Silberglänzende Aussichten - warum das weiße Metall knapper wird

Silber war lange der kleine Bruder von Gold - beliebt bei Spekulanten, aber selten ernst genommen. Diese Ära ist vorbei. Das weiße Metall hat sich zum kritischen Rohstoff der Hochtechnologie gewandelt, mit fundamentalen Konsequenzen für Angebot und Nachfrage.
Mehr als die Hälfte des weltweiten Silberverbrauchs entfällt heute auf industrielle Anwendungen, Tendenz steigend. Photovoltaik, Elektromobilität, Halbleiter - in all diesen Schlüsselsektoren ist Silber unverzichtbar. Hinzu kommt die Medizintechnik: Das Metall gilt als stark antibakteriell und ist in Wundauflagen und Kathetern längst Standard. Laut dem Silver Institute betrug das globale Angebotsdefizit 2025 rund 149 Millionen Unzen - das fünfte Defizitjahr in Folge. Für 2026 wird erneut ein Nachfrageüberschuss erwartet.
Das Samsung-Signal: Mehr als ein Liefervertrag
Besonders aufschlussreich: Samsung C&T, der Handelsarm des südkoreanischen Technologiekonzerns, schloss im Oktober 2025 mit dem kanadischen Bergbauunternehmen Silver Storm Mining einen Deal. Das Abkommen sieht vor, dass Samsung mit sieben Mio. US-Dollar den Neustart der mexikanischen Mine La Parrilla finanziert - und im Gegenzug für zwei Jahre 100 Prozent der produzierten Blei-, Silber- und Zinkkonzentrate erhält. Das Signal ist eindeutig: Wenn sich Konzerne dieser Größe physischen Zugriff auf die Rohstoffquelle sichern, herrscht echte Versorgungsangst.
Steuerliche Behandlung: Der unterschätzte Bonus
Für Privatanleger in Deutschland ergibt sich eine bemerkenswerte Konstellation. Wer nicht das Schlafzimmer mit Barren füllen möchte, kann auf einen physisch hinterlegten Silber-ETC zurückgreifen - etwa von WisdomTree. Da diese Produkte mit echtem Silber hinterlegt sind und eine Option auf physische Auslieferung bieten, behandelt der Fiskus sie wie physisches Edelmetall: Kursgewinne sind nach zwölf Monaten Haltedauer steuerfrei. In einem Markt mit dreistelligen Kurszielen ist das kein Randdetail.
Prognosen - und ein ernüchternder Realitätscheck
Anfang 2026 hatte Silber mit einem Allzeithoch von rund 122 Dollar je Unze Geschichte geschrieben. Seitdem hat der Iran-Konflikt eine drastische Korrektur ausgelöst: Institutionelle Anleger liquidierten Edelmetallpositionen, um Kapital in den Energiesektor umzuschichten. Der Preis brach zeitweise um die Hälfte auf rund 61 US-Dollar ein. Aktuell notiert Silber wieder bei rund 70 Dollar (Stand: 30. März 2026).
J.P. Morgan hat seine Durchschnittsprognose für 2026 auf 81 Dollar angehoben. Spekulativere Kursziele von 130 bis 150 Dollar existieren im Markt, sind aber mit erheblicher Unsicherheit behaftet und sollten, als Szenarien verstanden werden, nicht als Konsenserwartung. Anleger müssen weiterhin mit starken Kursschwankungen rechnen. Der Markt ist vergleichsweise klein, und das an Börsen gehandelte Papiersilber übersteigt das physisch verfügbare Volumen erheblich. Großbanken wurden in der Vergangenheit wegen Kursmanipulation (Spoofing) zu empfindlichen Strafzahlungen verurteilt. Diese Risiken mindern das Potenzial von Silber nicht - sie gehören aber in jede ehrliche Analyse.
Fazit: Strukturelle Knappheit als Langzeitthema
Die fundamentale Geschichte bleibt intakt: wachsende Industrienachfrage, strukturelles Angebotsdefizit und zunehmend aktive Industriekäufer - kombiniert mit dem deutschen Steuervorteil nach zwölf Monaten. Die aktuelle Korrektur mag schmerzhaft sein; für geduldige Anleger ist sie möglicherweise eine zweite Chance Positionen aufzubauen.
von Manfred Rath, KSW Vermögensverwaltung AG, Nürnberg
Diesen und weitere Vermögensverwalter mit Ihren Meinungen und Online-Anlagestrategien finden Sie auf https://www.v-check.de/
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