Prof. Otte-Kolumne

Europa ist sturmreif


Europa ist sturmreif | finanzen.net

Wie einige von Ihnen wissen, bin ich deutscher und amerikanischer Staatsbürger.

Werte in diesem Artikel
Indizes

AEX
1,107.93 EUR -3.00 EUR -0.27 %

2,154.55 EUR -15.85 EUR -0.73 %

25,410.63 EUR -168.22 EUR -0.66 %

664.96 EUR -3.13 EUR -0.47 %

6,299.82 EUR -24.90 EUR -0.39 %

1,897.43 EUR -3.76 EUR -0.2 %

13,450.44 EUR -91.86 EUR -0.68 %

31,215.77 EUR -314.14 EUR -1 %

11,183.59 USD 11.74 USD 0.11 %

19,398.15 USD -109.87 USD -0.56 %

9,798.59 EUR -66.26 EUR -0.67 %

7,706.03 USD -58.61 USD -0.75 %

5,352.67 EUR -8.45 EUR -0.16 %

Nach zehn Jahren jenseits des Atlantiks fand ich es an der Zeit, auch die Staatsbürgerschaft meines Gastlandes anzunehmen. Dennoch hat es mich – wie den Wirtschaftsprofessor Friedrich List in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – wieder nach Deutschland zurückgezogen. Hier ist meine Heimat.

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Nun hat ein Kartell aus Rating-Agenturen, Investmentbanken und anderen Akteuren Europa sturmreif geschossen. Kontinentaleuropa hatte ein kreditbasiertes Bankensystem, das auf Vertrauen und Nachhaltigkeit beruhte. Natürlich kamen auch größere und kleinere Unfälle vor. Aber die wirklich großen Krisen – 1929, 2008 – kamen aus dem angelsächsischen Bereich.

Das kreditbasierte System beruht anders als das börsenorientierte System auf langfristigen Bindungen zwischen Kreditgeber (Bank) und Kreditnehmer (Unternehmen). Sparer können keine extreme, aber faire Renditen erwarten. Banken trafen ihre Kreditentscheidungen dezentral – marktwirtschaftlich – selbst. Heute werden die Sparer durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken enteignet. Kreditgebende Banken werden durch die Regelwerke von Basel II und Basel III schwer belastet, während kapitalmarktorientierte Zockerbanken und vor allem Schattenbanken ungebremst agieren können. Kreditorientierten Banken wird zudem durch die Planwirtschaft der Rating-Agenturen ein enges Korsett umgelegt.

Diese Situation und die politische Schwäche in Europa haben dazu geführt, dass wir von einer „Euro-Krise“ sprechen. Massive Schuldenschnitte, Südländer raus aus der Euro-Zone (mir hat noch keiner erklären können, warum das die europäische Idee gefährden sollte), danach Stützungskredite, und der Spuk wäre vorbei. So, wie es jetzt läuft, schränken wir die Demokratie ein und lassen uns von den schwächsten Staaten der Euro-Zone sowie der Finanzlobby die Geld- und Finanzpolitik diktieren.

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Als Folge ist das Bewertungsniveau vieler europäischer Aktien lächerlich gering. Amerikanische Aktien sind oftmals – trotz der katastrophalen Zustände in weiten Bereichen der USA – durchaus fair oder sogar satt bewertet.

Ich erwarte daher in den kommenden ein bis zwei Jahren eine massive Übernahmewelle. Zweimal haben wir im PI Global Value Fonds schon davon profitiert, einmal auch Sie als langjährige Leser des PRIVATINVESTORs. Seit Jahren empfehlen wir Rhön-Klinikum. Deren Aufkauf erfolgte nun durch den globalen Gesundheitskonzern Fresenius S.E., der in Deutschland beheimatet ist. Die Übernahme des holländischen Logistikunternehmens TNT Express erfolgte durch die amerikanische UPS.

Nur im Autobereich sind die Bewertungen anders herum. Hier könnten theoretisch die deutschen Unternehmen amerikanische Konkurrenten übernehmen. Nachdem Daimler sich aber mit Chrysler die Finger verbrannt hat, ist das nicht besonders wahrscheinlich.

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Ein möglicher Übernahmekandidat ist der holländische Fachverlag Wolters Kluwer. Wolters Kluwer tauchte früher regelmäßig in den Listen für gute Aktien auf. Dann kam der Umbruch in der Verlagsbranche. Wolters Kluwer ist allerdings massiv dabei, auf elektronische Medien umzustellen. Das Geschäft wächst nicht mehr besonders, ist aber stabil. Bei einem KGV von unter neun und einer Dividendenrendite von über fünf Prozent ist das auch dann ein interessantes Investment, wenn das Unternehmen nicht übernommen wird, denn es kann auch alleine gut existieren.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Datum Rating Analyst
23.09.26 Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Market-Perform Bernstein Research
22.09.26 Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Market-Perform Bernstein Research
21.09.26 Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Neutral UBS AG
16.09.26 Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Hold Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
14.09.26 Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Market-Perform Bernstein Research

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