Flossbach von Storch Multiple Opportunities: Warum dieser Mischfonds bewusst auf keinen Vergleichsindex setzt
Seit 2007 verzichtet der Mischfonds bewusst auf jeden Vergleichsindex und verwaltet inzwischen über 20 Milliarden Euro, doch ein deutlicher Rückgang im Jahr 2022 zeigt, wo die Kehrseite liegt.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Über 20 Milliarden Euro Vermögen, keinerlei Vergleichsindex als Leitplanke und trotzdem folgt die Portfoliostruktur einem festen Prinzip mit einem ungewöhnlichen Namen.
- Ein Jahr mit zweistelligem Minus liegt erst wenige Jahre zurück und der aktuelle Zehnjahresschnitt zeigt, wie stark sich das Bild seitdem gewandelt hat.
- Drei Positionen aus drei völlig unterschiedlichen Branchen führen das Aktienportfolio an und ihre jüngsten Zahlen erklären, warum sie dort stehen, wo sie stehen.
Was der Fonds ist, wie er investiert und wer ihn managt
Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities R ist ein flexibler Mischfonds, aufgelegt am 23. Oktober 2007 in der Rechtsform eines luxemburgischen AIF/SICAV. Anders als die meisten Fonds orientiert sich die Anlagestrategie bewusst an keinem Vergleichsindex. Das Fondsmanagement kann frei zwischen den Anlageklassen wechseln, die im jeweiligen Marktumfeld attraktiv erscheinen, wobei die Aktienquote mindestens 25 Prozent betragen muss. Grundlage jeder Entscheidung ist ein eigenes, unabhängiges Anlageweltbild sowie eine gründliche Unternehmensanalyse je Einzeltitel, bei der das Chance-Risiko-Verhältnis im Mittelpunkt steht. Das Renditepotenzial muss die möglichen Verlustrisiken deutlich überkompensieren. Die Portfoliostruktur folgt dabei den fünf Leitlinien des sogenannten Flossbach von Storch Pentagramms, nämlich Diversifikation, Qualität, Flexibilität, Solvenz und Wert.
Der Fonds ist als Artikel-8-Produkt nach der EU-Offenlegungsverordnung eingestuft, integriert also ESG-Kriterien inklusive Ausschlusskriterien, Stimmrechtsausübung und Engagement in den Auswahlprozess. Verantwortet wird er von Dr. Bert Flossbach, Gründer und Eigentümer der Flossbach von Storch SE, der die Bereiche Research und Investment Management leitet. Mit einem Fondsvermögen von 20,2 Milliarden Euro zählt der Fonds zu den größten aktiv gemanagten Mischfonds Europas und mit einer Historie von fast 19 Jahren gilt er längst als etablierter Klassiker seiner Kategorie.
Was der Fonds kostet und wie die Ausschüttung aussieht
Beim Kauf fällt ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5,0 Prozent an, bei einem Wechsel zwischen Flossbach-von-Storch-Fonds zusätzlich eine Umtauschprovision von bis zu 3,0 Prozent zugunsten des Vertriebspartners. Die laufenden Kosten liegen bei 1,62 Prozent pro Jahr, wovon 1,47 Prozent auf die Verwaltungsvergütung entfallen, ein für einen aktiv gemanagten, flexiblen Mischfonds mit breitem Anlagespektrum plausibler, nicht auffällig hoher Wert. Hinzu kommt eine erfolgsabhängige Vergütung von bis zu 10 Prozent der Brutto-Aktienwertentwicklung, gedeckelt auf maximal 2,5 Prozent des durchschnittlichen Fondsvermögens der Abrechnungsperiode. Sie wird nur fällig, wenn der Brutto-Aktienwert am Ende einer Periode den Wert am Ende der jeweils vorangegangenen fünf Abrechnungsperioden übersteigt, was faktisch einer mehrjährigen Hochwassermarke entspricht und verhindert, dass für eine bloße Erholung nach Verlusten erneut eine Erfolgsgebühr anfällt.
Der Fonds schüttet aus, zuletzt 5,56 Euro je Anteil am 10. Dezember 2025, bei einem Geschäftsjahresende zum 30. September. Morningstar bewertet den Fonds mit drei von fünf Sternen, ein durchschnittliches Ergebnis auf Basis der historischen, risikoadjustierten Wertentwicklung gegenüber vergleichbaren Fonds. Der Risikoindikator liegt bei 3 von 7 möglichen Stufen und damit im unteren Mittelfeld. Angesichts einer Aktienquote von aktuell über 80 Prozent ist das ein bemerkenswert moderater Wert, der zeigt, wie stark die Beimischung anderer Anlageklassen die Schwankungsbreite des Gesamtportfolios dämpft.
Die drei größten Positionen und was hinter ihnen steht
An der Spitze des Aktienportfolios steht der Finanzmarktinfrastruktur-Betreiber Deutsche Börse mit 2,99 Prozent. Im ersten Quartal 2026 steigerte das Unternehmen sein EBITDA ohne Treasury-Ergebnis auf 803 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und ein Rekordwert, während die Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis auf 1,4 Milliarden Euro kletterten, ein Anstieg von 12 Prozent. Als Treiber nennt das Unternehmen strukturelles Wachstum im Kerngeschäft sowie erhöhte Handelsaktivität infolge geopolitischer Spannungen im März, und bestätigte auf dieser Basis seine ambitionierten Jahresziele für 2026. Auf Rang zwei folgt Microsoft mit 2,71 Prozent. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte der Softwarekonzern einen Umsatz von 90 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, und einen Nettogewinn von 35,8 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 31 Prozent. Haupttreiber war das Cloud-Geschäft mit einem Umsatz von 59,3 Milliarden US-Dollar, angeführt von Azure mit einem Wachstum von 43 Prozent, sodass die Azure-Erlöse im gesamten Geschäftsjahr erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar überschritten. Das Unternehmen verweist zudem auf mehr als 30 Millionen zahlende Microsoft-365-Copilot-Nutzer als Beleg für die Kundenakzeptanz seiner KI-Angebote.
Dritter im Bunde ist Alphabet (Class A) mit 2,63 Prozent. Der Google-Mutterkonzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 119,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 24 Prozent gegenüber 96,4 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Der ausgewiesene Nettogewinn von 112,1 Milliarden US-Dollar liegt zwar deutlich über dem Vorjahreswert, enthält jedoch einen einmaligen, nicht operativen Wertpapiergewinn von rund 99,0 Milliarden US-Dollar aus der Neubewertung von Kapitalbeteiligungen und ist damit kein Abbild der laufenden Ertragskraft. Operativ zeigte sich vor allem das Cloud-Geschäft stark: Google Cloud steigerte den Umsatz auf 24,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 82 Prozent, und den Betriebsgewinn auf 8,8 Milliarden US-Dollar gegenüber 2,8 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Als Treiber nennt Alphabet die hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur sowie eine breite Verankerung des Gemini-Enterprise-Produkts bei Großunternehmen. Abgerundet wird das Spitzenfeld unter anderem von Unilever (2,62 Prozent), Abbott Laboratories (2,56 Prozent) und Amazon.com (2,46 Prozent). Zusammen kommen die zehn größten Aktienpositionen auf 26,4 Prozent des Fondsvermögens, ein für einen breit diversifizierten Stockpicking-Ansatz eher niedriger, nicht bedrohlicher Konzentrationsgrad.
Wie sich das Vermögen auf Anlageklassen, Branchen und Währungen verteilt
Aktien machen mit 82,3 Prozent den größten Teil des Portfolios aus, ergänzt um 8,3 Prozent Edelmetalle, 7,5 Prozent Kasse, 2,25 Prozent Renten und 0,2 Prozent Wandelanleihen, während sonstige Positionen inklusive Derivate mit minus 0,63 Prozent leicht negativ zu Buche schlagen. Der spürbare Edelmetallanteil, vor allem in Form von Gold, ist typisch für den Investmentansatz von Flossbach von Storch und dient erkennbar als Absicherung gegen Inflations- und Krisenszenarien, während die Kassequote dem Fondsmanagement Flexibilität für neue Gelegenheiten verschafft. Bei den Branchen zeigt sich ein ausgewogenes Bild ohne dominierenden Einzelsektor. Informationstechnologie führt mit 17,7 Prozent, dicht gefolgt von Gesundheitswesen mit 16,5 Prozent, Finanzen mit 15,9 Prozent, Industrieunternehmen mit 15,7 Prozent, Basiskonsumgütern mit 13,5 Prozent und Nicht-Basiskonsumgütern mit 13,2 Prozent.
Bei den Währungen fällt die Ausrichtung klarer aus. Nach Absicherung entfallen 47,3 Prozent des Fondsvermögens auf den US-Dollar und 32,2 Prozent auf den Euro, weit vor dem britischen Pfund mit 5,2 Prozent, dem Schweizer Franken mit 4,2 Prozent und weiteren kleineren Positionen. Der Zusatz "nach Absicherung" bedeutet, dass diese Werte bereits das tatsächliche Währungsrisiko widerspiegeln, das dem Fondsmanagement bewusst so belassen oder über Devisentermingeschäfte reduziert wurde, und nicht die ungesicherte Rohallokation vor Absicherungsmaßnahmen.
Rendite, Risiko und was das für Anleger bedeutet
Auf Bruttobasis, also vor Ausgabeaufschlag, erzielte der Fonds im laufenden Jahr bis zum Stichtag 2,75 Prozent, über ein Jahr 6,15 Prozent, über drei Jahre 18,97 Prozent, über fünf Jahre 13,90 Prozent, über zehn Jahre 56,94 Prozent und seit Auflage 266,75 Prozent. Auffällig ist der Bruch zwischen dem Dreijahres- und dem Fünfjahreszeitraum. Während die annualisierte Rendite über drei Jahre bei 5,96 Prozent liegt, sinkt sie über fünf Jahre auf 2,64 Prozent. Der Grund liegt im Jahr 2022, das mit einem Rückgang von 12,45 Prozent noch im Fünfjahresfenster enthalten ist, während das Dreijahresfenster erst nach diesem Einbruch beginnt und damit ausschließlich die anschließende Erholung erfasst. Auch das laufende Jahr zeigt, wie schwankungsanfällig die Wertentwicklung von Monat zu Monat sein kann. Einem Rückgang von 6,83 Prozent im März 2026 folgten bereits im April ein Plus von 2,43 Prozent und im Juli ein Plus von 3,88 Prozent. Diese Zahlen sind Bruttowerte und historische Größen, die weder den Ausgabeaufschlag von bis zu 5,0 Prozent noch künftige Wertentwicklungen vorwegnehmen, die Nettorendite für den einzelnen Anleger liegt insbesondere bei kürzeren Haltedauern spürbar darunter.
Die Risikokennzahlen bestätigen das Bild eines moderat schwankenden Fonds trotz hoher Aktienquote. Die Volatilität liegt bei 7,9 Prozent über die vergangenen 260 Handelstage, deutlich niedriger als bei einem reinen Aktienfonds und ein Beleg für die dämpfende Wirkung von Gold, Kasse und Anleihen im Portfolio. Der maximale Drawdown von minus 8,4 Prozent im selben Zeitraum fällt moderat aus. Der Value at Risk von 7,06 Prozent bedeutet, dass der Fonds unter den aktuellen Marktbedingungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent innerhalb von 20 Handelstagen nicht mehr als rund 7 Prozent an Wert verlieren sollte, ein für einen flexiblen Mischfonds mit hoher Aktienquote nachvollziehbarer, aber keineswegs vernachlässigbarer Wert.
Chancen und Risiken im Überblick
Die flexible, benchmarkunabhängige Anlagepolitik erlaubt es dem Fondsmanagement, Chancen über verschiedene Anlageklassen hinweg zu nutzen, von Aktien über Anleihen und Wandelanleihen bis zu Edelmetallen, und zusätzliche Ertragschancen durch den gezielten Einsatz von Derivaten und durch Fremdwährungspositionen zu erschließen, deren Wert bei günstigen Wechselkursbewegungen steigen kann. Dieser Flexibilität stehen mehrere Risiken gegenüber: das allgemeine Marktrisiko aus Kursschwankungen der gehaltenen Wertpapiere, ein Währungsrisiko bei ungünstiger Entwicklung der Fremdwährungen, Kreditrisiken bei den gehaltenen Anleihen samt der Möglichkeit eines Zahlungsausfalls des Emittenten, ein Zinsänderungsrisiko für den Anleiheanteil bei steigenden Marktzinsen, Risiken aus dem Einsatz von Derivaten, die Chancen und Verlustrisiken gleichermaßen erhöhen können. Sowie Edelmetall- und Rohstoffrisiken durch teils stärkere Kursschwankungen dieser Anlageklasse. Zusätzlich schränken die angewandten ESG-Kriterien die Auswahl möglicher Zielanlagen in Kategorie und Anzahl spürbar ein, was die Flexibilität des Fondsmanagements in der Praxis etwas begrenzt.
Für wen sich der Fonds eignet
Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities R eignet sich für Anleger, die einem einzelnen Fondsmanagement die vollständige Entscheidung über die Verteilung des Vermögens auf Aktien, Anleihen, Edelmetalle und Kasse anvertrauen möchten, statt selbst eine feste Aufteilung vorzugeben. Der moderate Risikoindikator von 3 von 7 sowie die im Vergleich zu reinen Aktienfonds gedämpfte Volatilität sprechen für Anleger mit mittlerer Risikobereitschaft, die von der Diversifikation über mehrere Anlageklassen profitieren wollen, ohne auf eine spürbare Aktienquote zu verzichten. Angesichts des Ausgabeaufschlags von bis zu 5,0 Prozent und der laufenden Kosten von 1,62 Prozent pro Jahr ist ein mehrjähriger Anlagehorizont sinnvoll, damit sich diese Kostenbelastung im Verhältnis zur erzielten Wertentwicklung relativiert.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Mischfonds mit Aktien-, Anleihen- und Edelmetallanteilen unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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