Templeton Emerging Markets Fund: Was hinter dem niedrigen KGV dieses Schwellenländer-Fonds steckt
Ein seit 1991 aktiv verwalteter Schwellenländerfonds setzt gezielt stärker auf Südkorea, als es der Vergleichsindex vorgibt, und wird dabei günstiger bewertet.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Seit mehr als drei Jahrzehnten versucht dieser Fonds, den MSCI Emerging Markets Index zu schlagen. Wie die Bilanz dabei ausfällt, hängt stark vom betrachteten Zeitraum ab.
- Mit einem KGV unter dem des eigenen Vergleichsindex wirft der Fonds die Frage auf, ob hier eine Bewertungschance liegt.
- Fast ein Drittel des Fondsvolumens steckt in nur drei Halbleiterwerten, was zeigt, wie eng Schwellenländer-Investments und der globale Technologiezyklus inzwischen verflochten sind.
Ziel des Fonds, Vergleichsindex und Strategie des Managements
Der Templeton Emerging Markets Fund A (ISIN LU0029874905) strebt langfristiges Anlagewachstum an, vor allem durch Kapitalzuwachs. Um dieses Ziel zu erreichen, investiert der Fonds überwiegend in Aktien von Unternehmen jeder Größenordnung, die ihren Sitz in Schwellenländern haben oder dort einen wesentlichen Teil ihrer Geschäfte erzielen, China eingeschlossen. Verwaltet wird der Fonds von der Franklin Templeton Investment Management Limited und als Vergleichsindex dient der MSCI Emerging Markets Index. Das Fondsmanagement wählt aktiv einzelne Aktien aus und weicht dabei bewusst und teils deutlich von der Ländergewichtung des Index ab, wie sich weiter unten an der Portfoliostruktur zeigt. Der Fonds fällt unter Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung, berücksichtigt also ökologische und soziale Merkmale, ohne eine explizite Nachhaltigkeitsstrategie im engeren Sinne zu verfolgen. Für Anleger eignet sich der Fonds vor allem dann, wenn Kapitalwachstum durch Anlagen in aufstrebenden Märkten das Ziel ist und das Kapital mittel- bis langfristig gebunden werden kann. Mit einer Mindestanlage von 1.000 US-Dollar ist der Einstieg vergleichsweise niedrigschwellig.
Die Fondsmanager hinter der Strategie
Verantwortlich für die Titelauswahl sind zwei erfahrene Manager. Chetan Sehgal leitet als Senior Managing Director das Portfoliomanagement für die Schwellenländer-Aktienstrategien von Templeton Global Investments und betreut den Fonds von Singapur aus seit 2017. Er blickt auf 34 Jahre Berufserfahrung zurück, ist seit 1995 bei Franklin Templeton und war zuvor als Ratinganalyst in Indien tätig. Sein Co-Manager Andrew Ness sitzt in Edinburgh, ist seit 2019 für den Fonds verantwortlich und bringt 31 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung mit, unter anderem bei Deutsche Asset Management der DWS Group und beim schottischen Vermögensverwalter Martin Currie, bevor er 2018 zu Franklin Templeton wechselte. Beide Manager verantworten gemeinsam die globale Schwellenländer-Aktienstrategie des Hauses.
Kosten, Fondsvolumen und Ausschüttung
Der Fonds verwaltet ein Volumen von 2,6 Milliarden US-Dollar, ein für einen aktiv gemanagten Schwellenländerfonds beachtliches Volumen, das für eine gewisse Marktakzeptanz spricht. Aufgelegt wurde er bereits 1991 und es fällt ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5,54 Prozent an, ein für aktiv gemanagte Fonds mit klassischem Vertriebsweg üblicher Höchstsatz, der je nach Bank, Broker oder Sparplan-Angebot auch niedriger ausfallen kann. Die laufenden Kosten liegen außerdem bei 1,99 Prozent pro Jahr, am oberen Ende dessen, was für aktiv gemanagte Aktienfonds in Schwellenländern üblich ist. Der Fonds schüttet jährlich aus. Zuletzt wurden 0,2030 US-Dollar je Anteil ausgeschüttet, was einer laufenden Ausschüttungsrendite von 0,26 Prozent entspricht. Wer regelmäßige, höhere Ausschüttungen sucht, findet in diesem Fonds nicht den passenden Baustein, hier steht klar der Wertzuwachs im Vordergrund.
Wertentwicklung im Vergleich zum MSCI Emerging Markets Index
Auf Eurobasis kommt der Fonds über ein Jahr auf ein Plus von 52,0 Prozent, deutlich mehr als die 40,3 Prozent des MSCI Emerging Markets Index-NR im selben Zeitraum. Auch über drei Jahre liegt der Fonds mit einer jährlichen Rendite von 25,1 Prozent vor dem Index mit 20,5 Prozent, über fünf Jahre mit 11,0 Prozent gegenüber 8,5 Prozent und über zehn Jahre mit 10,1 Prozent gegenüber 8,8 Prozent. Über Zeiträume darüber hinaus kehrt sich das Bild jedoch um. Mit einer jährlichen Rendite von 7,5 Prozent liegt der Fonds über 15 Jahre hinweg mit dem Index gleichauf und seit Auflegung 1991 fällt der Rückstand mit 6,4 Prozent gegenüber 8,6 Prozent pro Jahr aus. Die jüngere Phase des Fondsmanagements unter Sehgal und Ness zeigt somit über ein, drei, fünf und zehn Jahre eine spürbare Outperformance gegenüber dem Vergleichsindex, während die sehr lange Historie des Fonds auch schwächere Phasen unter früheren Managern und in früheren Marktzyklen mit einschließt.
Bewertung, Dividendenrendite und Aktienquote
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der vergangenen zwölf Monate liegt beim Fonds bei 13,7 gegenüber 14,4 beim MSCI Emerging Markets Index. Das Portfolio ist also etwas günstiger bewertet als der breite Schwellenländermarkt. Das kann zum einen bedeuten, dass das Management gezielt nach unterbewerteten Titeln sucht, zum anderen aber auch, dass die ausgewählten Branchen und Länder im Schnitt niedrigere Bewertungen tragen als andere Teile des Index. Die Dividendenrendite der Portfoliotitel liegt mit 1,88 Prozent nahe am Indexwert von 1,95 Prozent und damit im für Schwellenländer-Aktienfonds üblichen Rahmen und deutlich niedriger als bei klassischen Dividendenfonds aus entwickelten Märkten. Mit 92,4 Prozent ist der Fonds nahezu vollständig in Aktien investiert, die verbleibenden 7,6 Prozent hält das Management als liquide Mittel, was dem Management etwas taktischen Spielraum lässt, ohne den Charakter eines Aktienfonds infrage zu stellen.
Länderschwerpunkt Asien: Südkorea, China und Taiwan im Fokus
Mit 78,11 Prozent liegt der Länderschwerpunkt klar auf Asien, wenn auch etwas niedriger gewichtet als beim Vergleichsindex mit 82,8 Prozent. Innerhalb Asiens weicht der Fonds an mehreren Stellen deutlich vom Index ab. Südkorea kommt mit 26,1 Prozent auf ein spürbar höheres Gewicht als im Index mit 20,8 Prozent. Das Management sieht dort also überdurchschnittliches Potenzial, etwa bei den international führenden Technologie- und Speicherchipherstellern des Landes. China liegt mit 21,8 Prozent nahe am Indexwert von 20,6 Prozent, während Taiwan mit 19,8 Prozent deutlich unter der Indexgewichtung von 27,4 Prozent bleibt. Der Fonds ist hier also bewusst zurückhaltender positioniert als der breite Markt.
Außerhalb Asiens setzt der Fonds mit 9,2 Prozent stärker auf Lateinamerika als der Index mit 6,7 Prozent, während der Mittlere Osten und Afrika mit 2,2 Prozent gegenüber 8,0 Prozent im Index deutlich unterrepräsentiert sind. Wer in diesen Fonds investiert, bekommt also eine aktive Wette darauf, dass insbesondere südkoreanische Technologiewerte und ausgewählte lateinamerikanische Titel den breiten Markt schlagen, während chinesische Immobilien- und Konjunkturrisiken sowie die hohe Taiwan-Konzentration vieler Indexfonds bewusst etwas abgemildert werden. Die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten, die für Schwellenländer typisch sind, von regulatorischen Eingriffen in China bis zu geopolitischen Spannungen rund um Taiwan, bleiben dabei für das gesamte Portfolio relevant.
Branchenverteilung: Halbleiter, Hardware und Banken vorn
Die Branchenverteilung des Fonds fällt insgesamt recht ausgewogen aus, keine einzelne Branche dominiert das Portfolio. An der Spitze stehen dennoch drei Bereiche, die zusammen fast die Hälfte des Fondsvermögens ausmachen: Halbleiter und Halbleiteranlagen mit 20,7 Prozent, Hardware und Ausrüstung mit 16,3 Prozent sowie Banken mit 12,3 Prozent. Im Vergleich zum Index mit 24,7 Prozent ist der Fonds bei Halbleitern und bei Banken mit 14,7 Prozent etwas zurückhaltender gewichtet, bei Hardware gegenüber 15,8 Prozent dagegen leicht offensiver. Zum einen ist die Wertentwicklung des Fonds dementsprechend spürbar an den globalen Technologiezyklus gekoppelt, insbesondere an die Nachfrage nach Halbleitern und Elektronikhardware, was in Boomphasen wie aktuell rund um Künstliche Intelligenz Rückenwind gibt, in Abschwungphasen der Chipbranche aber ebenso belasten kann. Zum anderen sorgt der hohe Bankenanteil für ein Gegengewicht aus eher klassischen, oft günstiger bewerteten Finanzwerten, wie sie für Schwellenländer-Portfolios typisch sind.
Die drei größten Positionen im Portfolio
Größte Einzelposition ist mit 9,87 Prozent Gewichtung Taiwan Semiconductor Manufacturing, kurz TSMC, der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter, der Chips für praktisch alle bedeutenden Technologiekonzerne produziert und aktuell besonders stark von der hohen Nachfrage nach Chips für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz profitiert. Mit 9,57 Prozent folgt Samsung Electronics, der südkoreanische Technologiekonzern, der neben Speicherchips auch Smartphones, Displays und Unterhaltungselektronik herstellt und damit breiter aufgestellt ist als ein reiner Auftragsfertiger. Auf Rang drei unter den Unternehmenspositionen liegt mit 7,33 Prozent SK Hynix, ebenfalls aus Südkorea, einer der weltweit größten Hersteller von Speicherchips, die vor allem in Servern, Smartphones und zunehmend auch in KI-Beschleunigern zum Einsatz kommen.
Alle drei Werte profitieren damit von derselben übergeordneten Entwicklung: der stark gestiegenen Nachfrage nach Rechenleistung und Speicher für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Dass mit TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix gleich die drei größten Positionen des Fonds aus diesem Umfeld stammen, erklärt, warum die Wertentwicklung des Fonds zuletzt so stark ausgefallen ist, macht das Portfolio aber auch entsprechend abhängig von der weiteren Entwicklung dieses einen Technologietrends.
Für wen sich der Fonds eignet
Der Templeton Emerging Markets Fund eignet sich für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont, die gezielt am Kapitalwachstum aufstrebender Märkte teilhaben möchten und bereit sind, dafür ein aktiv gemanagtes Portfolio mit spürbaren Abweichungen von der Standard-Indexgewichtung zu akzeptieren, insbesondere das Übergewicht in Südkorea und die Untergewichtung Taiwans und Indiens. Wer bereits über einen breiten Welt- oder Schwellenländer-ETF verfügt, kann mit diesem Fonds eine gezielte, aktiv verwaltete Ergänzung ins Depot holen. Angesichts der beschriebenen Risiken sowie der spürbaren Technologielastigkeit ist der Fonds eher für Anleger geeignet, die stärkere Kursschwankungen einzelner Länder und Branchen aushalten können.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net).
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-Fonds unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf einzelne Schwellenländer kann das Risiko erhöhen.
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