Aktien Europa: Anleger bleiben zu Wochenstart in der Defensive
PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Nach der starken Vorwoche ist den europäischen Börsen am Montag vorerst die Luft ausgegangen. Von seinem höchsten Niveau seit Anfang 2018 ausgehend gab der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) am Vormittag um 0,13 Prozent auf 3620,13 Punkte nach. Der französische Cac 40 stand knapp mit 0,05 Prozent im Minus bei 5719,49 Zählern.
Allgemein gingen die Anleger eher vorsichtig in die neue ereignisreiche Woche, auch wenn im US-chinesischen Handelsstreit die Aussicht auf ein "Phase eins"-Teilabkommen weiter Hoffnung macht. Am Markt hieß es, Anleger blickten nun gespannt auf den US-Zinsentscheid am Mittwoch, bei dem sich die Erwartung einer nächsten Zinssenkung verfestigt hat. Außerdem steht im Wochenverlauf weltweit die Berichtssaison im Mittelpunkt.
Für Gesprächsstoff sorgte am Montag wieder die Brexit-Hängepartie. Die EU-Staaten haben sich nach Angaben von EU-Ratspräsident Donald Tusk auf einen Aufschub bis Ende Januar geeinigt. Dies sorgte beim britischen Pfund für Rückenwind, bremste aber im Gegenzug in London die Aktienkurse, weil eine stärkere Währung die britischen Exporte erschweren kann. Der FTSE 100 fiel um 0,4 Prozent auf 7294,77 Punkte.
Die Berichtssaison der Unternehmen machte am Montag zunächst nur reduziert große Schlagzeilen. Die Philips-Aktie rutschte nach detaillierten Zahlen zusehends stärker ins Minus ab, zuletzt büßte sie 3,8 Prozent ein. Analyst David Adlington von JPMorgan blickt nun etwas skeptisch voraus, indem er in einem Kommentar betonte, für die Zielsetzungen sei ein robustes Schlussquartal und mehr Schwung im neuen Geschäftsjahr nötig.
In London sorgte HSBC mit einem Kursrutsch um 4,6 Prozent für Aufsehen. Die britische Großbank hat nach einem schwachen Quartal und wegen des schwierigen Umfelds das Renditeziel für das kommende Jahr gekappt. Niedrigzinsen und die Konjunkturschwäche in einigen wichtigen Ländern - unter anderem wegen des Handelskriegs und der Proteste in Hongkong - belasteten weiterhin stark die Erträge.
Bei LVMH ging es infolge bestätigter Vorgespräche über eine Übernahme des US-Juweliers Tiffany verhalten zu, zuletzt legten die Aktien 0,2 Prozent zu. Eine Übernahme von Tiffany wäre die bisher größte für den Luxusgüterkonzern. Unter Analysten war auf den ersten Blick von einem strategisch sinnvollen Schritt die Rede. Edouard Aubin von Morgan Stanley brachte damit aber auch einige Risiken in Verbindung.
Übergeordnet ging es in der Branchenbetrachtung europaweit in der Autobranche besonders freundlich zu, dessen Teilindex Stoxx Europe 600 Autos & Parts um 1,7 Prozent stieg. Schwäche dagegen zeigten zu Wochenbeginn vor allem die Sektoren Banken und Telekom mit Verlusten von bis zu 0,8 Prozent bei ihren Teilindizes./tih/fba