Chip-Rally nimmt Fahrt auf: Darum sind die Aktien von Micron, Intel, AMD & Co. bei Anlegern wieder gefragt
Nach Wochen der Korrektur drehen Halbleiterwerte auf breiter Front, mehrere Einzelmeldungen und ein Zinssignal der Fed treffen auf einmal zusammen.
Werte in diesem Artikel
- Speicherchip-Werte drehen nach schwachem Sommer wieder deutlich nach oben
- Neues Werk in Indien und ein leistungsstarkes Speichermodul befeuern die Fantasie
- Analystenhäuser sehen bei Micron trotz Rally noch Potenzial nach oben
Micron führt zusammen mit Intel, AMD, Arm und Super Micro eine breite Erholungsbewegung bei Halbleiterwerten an, die den Sektor nach einer mehrwöchigen Korrekturphase wieder anschieben. Auslöser sind gefallene Ölpreise und US-Anleiherenditen nach der Fed-Sitzung sowie mehrere Einzelmeldungen aus der Speicher- und Prozessorbranche.
Aktien von Micron, Intel & Co. kräftig im Plus: Breite Erholung nach schwachem Sommer
Seit Ende Juni befand sich der Halbleitersektor in einer teils deutlichen Korrektur. So verlor der Philadelphia Semiconductor Index seither rund 16 Prozent, bei Einzelwerten wie SanDisk ist das Minus noch größer. Nun scheint die Schwächephase jedoch überwunden, seit vergangener Woche zeigen sich die Branchengrößen deutlich erholt, so auch im US-Handel am Montag. An der NASDAQ legen Micron und Intel stellenweise um 2,37 Prozent auf 1.039,83 US-Dollar bzw. 13,07 Prozent auf 122,79 US-Dollar zu. Gleiches gilt für die Aktien von AMD, Arm und Super Micro, die ebenso kräftig hinzugewinnen.
Hinter der Erholung stecken laut Analyst Gil Luria von D.A. Davidson vor allem fallende Ölpreise und sinkende Anleiherenditen, die die Anlegersorgen nach der Fed-Sitzung linderten. Da der Bau von Rechenzentren sensibel auf Zinsen reagiere, wirke ein Signal gegen weitere Zinserhöhungen positiv auf den Ausbau von Rechenzentren und damit auf Halbleiterwerte. Zuvor hatte
KI-Sicherheitsdebatte rückt in den Hintergrund
Kurz vor der Erholung waren Halbleiter- und KI-Aktien kräftig abgerutscht, nachdem Anthropic-Chef Dario Amodei und OpenAI-Chef Sam Altman zu einer Verlangsamung der KI-Entwicklung aufgerufen und damit Ängste um Infrastrukturausgaben geschürt hatten. Diese Sorgen scheinen bei Anlegern trotz immer häufigerer Nachrichten zu KI-Vorfällen erstmal in den Hintergrund zu rücken.
Micron liefert eigene Nachrichten
Zu der allgemeinen Sektor-Erholung kamen bei Micron zwei unternehmensspezifische Impulse hinzu. Vergangenen Donnerstag nahm Micron sein neues Halbleiter-Montage- und Testwerk im indischen Sanand offiziell in Betrieb, eine Anlage im Wert von 2,75 Milliarden US-Dollar, die die kommerzielle Produktion bereits aufgenommen hat. Bereits zwei Tage zuvor hatte Micron ein neues Speichermodul demonstriert, ein 512-Gigabyte-DDR5-RDIMM mit Geschwindigkeiten von bis zu 9.200 Megatransfers pro Sekunde. AMD und Intel validieren das Modul derzeit, die Serienproduktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten.
Entwarnung nach Sicherheitsbedenken? Was die Erholung für Anleger wirklich bedeutet
Die Erholung der Halbleiterbranche dürfte vor allem eine Zins-Reaktion sein, weniger eine fundamentale Entwarnung: Sinkende Anleiherenditen erleichtern für den Moment zwar die Finanzierung von Rechenzentren, dürften die eigentliche Sorge um das Tempo der KI-Investitionen aber kaum ausräumen. Die Debatte scheint nicht vollends vom Tisch, sondern wird momentan eher überlagert - neue Warnungen aus der Branche könnten den positiven Effekt möglicherweise wieder bremsen. Bei Micron kommt mit Werkseröffnung und neuem Speichermodul zwar unternehmensspezifische Substanz hinzu, die Serienproduktion startet aber erst 2027. Anleger sollten die Erholung daher eher als fragiles Gleichgewicht denn als Bodenbildung lesen.
Benedict Kurschat, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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