Halbleiter-Ausverkauf schwappt nach Europa über: So reagieren die Aktien von Infineon, AIXTRON & Co.
Ein Einbruch des Philadelphia Semiconductor Index um über fünf Prozent zieht Kreise bis nach Seoul, Tokio und Frankfurt.
Werte in diesem Artikel
- Chipwerte geraten von Wall Street über Seoul bis Frankfurt unter Druck
- Steigende Anleiherenditen und ein hoher Ölpreis belasten zusätzlich
- Enge Verzahnung in der Chip-Branche sorgt für weltweiten Ausverkauf
Der Ausverkauf bei Halbleiterwerten hat von der Wall Street über Asien auch Europa erreicht. So verloren die Aktien von Infineon im XETRA-Handel letztlich 3,95 Prozent auf 54,98 Euro.
Auch die deutschen Branchenkollegen AIXTRON und SUSS MicroTec gaben um 3,07 Prozent auf 37,30 Euro bzw. 5,98 Prozent auf 73,15 Euro nach.
Auslöser war ein Einbruch des Philadelphia Semiconductor Index um über fünf Prozent in den USA, der sich in der Nacht zum Mittwoch bis nach Südkorea und Japan fortsetzte.
Wall Street gibt den Ton vor
Der Chipsektor, der im bisherigen Jahresverlauf zu den stärksten Bereichen der Wall Street zählte, geriet am Dienstag massiv unter Verkaufsdruck. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor über fünf Prozent und auch der NASDAQ 100 ließ ordentlich Federn. Gleichzeitig blieben die Anleiherenditen erhöht, die zehnjährige US-Staatsanleihe notierte nahe ihrem höchsten Stand seit Anfang 2025, während Öl bei 85 US-Dollar schloss. Als zusätzlicher Belastungsfaktor kam die geopolitische Lage hinzu: Der 60-tägige Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran lief am Montag aus, laut US-Präsident Trump seien am Dienstag konkrete Gespräche über eine dauerhafte Lösung nicht in Sicht gewesen. Ein Barrel der Sorte Brent kostete am Mittwoch rund 92 US-Dollar und damit gut einen Prozentpunkt mehr als am Vortag, belastet von der Sorge vor Lieferunterbrechungen durch die Straße von Hormus.
Warum der Ausverkauf auch deutsche Halbleiter trifft
Wie so oft setzen sich die Trends der Wall Street weltweit an anderen Märkten fort, besonders in der eng verzahnten KI- und Chip-Branche. Infineon, AIXTRON und SUSS MicroTec hängen an derselben Lieferkette wie die US-Speicherchiphersteller und die südkoreanischen Konzerne: Sinkt dort die Risikobereitschaft, ziehen internationale Fondsmanager ihr Kapital meist branchenweit ab, nicht nur bei den unmittelbar betroffenen Einzeltiteln. Chip-ETFs und Branchenindizes bilden die US-Werte zudem so stark ab, dass ihre Bewegung meist automatisch auf die europäischen Zulieferer durchschlägt.
Hinzu kommt ein handfester Zusammenhang: Steigende Anleiherenditen verteuern weltweit die Finanzierung der milliardenschweren Investitionsprogramme in KI-Rechenzentren, von denen auch die deutschen Ausrüster über ihre Kunden profitieren. Wird dieser Kapitalzufluss teurer, sinken die erwarteten künftigen Gewinne der gesamten Branche, und Anleger passen die Bewertung von Infineon, AIXTRON und SUSS MicroTec entsprechend nach unten an, obwohl die Auftragsbücher der Unternehmen selbst bislang unverändert gefüllt sind.
Benedict Kurschat, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images, AIXTRON SE
