Trotz Abstand zum 52-Wochen-Tief: Warum die Vonovia-Aktie noch nicht aus der Krise ist
Seit dem Tief vom 1. Oktober fasst die Vonovia-Aktie wieder Tritt, doch der eigentliche Härtetest für die Erholung findet nicht an der Börse statt, sondern in Berlin.
Werte in diesem Artikel
- Vonovia-Aktie entfernt sich vom Jahrestief bei 16,60 Euro vom 1. Oktober
- Neue Marke Veveus bündelt das Dienstleistungsgeschäft für Investoren
- JPMorgan knüpft das gesenkte Kursziel an Verkäufe und Schuldenabbau
Die Aktie von Vonovia setzt am Dienstag ihre vorsichtige Stabilisierung fort und notiert bei 16,98 Euro mit einem Plus von 0,47 Prozent im Vortagesvergleich. Damit wächst der Abstand zum Jahrestief von 16,60 Euro, auf das der Wohnimmobilienkonzern am 1. Oktober gefallen war. Gesprächsstoff liefert eine neue Dienstleistungsmarke, den Takt für das Papier gibt aber weiter die Berliner Landespolitik vor.
Veveus bündelt, was Vonovia bereits für Dritte leistet
Auf der Immobilienmesse Expo Real hat der Bochumer Konzern am Montag die Marke Veveus eingeführt. Unter ihr sollen institutionelle Eigentümer und Investoren Leistungen aus Investment Management, Asset Management, Property Management und Facility Management aus einer Hand beziehen. Der Name Vonovia steht weiter für das Vermietungsgeschäft, Veveus soll das Geschäft jenseits der klassischen Vermietung ausbauen.
Neu ist dabei vor allem die Verpackung. Vonovia bewirtschaftet bereits rund 75.000 Wohnungen im Auftrag Dritter, gemessen an den rund 528.000 eigenen Wohnungen zum 30. Juni 2026 ein Nebengeschäft. Dieses Wissen wird unter Veveus gebündelt. Das passt zur Strategie, das Ergebnis stärker außerhalb des Wohnens wachsen zu lassen, rüttelt kurzfristig aber nicht an den Themen, die den Kurs im September gedrückt haben: Zinsen, Verschuldung und Politik.
Berlin bleibt der Taktgeber für die Vonovia-Aktie
Unter Druck geraten war der Anteilsschein nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin im September 2026, die die Linke mit 25,7 Prozent klar gewann. Die Partei beruft sich auf den Volksentscheid von 2021 und will große Wohnungsunternehmen gegen Entschädigung vergesellschaften. Vonovia hält in der Hauptstadt zusammen mit der Tochter Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen, nach Angaben von Vorstandschef Luka Mucic weniger als acht Prozent des gesamten Berliner Bestands. Mucic lehnt eine Vergesellschaftung ab und setzt auf bessere Bedingungen für den Neubau.
Ob das Thema überhaupt an den Verhandlungstisch kommt, ist offen. Linke, Grüne und SPD loten in Vorgesprächen aus, ob sie offizielle Sondierungen aufnehmen; Grüne und SPD haben eine Verständigung zu Antisemitismus, Rassismus und organisierter Kriminalität zur Voraussetzung gemacht. Der Spitzenkandidat der SPD, Steffen Krach, hatte bereits am Wahlabend nicht mit einer Enteignung gerechnet. Auf Bundesebene hatte sich der Koalitionsausschuss im Juli zudem darauf verständigt, Enteignungen großer Wohnungskonzerne auf Landesebene per Bundesgesetz auszuschließen. Die Erholung vom Jahrestief steht damit auf einem politischen Fundament, das sich binnen Tagen verschieben kann.
JPMorgan knüpft das Kursziel an Verkäufe
Wie wenig die Stabilisierung bislang trägt, zeigt die am 1. Oktober verbreitete Studie von JPMorgan. Analyst Neil Green senkte das Kursziel von 34,50 auf 26,00 Euro, beließ die Einstufung aber auf "Overweight". Die Investoren seien frustriert, der Aktie fehle die Zugkraft. Helfen könnte demnach die Trennung von Aktivitäten im Wert von einer Milliarde Euro, deren Erlös in den Schuldenabbau fließen könnte. Bleiben größere Transaktionen aus, schließt Green eine Dividendensenkung nicht aus. Für das Geschäftsjahr 2025 hatte Vonovia 1,25 Euro je Aktie ausgeschüttet, für 2026 rechnen Analysten im Schnitt mit 1,27 Euro.
Genau hier liegt die Lücke zur Erzählung des Unternehmens. Veveus steht für Wachstum jenseits der Vermietung, während der Kapitalmarkt vor allem auf Bilanz und Ausschüttung schaut. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 25,70 Euro und damit weit über dem Kursniveau von Anfang Oktober. Solange Zinsen und die Berliner Frage den Ton angeben, bleibt dieser Abstand allerdings eher Rechengröße als Kursanker.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Vonovia SE
