Arbeitslosigkeit steigt wegen Ukraine-Flüchtlingen weiter
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im Juli außergewöhnlich stark angestiegen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) führte dies auf die statistische Erfassung ukrainischer Flüchtlinge zurück, die aufgrund des russischen Angriffskriegs nach Deutschland geflohen und zur Arbeitsaufnahme berechtigt sind. Die bereinigte Arbeitslosigkeit ist im Juli etwas stärker gestiegen als erwartet. Im Juli waren bereinigt um saisonale Einflüsse 48.000 mehr Arbeitslose gemeldet als im Monat davor. Ungeachtet der jahreszeitlichen Einflüsse stieg die Arbeitslosigkeit um 107.000 auf 2,47 Millionen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit deute aber nicht auf Probleme auf dem Arbeitsmarkt hin, so die BA.
"Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung haben im Juli kräftiger zugenommen als jahreszeitlich üblich. Dies liegt jedoch an der Erfassung ukrainischer Geflüchteter. Insgesamt ist der Arbeitsmarkt trotz aller Belastungen und Unsicherheiten weiterhin stabil", sagte der Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit (BA), Daniel Terzenbach.
Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten eine Zunahme der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 40.000 Personen erwartet. Im Juni hatte sich die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt in nur leicht revidierter Rechnung um 132.000 (vorläufig: 133.000) erhöht. Die Arbeitslosenquote stieg im Juli auf 5,4 Prozent nach 5.3 Prozent im Juni, was sich mit den Erwartungen der Experten deckte. Gegenüber dem Vorjahr waren 120.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet.
Üblicherweise steigt im Juli die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen, weil vor den anstehenden Sommerferien die Unternehmen weniger Neuanstellungen vornehmen. Mit dem Krieg in der Ukraine sind aber Hundertausende nach Deutschland geflüchtet. Diese Ukrainer dürfen in Deutschland eine Arbeitstätigkeit aufnehmen.
Für die Kurzarbeit legte die BA keine aktuellen Zahlen vor. Die jüngsten verfügbaren Zahlen sind für Mai, als 328.000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit waren. "Damit war die Inanspruchnahme von konjunktureller Kurzarbeit weiter rückläufig", so die BA.