Berenberg: EZB sollte Bilanz zunächst am kurzen Zinsende verkleinern


Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte die anstehende Verkleinerung ihrer Bilanz nach Aussage von Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding so beginnen, dass das kurze Ende der Zinskurve betroffen ist. Schmieding zufolge gelänge das am besten, wenn die EZB zunächst nicht ihre im Rahmen des APP-Programms erworbenen Anleihebestände verkleinert (was das gesamte Laufzeitenspektrum beeinflussen würde), sondern wenn sie Anreize für Banken schaffen würde, ihre im Rahmen von Repo-Geschäften (TLTRO) aufgenommene und bei der EZB geparkte Liquidität zu reduzieren.

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"Wenn die EZB zu einer weniger stimulierenden Politik mit normalen Zinssätzen und einer kleineren Bilanz zurückkehrt, werden die Geldmarktsätze auf die geringere Überschussliquidität reagieren, indem sie vom unteren Ende des Korridors, dem Einlagensatz, zurück auf den Hauptrefinanzierungssatz steigen, der derzeit 50 Basispunkte über dem Einlagensatz liegt", schreibt Schmieding in einem Kommentar. Ein Großteil dieser Entwicklung würde Mitte 2023 eintreten, wenn der größte TLTRO über 1,2 Milliarden Euro auslaufe. "Die Auswirkungen würden in etwa einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte entsprechen."

Zu diesem Zeitpunkt wolle die EZB ihre Zinserhöhungen aber eigentlich schon abgeschlossen haben, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde angedeutet habe. "Umso ratsamer ist es für die EZB, das Problem der Überliquidität jetzt anzugehen, und zwar in einer Weise, die sich zunächst mehr auf das kurze Ende der Kurve (TLTRO) als auf das lange Ende (Anleihen) konzentriert", argumentiert der Berenberg-Chefvolkswirt. Je früher sich die kurzfristigen Zinssätze wieder dem Hauptrefinanzierungssatz annäherten, desto einfacher werde es für die EZB sein, ihre künftige Zinspolitik zu kalibrieren.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/sha

(END) Dow Jones Newswires

October 25, 2022 02:34 ET (06:34 GMT)

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