Treasury-Ausverkauf: Standard Chartered wittert die Einstiegschance
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg im September so stark wie seit 2022 nicht mehr. Das Chief Investment Office der Bank Standard Chartered sieht Einstiegschancen.
Werte in diesem Artikel
- Standard Chartered sieht im Renditeanstieg ein verbessertes Chance-Risiko-Verhältnis
- Stresstest zeigt, wo Aktien bei weiter steigenden Zinsen ins Minus drehen
- Auch Gold und Anleihen in australischen Dollar rücken in den Fokus
Das Chief Investment Office von Standard Chartered sieht im Ausverkauf am US-Anleihemarkt taktische und mittelfristige Chancen, wie der wöchentliche Marktbericht der Bank zeigt. Investoren mit einem Anlagehorizont von sechs bis zwölf Monaten fänden bei zehnjährigen US-Staatsanleihen laut der Bank einen Einstieg mit verbessertem Chance-Risiko-Verhältnis.
Anleihen: Asymmetrisches Rechenbeispiel
Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries stieg im September um mehr als 50 Basispunkte, der größte Monatsanstieg seit 2022. Als Treiber nennt die Bank eine robuste Konjunktur, höhere Fed-Zinsen, treibstoffgetriebene Inflation, KI-bedingte Kapitalnachfrage und Haushaltssorgen. Die Rendite markierte im September den höchsten Schlussstand seit 2007.
Laut Senior-Stratege Rajat Bhattacharya ist das Verhältnis aus Chance und Risiko klar asymmetrisch: Bei einem Anstieg der Rendite auf sechs Prozent lägen die Verluste bei unter einem Prozent, bei einem Rückgang auf 4,5 Prozent wären Gewinne von mehr als zehn Prozent möglich. Kurzfristig könnten Markttechnik und erzwungene Verkäufe von Hedgefonds und Immobilien-REITs eine Rückkehr der Rendite verzögern. Einen ausgedehnten Ausverkauf erwartet die Bank nicht und hat eine "opportunistisch bullishe Position auf zehnjährige US-Staatsanleihen" eröffnet, da sie der Ansicht ist, dass diese Position auf einen Zeithorizont von sechs bis zwölf Monaten ein attraktives Risiko-Ertrags-Verhältnis bietet, da die Renditen attraktiv genug werden, um wieder Käuferströme anzulocken, wie es in dem Marktbericht heißt. Auf einer breiteren Allokationsebene bevorzugt sie weiterhin Laufzeiten von drei bis sieben Jahren.
Fed-Erwartungen nach Einschätzung der Bank übertrieben
Anleihe- und Geldmärkte hält Standard Chartered für zu falkenhaft gegenüber der Fed. Die Geldmärkte preisen rund 85 Basispunkte Straffung binnen zwölf Monaten ein. Die Bank erwartet, dass die Disinflation zurückkehrt, sobald die Effekte von Ölpreisen und Zöllen im Jahr 2027 nachlassen. Bei einem starken Arbeitsmarkt hält sie ein bis zwei weitere Zinserhöhungen für gerechtfertigt, eine aggressive Straffung könnte jedoch die Finanzstabilität gefährden.
Für Oktober sieht die Bank kaum Chancen auf eine Zinserhöhung der Fed. Die Inflationsdaten für September bis November sollen über einen Schritt im Dezember entscheiden. Die Kern-PCE-Inflation lag bei 0,2 Prozent zum Vormonat und 3,0 Prozent zum Vorjahr und damit unter den Erwartungen.
Aktien, Gold und Währungen im Blick
Bei Aktien setzt Standard Chartered auf Qualitätstitel und Sektoren, die vom KI-Zyklus profitieren. US-Large-Caps hätten den Renditeanstieg relativ gut verkraftet, bei US-Small- und Mid-Caps verweist die Bank auf Abschläge zu ihren Hochs. Halbleiter und Speicherchips bleiben bevorzugt, bei Speichertiteln sollte der Bank zufolge aber keine Übergewichtung entstehen.
Das Zwölfmonatsziel für den S&P 500 sieht Standard Chartered bei 8.400 Punkten. Steigt die Rendite nachhaltig auf 5,6 Prozent, wären die Renditen ab dem Stand von 7.666 Punkten bei unveränderten Gewinnen negativ. Im Basisszenario rechnet die Bank eher mit fallenden Renditen. Zudem erwartet sie einen Höhepunkt beim US-Dollar und bei kurz- bis mittelfristigen US-Renditen bis Ende November. Das eröffne Chancen bei Unternehmensanleihen in australischen Dollar, Schwellenländeranleihen in US-Dollar und Gold, wo 4.000 US-Dollar je Unze als wichtige technische Unterstützung gelten.
Entscheidend wird, ob die kommenden Inflationsdaten die Erwartung der Bank an nachlassenden Preisdruck stützen. Davon hängt auch ab, ob die Fed im Dezember nachlegt und ob die Rendite zehnjähriger Treasuries ihren Höhepunkt tatsächlich hinter sich hat.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Standard Chartered
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Standard Chartered
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Holmes Su / Shutterstock.com, Stuart Monk / Shutterstock.com
