iShares MSCI USA ESG ETF: Der größte ESG-gefilterte US-ETF mit einem auffälligen Unterschied zum S&P 500
Auf den ersten Blick sieht der größte ESG-gefilterte US-ETF aus wie ein klassischer S&P-500-ETF, bei genauerem Hinsehen zeigen sich aber feine, aufschlussreiche Unterschiede.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Dieser Fonds ist der größte US-ETF, der weder den S&P 500 noch den Nasdaq 100 eins zu eins oder in abgewandelter Form abbildet, und zugleich der größte ESG-gefilterte ETF auf den US-Aktienmarkt.
- Bei den Kosten wird er unter den zehn größten ESG-US-ETFs nur von einer einzigen Variante unterboten, alle anderen sind gleich teuer oder teurer.
- Die Zusammensetzung ähnelt einem klassischen S&P-500-ETF stark, mit einer auffälligen Ausnahme bei Alphabet.
Wie sich der größte ESG-gefilterte US-ETF zusammensetzt
Der iShares MSCI USA CTB Enhanced ESG UCITS ETF USD (Dist) bildet den MSCI USA ESG Enhanced CTB Index nach. Ausgangspunkt ist der MSCI USA Index, der etwas breiter gefasst ist als der S&P 500 und neben großen auch mittelgroße US-Unternehmen umfasst. Aus diesem Universum werden Unternehmen ausgeschlossen, die an umstrittenen Waffen, ziviler Schusswaffenherstellung, Kraftwerkskohle, Tabak oder unkonventionellen Ölsanden beteiligt sind oder gegen die Prinzipien des UN Global Compact verstoßen. Der verbleibende Index wird anschließend so optimiert, dass er ein höheres ESG-Rating sowie eine geringere Kohlenstoffintensität als der breite MSCI-USA-Ausgangsindex aufweist und zugleich die Mindestanforderungen an einen EU-Klimaübergangsbenchmark übertrifft, während Rendite- und Risikoeigenschaften möglichst nah am Ausgangsindex bleiben sollen. Bei den Kosten liegt der Fonds mit 0,07 Prozent pro Jahr sehr günstig. Unter den zehn größten ESG-gefilterten US-ETFs wird er nur vom State Street SPDR S&P 500 Leaders UCITS ETF mit 0,03 Prozent unterboten, der zwar ebenfalls bereits etabliert, aber deutlich kleiner ist. Mit 15,8 Milliarden Euro Fondsvolumen ist dieser Fonds nicht nur der größte ESG-gefilterte US-ETF, sondern auch der größte US-ETF überhaupt, der nicht einfach den S&P 500 oder den Nasdaq 100 nachbildet. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und schüttet seine Erträge aus.
Fast wie ein S&P-500-ETF, mit einer auffälligen Ausnahme
Mit 475 Positionen liegt der Fonds nur wenig unter den rund 500 Werten eines klassischen S&P-500-ETFs und deutlich über den 100 Werten eines Nasdaq-100-ETFs. Die zehn größten Positionen mit NVIDIA, Apple, Microsoft, Amazon und weiteren bekannten Namen sind nahezu identisch mit einem klassischen S&P-500-ETF, ebenso die Sektorverteilung. Eine Ausnahme sticht dabei heraus. Während bei einem typischen S&P-500-ETF die stimmberechtigte Alphabet-A-Aktie etwas stärker gewichtet ist als die stimmrechtslose C-Aktie, ist es in diesem Fonds mit 3,21 gegenüber 2,56 Prozent genau umgekehrt. Die Verzerrung ist ein Nebeneffekt der computergestützten Portfolio-Optimierung. Um die CO2-Reduktion von 30 Prozent bei minimaler Marktabweichung zu erzwingen, "schraubt" der Algorithmus an den Stellschrauben der beiden Alphabet-Klassen, da sie für das Modell das effizienteste Werkzeug darstellen, um die harten mathematischen Kriterien zu erfüllen
NVIDIA, Apple und Microsoft: Was aktuell für Bewegung sorgt
Größte Position ist mit 7,17 Prozent NVIDIA, das zuletzt mit den neuen Plattformen LPX und CPX für seine kommende Vera-Rubin-Chipgeneration eine schnellere KI-Leistung bei gleichzeitig geringeren Kosten pro verarbeiteter Anfrage in Aussicht gestellt hat. Auf Platz zwei folgt mit 6,73 Prozent Apple, das zuletzt Änderungen für Apps in der Europäischen Union angekündigt hat, eine Reaktion auf regulatorische Vorgaben der EU. An dritter Stelle steht mit 4,10 Prozent Microsoft, das für sein viertes Geschäftsquartal starke, von der anhaltenden Cloud- und KI-Nachfrage getragene Ergebnisse meldete.
Fast die Hälfte Technologie: Was Anleger davon erwarten können
Mit 45,3 Prozent entfällt fast die Hälfte des Fonds auf die Technologiebranche, eine nahezu identische Verteilung wie bei einem klassischen S&P-500-ETF. Auch mit ESG-Filter bleibt die Wertentwicklung demzufolge überproportional von der Innovationskraft und den Bewertungen weniger, sehr wertvoller US-Technologiekonzerne abhängig. Die Chancen und Risiken unterscheiden sich hier kaum von einem klassischen S&P-500-Investment.
Warum die Rendite trotz nahezu identischer Zusammensetzung leicht hinter dem S&P 500 zurückblieb
2022 verlor der Fonds 16,5 Prozent, gut 3 Prozentpunkte mehr als ein vergleichbarer S&P-500-ETF. Seither blieb die Rendite in jedem einzelnen Jahr, 2023 mit 21,2 Prozent, 2024 mit 31,5 Prozent, 2025 mit 1,9 Prozent sowie im laufenden Jahr mit 12,2 Prozent, jeweils leicht unter einem klassischen S&P-500-Investment. Der Grund dafür liegt im Optimierungsprozess des Fonds selbst. Da er gezielt Unternehmen mit höherem ESG-Rating und geringerer Kohlenstoffintensität stärker gewichtet als der Ausgangsindex und bestimmte Geschäftsfelder komplett ausschließt, weicht die tatsächliche Zusammensetzung minimal, aber dauerhaft von einem reinen S&P-500-ETF ab. In einem Jahr wie 2022, in dem besonders viele unterschiedliche Faktoren gleichzeitig auf die Kurse einwirkten, führte diese leicht abweichende Zusammensetzung zu einem etwas stärkeren Rückgang, während sich der Unterschied in den Folgejahren als kleiner, aber konstanter Renditerückstand zeigte.
Was die Ausschüttung für Anleger bedeutet
Der Fonds schüttet seine Erträge aus, was Anlegern mehr Flexibilität ermöglicht als eine automatische Wiederanlage. Mit einer Ausschüttungsrendite zwischen 0,91 und 1,41 Prozent in den vergangenen vier Jahren bewegt sich der Fonds aber nicht auf dem Niveau eines klassischen Dividenden-ETFs, sondern liefert nur einen kleinen, ergänzenden Cashflow neben dem eigentlichen, wachstumsorientierten Charakter dieses US-Investments.
Warum die Volatilität zuletzt deutlich zurückging
Die Volatilität liegt über ein Jahr bei 12,7 Prozent, deutlich niedriger als die 19,1 und 19,9 Prozent über drei und fünf Jahre. Das lässt sich damit erklären, dass sich die Märkte in den vergangenen zwölf Monaten vergleichsweise geradlinig und durch anhaltendes KI-getriebenes Gewinnwachstum gestützt entwickelt haben, während die längeren Betrachtungszeiträume teilweise noch den deutlich turbulenteren Zinsschock des Jahres 2022 mit einschließen. Mit größeren Kursrückgängen ist bei diesem Fonds vor allem dann zu rechnen, wenn die US-Notenbank überraschend restriktiv agiert, sich die milliardenschweren KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne langsamer auszahlen als erwartet oder es zu einer allgemeinen Konjunkturabkühlung in den USA kommt. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 23,3 Prozent, seit Auflage bei minus 33,6 Prozent.
Für welche Strategie sich dieser ESG-gefilterte USA-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die gezielt in die USA investieren und dabei Wert auf ein höheres ESG-Rating sowie den Ausschluss bestimmter kontroverser Geschäftsfelder legen möchten, ohne dabei nennenswerte Abstriche bei der grundsätzlichen Zusammensetzung gegenüber einem klassischen S&P-500-ETF hinzunehmen. Wer ausschließlich auf die höchstmögliche Rendite ohne jeden Nachhaltigkeitsfilter abzielt, ist mit einem klassischen S&P-500-ETF minimal besser bedient, wie die durchgehend leicht niedrigere Rendite der vergangenen Jahre zeigt. Wegen der hohen Technologiekonzentration und der ausschließlichen Fokussierung auf die USA eignet sich der Fonds nicht als alleiniges Investment, sondern sollte durch andere Regionen und Branchen ergänzt werden.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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