Bauindustrie erhöht Umsatzprognose trotz Corona-Pandemie


Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Bauwirtschaft ist bislang besser durch die Corona-Pandemie gekommen als zunächst erwartet. Die deutsche Bauindustrie erhöhte daher am Freitag ihre Umsatzprognose für dieses Jahr auf ein nominales Plus von 3,5 Prozent nach einer im Mai vorhergesagten Stagnation für das Jahr 2020. Die Bauchnachfrage hat sich allerdings im Juli laut neusten Zahlen des Statistischen Bundesamts etwas abgekühlt.

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"Insgesamt ist die Bauwirtschaft aber nach wie vor eine Stütze der Gesamtwirtschaft. Der Auftragsrückgang erfolgte auf einem hohen Niveau - der Auftragseingang war der zweithöchste gesamtdeutsche Juli-Wert", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel. Auch habe der Umsatz im Juli dieses Jahres nur minimal unter dem Vorjahresniveau gelegen.

Zuvor hatte das Statistische Bundesamt Daten zur Konjunkturentwicklung im Bauhauptgewerbe zum Juli vorgelegt. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe bei den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten lag im Juli bei gut 6 Prozent über dem Vorjahreswert. Allerdings sah es bei den Auftragseingängen besonders im Wirtschaftsbau weniger positiv aus.

Danach fielen im Wirtschaftsbau die Auftragseingänge den fünften Monat in Folge deutlich um nun 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Straßenbau fiel der Auftragseingang im Juli um nominal 6,5 Prozent. In anderen Bausparten stiegen die Auftragseingänge lediglich verhalten an, im Wohnungsbau um 2,0 Prozent und im Öffentlichen Bau um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

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Zurückhaltung bei öffentlichen Ausschreibungen

"Dank guter Witterung, hoher Auftragsbestände zum Jahresbeginn und ununterbrochener Bautätigkeit sind wir bisher vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Es zeigt sich aber, dass auch die Bauwirtschaft nicht unberührt von den Umsatzeinbußen bei Industrie und Dienstleistungen bleibt", erklärte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). "Der Auftragsrückgang wird sich in den nächsten Monaten auch in der Umsatzentwicklung niederschlagen."

Die Bauwirtschaft appelliert daher an die öffentliche Hand, ihre Investitionstätigkeit angesichts des erneuten deutlichen Auftragsrückgangs im Wirtschaftsbau hochzufahren.

"Die Baunachfrage hat sich im Juli 2020 wieder etwas abgekühlt. Hiervon war insbesondere der Straßenbau betroffen, der damit - nach einem Orderplus aufgrund eines Großprojektes im Juni - wieder auf den vorherigen Abwärtspfad zurückgekehrt ist", sagte Babiel vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. "Hier sehen wir seit einigen Monaten eine deutliche Zurückhaltung bei öffentlichen Ausschreibungen - und das trotz des nach wie vor hohen Investitionsbedarfs."

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Probleme bei Übergang auf Autobahn GmbH vermutet

Auch der ZDB sieht die öffentliche Hand in der Pflicht. "Wichtig ist daher, dass der Bund seine Investitionslinie wie geplant aufrechterhält, so wie sich das in der Planung jetzt für 2021 niederschlägt. Allerdings muss auch in den darauffolgenden Jahren die Investitionslinie verstetigt werden", forderte ZDB-Hauptgeschäftsführer Pakleppa.

Bauindustrie und ZDB vermuten, dass der Rückgang auf organisatorische Probleme im Zuge des Übergangs auf die Autobahn GmbH des Bundes zurückzuführen sind. Verwaltungsaufwendungen aus dem Transformationsprozess der Autobahn GmbH dürften nicht zu Lasten der Investitionsbudgets gehen, forderte Pakleppa. "Wir brauchen einen ausreichenden Projektvorlauf, um die Mittel auf die Straße zu bringen und den vorhandenen Investitionsstau abzubauen."

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/mgo

(END) Dow Jones Newswires

September 25, 2020 04:27 ET (08:27 GMT)

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