NEL ASA oder Plug Power: Welche Wasserstoff-Aktie hat jetzt die besseren Chancen?

Wasserstoff-Aktien stehen wieder im Fokus der Anleger. Doch welche Aktie bietet langfristig die besseren Chancen: der norwegische Spezialist NEL ASA oder der US-Konzern Plug Power?
Werte in diesem Artikel
• Wasserstoff-Aktien im Comeback-Modus
• Plug Power mit hoher Dynamik, NEL setzt auf fokussiertes Wachstum
• Welche Aktien kann überzeugen?
Der Wasserstoffsektor erlebt 2026 ein überraschendes Comeback an der Börse. Nach massiven Kursverlusten in den vergangenen Jahren kehrt bei vielen Anlegern wieder Hoffnung zurück. Besonders die Aktien von NEL ASA und Plug Power profitieren davon deutlich. Während NEL seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent gestiegen ist, kommt Plug Power sogar auf ein Plus von etwa 83 Prozent (Stand: Schlusskurse vom 4. Juni 2026). Doch hinter der Rally stehen zwei völlig unterschiedliche Strategien.
Plug Power setzt auf das Komplettpaket
Das US-Unternehmen Plug Power verfolgt einen integrierten Ansatz entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Das Unternehmen produziert Elektrolyseure, entwickelt Brennstoffzellensysteme und baut gleichzeitig eine eigene Infrastruktur zur Wasserstoffversorgung auf. Laut dem Finanzportal Trading-Treff will Plug Power damit langfristig als Komplettanbieter auftreten.
Diese Strategie eröffnet große Marktchancen, ist allerdings kapitalintensiv. Genau hier liegt aktuell auch das größte Risiko. Plug Power kämpft weiterhin mit hohen Verlusten und einem enormen Cash-Bedarf. In der Vergangenheit sorgten Kapitalerhöhungen immer wieder für Druck auf die Aktie. Dabei bleiben insbesondere die hohe Kapitalabhängigkeit, die Gefahr weiterer Verwässerungen durch Kapitalerhöhungen sowie die historisch hohen Verluste wesentliche Belastungsfaktoren. Zudem hängt das Geschäftsmodell stark von staatlichen Förderprogrammen ab.
Dennoch honorieren Anleger derzeit erste Fortschritte beim operativen Geschäft. So meldete Plug Power zuletzt erstmals wieder einen positiven Bruttogewinn in einzelnen Geschäftsbereichen - ein möglicher Wendepunkt für den Konzern. Laut der Unternehmensmitteilung zum ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 163,5 Millionen US-Dollar, zugleich verbesserte sich der bereinigte Verlust je Aktie auf minus 0,08 US-Dollar.
NEL punktet mit Fokus und Technologie
NEL ASA verfolgt dagegen einen deutlich fokussierteren Ansatz. Die Norweger konzentrieren sich vor allem auf die Entwicklung und Produktion von Elektrolyseuren zur Herstellung von grünem Wasserstoff. Genau in diesem Bereich sehen viele Experten langfristig enormes Wachstumspotenzial. Besonders spannend: Laut einer Unternehmensmeldung vom 06. Mai arbeitet NEL an einer neuen Generation druckbasierter alkalischer Elektrolyseure. Diese Technologie soll die Produktionskosten deutlich senken und die Skalierung erleichtern.
Zudem gilt NEL trotz schwacher Margen laut Marktexperten finanziell derzeit als etwas stabiler als Plug Power. In Anlegerforen wird immer wieder darauf verwiesen, dass NEL im Vergleich über solidere Cash-Reserven verfügt.
Dennoch bleibt das Gesamtbild gemischt. Laut der Pressemitteilung zum ersten Quartal 2026 fielen die Erlöse auf 148 Millionen NOK, das EBITDA lag bei minus 100 Millionen NOK und der Auftragseingang brach auf 85 Millionen NOK ein. Die Nachfrage nach Elektrolyseuren entwickelt sich bislang schwach, Projekte werden teilweise verschoben und der Wettbewerbsdruck - insbesondere durch chinesische Anbieter - nimmt deutlich zu.
Hoffnung macht vor allem die oben genannte neue pressurisierte Alkaline-Plattform, die als technologischer Hebel für die nächste Wachstumsphase gilt. Allerdings bleibt der Markt vorsichtig, weil die Auftragslage schwach ist und die neue Technologie erst in echte Großaufträge übersetzt werden muss.
In welcher Aktie steckt jetzt mehr Potenzial?
Kurzfristig spricht die stärkere Dynamik laut Marktbeobachtern eher für Plug Power. Die Aktie reagiert besonders sensibel auf positive Nachrichten und könnte bei weiteren Fortschritten im operativen Geschäft überdurchschnittlich profitieren. Gleichzeitig bleibt das Risiko hoch: Die hohe Verschuldung und der Kapitalbedarf machen den Titel anfällig für Rückschläge.
NEL ASA erscheint dagegen konservativer positioniert. Das Unternehmen fokussiert sich auf ein klar definiertes Kerngeschäft und könnte vor allem dann profitieren, wenn der globale Ausbau der Wasserstoffproduktion Fahrt aufnimmt. Dafür fällt das kurzfristige Wachstum aktuell weniger spektakulär aus.
Für risikobereite Anleger könnte Plug Power daher womöglich die chancenreichere Spekulation bleiben. Wer dagegen auf eine fokussierte Wasserstoff-Wette mit etwas defensiverem Profil setzen möchte, könnte bei NEL ASA besser aufgehoben sein. Klar ist allerdings auch: Beide Unternehmen müssen erst noch beweisen, dass aus technologischer Fantasie nachhaltige Gewinne werden können.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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