gesamte Branche haben.
Kreditmärkte tragen den Ausbau mit
Der Finanzierung über die Kreditmärkte kommt nach Einschätzung von JPMorgan eine entscheidende Rolle zu. Die Bank rechnet damit, dass Investment-Grade-Unternehmensanleihen über einen Zeitraum von fünf Jahren mehr als 2,1 Billionen Dollar zur Finanzierung von Rechenzentren beisteuern werden, allein für 2026 werden 150 Milliarden Dollar an Emissionen von US-Hyperscalern sowie umgerechnet weitere 100 Milliarden Dollar außerhalb der USA erwartet. Von Rechenzentrums- und Chipemittenten außerhalb des Kernsegments für Investment-Grade-Anleihen werden zusätzlich rund 170 Milliarden Dollar erwartet. Wie konkret solche Finanzierungen aussehen können, zeigen mehrere von JPMorgan begleitete Transaktionen aus dem Jahr 2026. Für das Rechenzentrums-Projekt Stargate in Abilene, Texas, strukturierte die Bank zwei Baukredite über insgesamt 9,6 Milliarden Dollar. Beim Rechenzentrum Beacon Point des Unternehmens Hut 8 in Texas fungierte JPMorgan im Juni 2026 als Konsortialführer bei einer Anleihe über 4,25 Milliarden Dollar, die zu 95 Prozent beleihungsquotenfinanziert war, dem höchsten je erreichten Wert für eine Anleihe eines Hochleistungsrechenzentrums. CoreWeave wiederum sammelte im April 2026 über eine Kombination aus unbesicherten und wandelbaren Anleihen 5,25 Milliarden Dollar ein, eine der größten derartigen Kombinationstransaktionen überhaupt.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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