Fed-Kritik trifft Warsh

Bank of America: Eigene Ökonomen rügen Fed-Chef Warsh scharf

09.08.26 23:11 Uhr

Bank of America: Warum BofA-Volkswirte Fed-Chef Kevin Warsh nach Zinsentscheid scharf kritisieren | finanzen.net

Nach der jüngsten Fed-Sitzung jüngsten bei der die Zinspause fortgesetzt wurde, wächst an der Wall Street der Zweifel an Kevin Warshs geldpolitischem Kurs.

Werte in diesem Artikel

  • BofA-Volkswirte nennen Warshs Kommunikation taubenhaft und verwirrend
  • Offenmarktausschuss stimmte 9 zu 3, tiefste Spaltung seit 2016
  • Auch andere Wirtschaftsexperten kritisieren Fed-Chef

Nach der letzten FOMC-Sitzung, bei der die Notenbank die Leitzinsen trotz anhaltend hoher Inflation erneut unverändert ließ, bewerteten die Volkswirte der Bank of America die Kommunikation von Fed-Chef Kevin Warsh als "taubenhaft und verwirrend", wie Bloomberg-Autor Joe Weisenthal in einem X-Beitrag erklärte.

Tiefste Spaltung im Ausschuss seit 2016

Der Offenmarktausschuss beließ den Leitzins Ende Juli zum fünften Mal insgesamt und zum zweiten Mal in Folge unter Warshs Vorsitz in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Das Votum fiel mit 9 zu 3 aus, drei Regionalpräsidenten, darunter Beth Hammack aus Cleveland, Neel Kashkari aus Minneapolis und Lorie Logan aus Dallas, plädierten für eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt. Eine derart tiefe Spaltung hatte es zuletzt 2016 gegeben.

Die Bank of America hatte bereits vor der Sitzung gewarnt, dass anhaltende Ölpreisschwankungen die Kerninflation dauerhaft beeinflussen könnten und das sogenannte Look-through-Prinzip der Notenbanken an seine Grenzen stoße. Die Ökonomen des Hauses hielten trotz der Zinspause an ihrer Prognose von drei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte für September, Oktober und Dezember 2026 fest. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte am 29. Juli 2026 auf fast 5,2 Prozent, den höchsten Stand seit 19 Jahren, laut CNBC.

"Die Pressekonferenz von Fed-Vorsitzendem Warsh im Anschluss an die mit 9:3 Stimmen getroffene Entscheidung, den Leitzins unverändert zu lassen, wirkte zurückhaltend, brachte weder gute noch schlechte Nachrichten und schürte lediglich die Unsicherheit. Der Markt preiste dies sofort mit einer bärischen Steilstellung der Zinskurve, hohen Inflations-Breakevens und höheren Risikoprämien ein. Eine steilere Zinskurve, fallende Aktienkurse und ein schwächerer Dollar sind die typischen Kursreaktionen, die mit Glaubwürdigkeitsschocks einhergehen, denen Zentralbanken in Schwellenländern ausgesetzt sind", fasst die Bank of America zusammen.

Bank of America warnt vor Grenzen der Fed-Kommunikation

Nach Einschätzung der Bank of America steckt Warsh in einer Zwickmühle, wie sie schon vor der jüngsten Zinsentscheidung laut Fortune schrieb: Hält er die Zinsen unverändert, drohen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Notenbank in der Inflationsbekämpfung, hebt er sie an, widerspricht das seinem eigenen Ansatz, Angebotsschocks grundsätzlich zu ignorieren. Bei der Pressekonferenz am selben Tag verzichtete Warsh bewusst auf klare Signale und begründete dies damit, der Ausschuss wolle Marktreaktionen ungefiltert beobachten, statt fortlaufend Prognosen zu liefern. Zugleich betonte er, die Notenbank werde bei Bedarf entschlossen eingreifen, um das Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen.

Andere Häuser urteilten ähnlich hart wie die Bank of America. So kritisiert Skanda Amarnath von Employ America laut AlterNet, dass Warsh sich zunächst für Zinserhöhungen im Juli stark gemacht habe, dann jedoch davon abgerückt sei. Dies werde seiner Einschätzung nach nun dazu führen, dass es mehr Erhöhungen in diesem Jahr gebe - er geht von drei Steigerungen als Basisszenario aus. Justin Wolfers, Professor für Wirtschaftswissenschaften und öffentliche Politik, verlautete in seinem Podcast derweil: "Die Märkte reagieren nicht nur auf die Maßnahmen der Fed. Sie reagieren darauf, was die Fed nach eigenen Angaben glaubt. Wenn diese Botschaft unklar wird, füllt Unsicherheit die Lücke?" Wolfers zu folge sei Warsh offenbar der Meinung, es sei besser weniger zu sagen. Der Wirtschaftsexperte meint jedoch: "Weniger Klarheit führte zu mehr Unsicherheit. Die Märkte achten nicht nur auf die Maßnahmen der Fed. Sie achten auch darauf, was die Fed nach eigenen Angaben glaubt. Wenn diese Botschaft unklar wird, füllt Unsicherheit die Lücke."

Vom Powell-Kritiker zum Kritisierten

Die Situation hat eine ironische Note: Vor seiner Ernennung hatte Warsh seinen Vorgänger Jerome Powell öffentlich scharf kritisiert, als nach Zinssenkungen die langfristigen Zinsen stiegen, und dessen mangelnde Glaubwürdigkeit als eigentliches Problem bezeichnet. Genau dieser Vorwurf wird nun in ähnlicher Form gegen ihn selbst erhoben. Warsh war am 22. Mai im East Room des Weißen Hauses vereidigt worden, nominiert von Präsident Trump.

Seit seinem Amtsantritt hat Warsh die Fed-Kommunikation umgebaut: Er beendete die bisherige Praxis der Forward Guidance und hält nicht mehr bei jeder Sitzung eine Pressekonferenz ab. Fünf Arbeitskreise sollen bis Ende 2026 ein neues geldpolitisches Leitplankensystem erarbeiten, dabei wird auch diskutiert, ob eine sogenannte Trimmed Mean Inflation Rate von 2,2 Prozent (Stand: Juli 2026) das bisherige, mit 3,7 Prozent deutlich höhere Inflationsmaß der Fed ablösen könnte.

Ob Warsh auf die Kritik der Bank of America und anderer Häuser öffentlich reagiert, ist bislang offen. Die nächste FOMC-Sitzung dürfte zeigen, ob er von seinem kommunikativen Kurs abrückt.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.net

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