SAP-Aktie stabilisiert sich nach Kursrückgang: Warum die Oracle-Zahlen zunächst am Konkurrenten vorbeigingen
Oracle verdoppelt sein Geschäft mit KI-Rechenzentren und schießt nach oben, doch beim deutschen Rivalen SAP zeigte der Kurs am Freitag zunächst in die andere Richtung.
Werte in diesem Artikel
- SAP-Aktie verlor am Freitag zeitweise stark - trotz starker Oracle-Zahlen
- Oracle wächst vor allem mit Cloud-Infrastruktur für KI, wo SAP nicht mitspielt
- Analysten sehen SAP bei KI im Rückstand, bleiben aber mehrheitlich positiv
Oracle hat mit seinen Zahlen die Wall Street elektrisiert, doch bei SAP kommt davon wenig an. Die SAP-Aktie gab am Freitag im XETRA-Handel zeitweise deutlich nach, obwohl der US-Rivale am Donnerstagabend ein Rekordquartal vorlegte und seine Aktie davon profitierte. Erst ab dem späten Nachmittag stabilisierte sich der Kurs etwas mit letztlich nur noch minus 0,31 Prozent bei 177,26 Euro.
Ein Rekordquartal getragen von KI-Rechenzentren
Der US-Konzern legte für sein erstes Geschäftsquartal per Ende August Zahlen vor, die den Markt überzeugten. Der Umsatz kletterte um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar, das gesamte Cloud-Geschäft wuchs um 62 Prozent auf 11,6 Milliarden US-Dollar. Treiber war die Cloud-Infrastruktur, also vor allem KI-Rechenzentren: Hier steigerte Oracle den Erlös um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar. Der Auftragsbestand für künftige Cloud-Leistungen schwoll binnen eines Jahres um 209 auf 664 Milliarden US-Dollar an. Für das laufende Geschäftsjahr stellte das Management einen Umsatz von mindestens 90 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Ein Geschäft in dem SAP nicht mitspielt
Für SAP ist es allerdings der falsche Boom. Oracles Sprung stammt aus dem Vermieten von Rechenkapazität für das Training und den Betrieb von KI-Modellen, einem Infrastrukturgeschäft, das die Walldorfer gar nicht betreiben. Bezeichnend ist der Blick auf Oracles eigene Anwendungssoftware. Das Geschäft mit Cloud-Anwendungen, das dem Kern von SAP am nächsten kommt, legte nur um 10 Prozent auf 4,2 Milliarden US-Dollar zu. In genau dieser Größenordnung bewegt sich auch SAP mit seinen Unternehmensprogrammen rund um S/4HANA. Der Teil von Oracle mit dem dreistelligen Wachstum ist also einer, den SAP nicht anbietet, während der vergleichbare Teil nur moderat wuchs.
SAP-Aktie im Fokus: Analysten mahnen beim Thema KI
Hinzu kommt, dass SAP beim beherrschenden Börsenthema künstliche Intelligenz als Nachzügler gilt. Die Schweizer Großbank UBS bestätigte Anfang September ihre Einstufung "Neutral" mit einem Kursziel von 201 Euro. Analyst Michael Briest attestierte den Walldorfern nur kleine Fortschritte bei der Integration von KI-Assistenten, es bleibe noch viel zu tun. Bereits Ende August hatte UBS die Aktie deshalb heruntergestuft, seither zählt SAP zu den schwächeren Werten im DAX. Abgeschrieben ist der Titel damit nicht. Im Mittel raten die Analysten weiter zum Kauf, fünf Kaufempfehlungen stehen zwei neutralen Voten gegenüber, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 204 Euro und damit über dem aktuellen Niveau.
Adobes Ausblick belastet SAP-Aktie
Darüber hinaus leiden die Papiere auch unter einem unerwartet vorsichtigen Umsatzausblick des Branchenkollegen Adobe auf das laufende Quartal. Anleger stellen sich bei dem Softwarekonzern SAP schon seit Monaten die Frage, wie schnell er seine Produkte rund um Künstliche Intelligenz (KI) zur Marktreife führen kann. Denn es droht der Verlust von Marktanteilen, wenn Kunden verstärkt günstigere KI-Lösungen von Wettbewerbern nutzen.
Ähnliche Sorgen scheinen auch die Anleger von Adobe umzutreiben. Beobachtern zufolge wirft dessen vorsichtige Umsatzprognose Fragen auf, wie sich der Konzern weiterhin im Wettbewerb behaupten wird.
Adobe sieht sich ebenfalls mit einer Vertrauenskrise bei Investoren konfrontiert, die durch die Auswirkungen der KI ausgelöst wurde. Die Software von Adobe - bekannt für Programme wie Photoshop - galt lange Zeit als Standard für Kreativ- und Marketingprofis. Doch durch generative KI ist es einfacher geworden, visuelle Medien ohne die teuren Produkte des Unternehmens zu erstellen, und viele der beliebten neuen KI-Tools stammen von Wettbewerbern.
Ob SAP den Rückstand bei der KI-Vermarktung aufholt, zeigt sich weniger an Oracles Bilanz oder Adobes Ausblick als an den eigenen Zahlen. Die nächsten Quartalsergebnisse aus Walldorf werden offenlegen, wie schnell das Cloud-Geschäft und die neuen KI-Funktionen tatsächlich wachsen.
Julia Walter, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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