KI-Rally kennt keine Grenzen: SK hynix knackt Billionen-Marke - Samsung-Aktie nach Tarif-Einigung auf Rekordjagd
Samsung und SK hynix markieren neue Rekordstände. Dabei überstrahlt die KI-Euphorie selbst die Beilegung eines wichtigen Tarifstreits bei Samsung.
Samsung und SK hynix auf Rekordjagd
Die Rally bei südkoreanischen Chipwerten ging am Mittwoch ungebremst weiter: Anleger schickten die Samsung-Aktie in der Spitze auf ein neues Allzeithoch bei 323.000 Südkoreanische Won. Letztlich betrug das Plus noch 2,68 Prozent auf 307.000 Südkoreanische Won.
Bei SK hynix kennt die Euphorie derweil kaum noch Grenzen: An der Börse in Seoul markierte das Papier zeitweise bei 2.358.000 Südkoreanische Won einen neuen Rekord. Schließlich stand noch ein kräftiges Plus von 9,31 Prozent auf 2.243.000 Won Südkoreanische Won an der Kurstafel.
Getrieben wird die Bewegung Dow Jones Newswires zufolge vor allem von der Erwartung, dass die Investitionen in Künstliche Intelligenz die Nachfrage nach Speicherchips weiter hochhalten.
SK hynix knackt die Billionen-Marke
Wie Reuters berichtet, hat SK hynix mit der beispiellosen Rally erstmals eine Marktkapitalisierung von mehr als 1 Billion US-Dollar erreicht. Damit reiht sich der südkoreanische Speicherchiphersteller in eine Gruppe ein, zu der bereits Samsung Electronics, Micron Technology und TSMC gehören.
Der Hintergrund ist klar: Hochleistungs-Speicherchips für KI-Anwendungen bleiben knapp und teuer. Laut Reuters haben sich die Preise für Speicherchips im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal verdoppelt. Im laufenden Quartal könnten sie wegen der Nachfrage aus KI-Rechenzentren um bis zu 63 Prozent weiter steigen.
Für Anleger ist das der zentrale Punkt: Samsung und SK hynix profitieren nicht nur von einer kurzfristigen KI-Fantasie, sondern von einem Marktumfeld, in dem Angebot und Nachfrage derzeit klar zugunsten der großen Speicherchipanbieter arbeiten. Reuters verweist zudem auf Analysten von Mirae Asset Securities, die bis 2028 mit einer Nachfrage rechnen, die das Angebot übersteigen dürfte.
Samsung-Gewerkschaft nimmt Einigung auf Rekordboni an
Mitglieder der Samsung-Gewerkschaft haben den Kompromissvorschlag des Managements für Jahresprämien in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro pro Kopf akzeptiert. Nach Gewerkschaftsangaben sprachen sich mehr als 70 Prozent der Mitglieder dafür aus, das Angebot der Geschäftsführung anzunehmen, mit dem jüngst ein Generalstreik bei Südkoreas größtem Konzern abgewendet worden war.
Die firmenweit gültige Einigung beinhaltet eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 6,2 Prozent und die Ausschüttung von 10,5 Prozent des Unternehmensgewinns an die Belegschaft. Laut Prognosen könnten damit allein die diesjährigen Boni für die Mitarbeiter der besonders profitablen Halbleiterabteilung bis zu 600 Millionen Won betragen (rund 340.000 Euro). Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter von Samsung Electronics arbeiten bei der Halbleiter-Sparte.
Zuvor hatten beim weltweit größten Produzenten von Speicherchips rund 48.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter einen 18-tägigen Generalstreik angedroht. Hintergrund war ein Konflikt um die Höhe von Bonuszahlungen an die Belegschaft, nachdem der Elektronikriese im Zuge des Booms rund um Künstliche Intelligenz Rekordgewinne erzielt hatte. Allein der Betriebsgewinn für das erste Jahresquartal betrug 57,2 Billionen Won (knapp 33 Milliarden Euro) - in etwa das Achtfache des Vorjahreszeitraums.
Was bedeutet die KI-Rally für Anleger?
Die Einigung im Tarifstreit nimmt bei Samsung zwar ein operatives Risiko vom Tisch, doch an der Börse dominiert derzeit ein anderes Thema: Speicherchips werden zum Engpass der KI-Infrastruktur. Genau deshalb werden Samsung, SK hynix und Micron momentan nicht wie klassische Zykliker, sondern wie Schlüsselprofiteure des KI-Ausbaus gehandelt.
Für Anleger bedeutet das: Solange die Nachfrage nach Hochleistungsspeichern die Kapazitäten übersteigt, bleibt die Bewertungsfantasie intakt. Gleichzeitig steigt mit jedem neuen Rekord aber auch die Fallhöhe. Wer jetzt auf Samsung oder SK hynix blickt, handelt weniger die reine Unternehmensnachricht, sondern vor allem die Frage, wie lange der KI-getriebene Preiszyklus bei Speicherchips wirklich trägt.
Benedict Kurschat, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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