Neuer SCHUFA-Score: Mehr Transparenz und einfache Berechnung der Bonität

Wer einen Kredit sucht, eine Wohnung mieten möchte oder einen Mobilfunkvertrag abschließt, begegnet unweigerlich der Bewertung seiner Bonität. Doch wie diese zustande kommt, blieb lange Zeit ein gut gehütetes Geheimnis der Algorithmen.
Transparenz durch das neue Punktesystem
Die SCHUFA verfolgt mit der Neuausrichtung das Ziel, die Kreditwürdigkeit für alle Menschen verständlich und nachvollziehbar zu gestalten. In einem neuen Online-Account wird die Berechnungsformel offengelegt, sodass Personen ihren Score anhand der eigenen Daten selbst nachrechnen können, ohne über statistische Fachkenntnisse verfügen zu müssen. Ein wesentlicher Unterschied zum alten System ist der Verzicht auf Prozentwerte zugunsten von Punkten. Laut einer Pressemitteilung der SCHUFA vom 17. März 2026 können Verbraucher diese Daten sowie die Erläuterungen zur Berechnung jederzeit digital einsehen. Damit reagiert das Unternehmen auf den Trend der digitalen Wirtschaft hin zu mehr Datenkontrolle und Transparenz.
Die zwölf Kriterien der Berechnung
Der neue Score bewegt sich auf einer Skala von 100 bis 999 Punkten. Die Berechnung erfolgt dabei nicht willkürlich, sondern stützt sich auf genau zwölf Kriterien, deren Zusammenspiel die statistische Aussagekraft über die Wahrscheinlichkeit einer Kreditrückzahlung ergibt. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem das Alter des ältesten Bankvertrags, die Anzahl der Anfragen für Girokonten oder Kreditkarten im vergangenen Jahr sowie das Vorliegen einer Identitätsprüfung. Wie die SCHUFA erläutert, fließen auch Informationen über Immobilienkredite und die Dauer der aktuellen Meldeadresse in die Bewertung ein.
Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit und Score-Klassen
Obwohl das Scoring-Modell komplett neu konzipiert wurde, ändert sich die Einstufung für die Mehrheit der Betroffenen kaum. Vergleiche mit dem bisherigen Bankenscore zeigen, dass 83 Prozent der Personen in derselben Score-Klasse bleiben. Um den eigenen Wert sofort einordnen zu können, werden die Punkte in Klassen von "Hervorragend" (bis 999 Punkte) bis "Ungenügend" unterteilt, wobei letztere bei offenen Zahlungsstörungen vergeben wird. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die SCHUFA selbst keine Verträge abschließt; die endgültige Entscheidung über einen Kredit liegt weiterhin bei den Banken und Unternehmen, die eigene Regeln und zusätzliche Daten anwenden. Nach Angaben der Vorstandsvorsitzenden der SCHUFA, Tanja Birkholz, wird durch das neue System zudem sichergestellt, dass Verbraucher und Unternehmen erstmals exakt denselben Score sehen, was eine Kommunikation auf Augenhöhe ermöglicht.
Möglichkeiten zur Verbesserung des Scores
Ein stabiles Finanzverhalten wirkt sich langfristig positiv auf die Bewertung aus. Experten raten dazu, Rechnungen pünktlich zu bezahlen und lieber einen einzelnen großen Kredit aufzunehmen statt vieler kleiner Ratenzahlungen. Da längerfristige Vertragsbeziehungen als Beweis für die Zuverlässigkeit gewertet werden, ist die bewusste Entscheidung für dauerhafte Finanzprodukte vorteilhaft. Zudem sollten neue Abschlüsse, etwa von Girokonten, zeitlich konzentriert werden, da mehrere Anfragen innerhalb von 28 Tagen im System nur einmal gezählt werden. Das neue Modell ist so konzipiert, dass zuverlässiges Zahlungsverhalten den Score schneller ansteigen lässt, was insbesondere jungen Menschen den Start in das Wirtschaftsleben erleichtert.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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