Intel-Aktie im Sog des Chip-Ausverkaufs: DeepSeek-Bericht schürt Sorgen - auch AMD, Micron & Co. im Fokus
Nach der stärksten Chip-Rally der Börsengeschichte gerät die Intel-Aktie plötzlich unter Druck, ausgelöst von einem Bericht über KI-Chip-Pläne des chinesischen Anbieters DeepSeek.
Werte in diesem Artikel
- Chip-Aktien geraten nach Rekordquartal branchenweit unter Druck
- Berichte zu eigenen KI-Chips von DeepSeek belasten die Stimmung
- KI-Schwäche hält auch zur Wochenmitte an
Nach Monaten nahezu ununterbrochener Kursgewinne kippt die Stimmung im Halbleitersektor: Am Dienstag gab die Intel-Aktie 9,66 Prozent auf 110,39 US-Dollar ab, und auch AMD, Micron Technology sowie die südkoreanischen Speicherchip-Konzerne Samsung Electronics und SK hynix rutschten kräftig ins Minus.
Auslöser war eine Mischung aus Gewinnmitnahmen nach dem stärksten Quartal in der Geschichte des Chip-Index PHLX Semiconductor sowie ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, auf den MarketWatch verweist, wonach das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek an eigenen Chips arbeitet und damit die Marktmacht etablierter Anbieter infrage stellt.
DeepSeek-Bericht nährt Zweifel an NVIDIAs Vormacht
Der Halbleiterindex PHLX Semiconductor fiel am Dienstag deutlich und rutschte erstmals seit April unter seinen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt. Der Grund für die Nervosität liegt tiefer als eine einzelne Meldung: Die Kombination aus dem DeepSeek-Bericht und ohnehin hohen Bewertungen trifft einen Markt, der zuvor kaum eine schlechte Nachricht eingepreist hatte. Mike Reynolds, Investmentstratege bei Glenmede, erklärt gegenüber MarketWatch, Anleger würden nun neu bewerten, "ob die den Unternehmen zugestandenen Bewertungen nach dem Kurslauf noch gerechtfertigt sind". Einzig die NVIDIA-Aktie hielt der Bewegung stand und schloss den Handelstag im Plus, während Vertreter von NVIDIA und DeepSeek Anfragen zu dem Bericht zunächst unbeantwortet ließen.
Gewinnmitnahmen nach Samsung-Zahlen halten an
Zudem drücken anhaltende Gewinnmitnahmen bei Chip-Werten auf die Stimmung, die von den rekordverdächtigen Samsung-Zahlen ausgelöst wurden. So meldete der südkoreanische Elektronikkonzern vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal, wonach sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelte und der Gewinn um mehr als das 19-Fache stieg. Trotzdem gab die Aktie ordentlich nach und zog Chip-Aktien weltweit mit nach unten.
Wie MarketWatch berichtet hatte der Markt laut Hendi Susanto, Analyst bei Gabelli Funds, bereits eine noch größere Überraschung eingepreist. Susanto rechnet zudem damit, dass neue Fertigungskapazitäten für Speicherchips frühestens 2027 an den Markt kommen, da die Hersteller ihre Bestände für das laufende Jahr bereits ausverkauft hätten.
Intel bleibt trotz Ausverkaufs im Blick der Analysten
Für Intel kommt der Rücksetzer, nachdem die Aktie im laufenden Jahr eine der stärksten Kursentwicklungen im gesamten Sektor hingelegt hat. Trotz des Kursdrucks bleiben mehrere Analysehäuser optimistisch: HSBC, Bank of America und New Street Research haben ihre Kursziele für die Intel-Aktie zuletzt angehoben. Für das zweite Quartal rechnet das Unternehmen laut eigener Prognose mit einem Umsatz zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 7 bis knapp 15 Prozent gegenüber den 12,9 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Beim Ergebnis je Aktie visiert Intel 0,08 US-Dollar an, nach einem Verlust von 0,67 US-Dollar je Aktie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Chip-Ausverkauf zur Wochenmitte fortgesetzt
KI- und Chip-Aktien haben weiterhin einen schweren Stand. Der durch die jüngsten Ereignisse getriebene Ausverkauf hielt am Mittwoch aber nach schwachem Start dann doch nicht an: Im NASDAQ-Handel verlor die Intel-Aktie am Mittwoch schlussendlich überschaubare 0,14 Prozent auf 110,24 US-Dollar. Die Papiere von AMD drehten sogar ins Plus und schlossen 0,25 Prozent höher bei 517.41 US-Dollar, während Micron-Titel 1,11 Prozent höher bei 948,80 US-Dollar schlossen.
Benedict Kurschat, Thomas Zoller, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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