Der große Ausverkauf: Warum Öl und Gold das schwächste Quartal seit Jahren erleben

Öl und Gold stehen im zweiten Quartal unter deutlichem Druck und verzeichnen kräftige Verluste. Das sind die größten Belastungsfaktoren.
Werte in diesem Artikel
• Ölpreise fallen deutlich im Zuge geopolitischer Entspannung
• Gold verliert durch Zins- und Dollarentwicklung an Attraktivität
• Rohstoffmärkte zeigen insgesamt schwaches Quartalsbild
Der Juni geht an den globalen Rohstoffmärkten mit einer historischen Zäsur zu Ende. Sowohl Rohöl als auch Gold steuern auf ihren jeweils größten Quartalsverlust seit Jahren zu. Während im Frühjahr noch geopolitische Spannungen die Notierungen nach oben peitschten, hat sich das Blatt nun fundamental gewendet. Ein optimistischerer Blick auf die Krisenherde im Nahen Osten und eine unerwartet restriktive US-Geldpolitik belasten die beiden wichtigsten Sachwerte der Weltwirtschaft gleichermaßen.
Diplomatie-Hoffnung in Doha drückt die Ölpreise nach unten
Am Ölmarkt zeichnet sich zum Ende des zweiten Quartals eine deutliche Entspannung ab. Der Preis für die globale Benchmark Brent Crude sank am Dienstag um rund ein Prozent auf knapp 72,40 US-Dollar pro Barrel und notiert damit gut 22 Prozent tiefer als noch zum Vormonatsschluss. Auch die US-Sorte West Texas Intermediate für die August-Lieferung verlor 0,2 Prozent oder 13 Cent und notierte bei 70,62 US-US-Dollar je Barrel. Damit verbuchte der WTI-Kontrakt den zweiten Verlustmonat in Folge und knickte allein im Juni um rund 20 Prozent ein. Durch diese jüngste Verkaufswelle haben sich sowohl Brent als auch WTI wieder fast vollständig an das Preisniveau angeglichen, das vor dem Ausbruch der jüngsten kriegerischen Konflikte vorherrschte.
Händler verlagern ihren Fokus zunehmend auf diplomatische Bemühungen im Nahen Osten, wo nach monatelangen Kämpfen und gegenseitigem Raketenbeschuss nun technische Gespräche zwischen den USA und dem Iran im katarischen Doha anstehen. Die Hoffnung der Investoren auf eine politische Lösung wächst, obwohl eine vollständige Normalisierung der Schiffsrouten durch die strategisch wichtige Straße von Hormus noch aussteht. Jüngste Daten zeigen jedoch, dass die Produzenten in der Region trotz vereinzelter Angriffe ihre Öl- und Flüssiggasexporte zuletzt wieder auf den höchsten Stand seit Ausbruch des Konflikts im Februar hochgefahren haben.
Die Marktteilnehmer bleiben trotz der Entlastung vorsichtig: "Die jüngste Deeskalation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist zweifellos eine positive Entwicklung für die globalen Finanzmärkte, sollte jedoch nicht als Ende der Unsicherheit im Energiesektor interpretiert werden", zitiert Reuters Rania Gule, Senior Market Analystin bei XS.com.
Zinssorgen und starker Dollar bringen Goldglanz zum Erlöschen
Parallel dazu erlebt der vermeintlich sichere Hafen Gold einen massiven Ausverkauf. Der Spotpreis für das Edelmetall gab am Dienstag auf 4.014,55 US-Dollar je Unze nach und besiegelt damit den vierten monatlichen Verlust in Folge. Allein im Juni verlor Gold fast 13 Prozent an Wert. Die geopolitische Risikoprämie, die den Goldpreis zuvor getrieben hatte, ist weitgehend verflogen.
Stattdessen diktiert die US-Notenbank Federal Reserve wieder das Geschehen. Laut dem CME FedWatch Tool stellen sich die Händler mittlerweile auf drei Zinserhöhungen in diesem Jahr ein, wobei die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September aktuell bei rund 64 Prozent eingepreist wird. Um die weitere Marschroute der Fed besser einschätzen zu können, warten Investoren nun gespannt auf die im Laufe der Woche anstehenden US-Arbeitsmarktdaten der Agentur ADP sowie die offiziellen Non-Farm Payrolls. Die falkenhafte Erwartungshaltung verhalf dem US-Dollar zu seinem zweiten Monatsgewinn in Folge, was das in Dollar abgerechnete Edelmetall für Besitzer anderer Währungen massiv verteuert.
Angesichts dieser makroökonomischen Bremsklötze zeichnet Christopher Wong, Edelmetall-Stratege bei OCBC, ein nüchternes Bild für das gelbe Metall: "Gold-Bullen benötigen eine Verbesserung bei mindestens einem von drei Faktoren: niedrigere Realrenditen, einen schwächeren US-Dollar oder einen deutlichen Rückgang der Erwartungen an eine straffe Geldpolitik der Fed. Ohne dies dürften Kursanstiege verpuffen, und der Goldpreis könnte längere Zeit unterhalb der bisherigen Höchststände konsolidieren", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Experten. Im Sog des Goldabsturzes verbuchten auch Silber, Platin und Palladium deutliche Verluste und runden das schwächste Rohstoffquartal seit Jahren ab.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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