Micron-Aktie nach Kursrekord: Wie günstig ist der Speicherkonzern wirklich?
Nach einem beispiellosen Kurssprung streiten Analysten, ob Micron noch immer zu billig gehandelt wird oder der Markt bereits alles einpreist.
Werte in diesem Artikel
- Analystenhaus fordert komplette Neubewertung des Speichergeschäfts
- Feste Lieferverträge sollen den Speicherzyklus dauerhaft entschärfen
- Trailing- und Forward-KGV klaffen weit auseinander und werfen Fragen auf
Micron Technology hat in den letzten zwölf Monaten einen dreistelligen Kurssprung hingelegt und gilt vielen als Symbol des KI-Speicherbooms. So konnte die Aktie in dem Zeitraum ein Plus von knapp 670 Prozent verzeichnen. Seit Jahresbeginn ging es fast 229 Prozent nach oben. Nach Rekordzahlen im dritten Geschäftsquartal 2026 und einer optimistischen Prognose fürs vierte Quartal fragen sich Analysten und Anleger, ob die Aktie trotz der Rally noch immer unterbewertet ist oder der Markt die Neubewertungsstory bereits vollständig eingepreist hat.
Tatsächlich wirkt die Aktie laut Barron's unglaublich günstig. Der Speicherchip-Hersteller wird laut FactSet mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 6,4 gehandelt, während das durchschnittliche erwartete KGV des PHLX Semiconductor Index bei 20,6 liegt.Rekordquartal und mutige Prognose
Micron Technology meldete für das am 28. Mai 2026 beendete dritte Geschäftsquartal einen Rekordumsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar, nach 23,86 Milliarden US-Dollar im Vorquartal und 9,30 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Für das vierte Geschäftsquartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 50,0 Milliarden US-Dollar sowie eine Bruttomarge von rund 86 Prozent in Aussicht.
Warum Micron nicht mehr wie eine Commodity gehandelt werden soll
Kern der Neubewertungsdebatte sind 16 mehrjährige Liefervereinbarungen, sogenannte Strategic Customer Agreements, die laut Unternehmensangaben rund 20 Prozent des DRAM- und ein Drittel des NAND-Volumens bis in die Kalenderjahre 2026 bis 2030 abdecken. Diese Take-or-Pay-Verträge mit Preisboden und -deckel sollen den historisch stark zyklischen Speichermarkt stabilisieren; Kunden hinterlegten dafür nach Angaben von Fortune insgesamt 22 Milliarden US-Dollar an Bareinlagen und Kreditbriefen als Absicherung.
Micron-CEO Sanjay Mehrotra unterstrich diese Argumentation im Rahmen eines Interviews mit CNBC in der letzten Woche. Mehrotra möchte, dass sich die Sichtweise ändert und dass Speicherchips ihren Status als zyklische Handelsware verlieren. "Speicherchips sind die strategische Infrastruktur für KI. Sie sind keine Handelsware mehr, sondern von hohem Wert".
Tatsächlich ist diese Sichtweise jedoch nicht ganz ohne Risiko, denn nur weil etwas als wertvoll gilt und sich langfristig großer Nachfrage erfreut, heißt dies, Barron's nicht unbedingt, dass es sich nicht um einen Rohstoff handelt - bestes Beispiel hierfür ist Gold.
Stattdessen müsse man herausfinden, ob Speicher mehr als nur ein Rohstoff sind und dies wäre dann der Fall, wenn Kunden von Micron sich weigern würden, auf eine günstigere Alternative wie beispielsweise in China hergestellten Speicher umzusteigen. Noch ist dies für Micron kein Problem, aufgrund der begrenzten Produktionskapazitäten Chinas und politischer Hindernisse. Dennoch gibt es bereits Kunden wie iKonzern Apple, die schon Speicherkomponenten des chinesischen Unternehmens CXMT testen, was darauf hindeutet, dass zumindest ein Teil des Marktes von Micron gefährdet wäre, sollte ein entsprechendes Angebot verfügbar werden.
Analystenstimmen zur Micron-Aktie
Am Kapitalmarkt überwiegt dennoch Zuversicht: Von 31 bei TipRanks erfassten Analysten empfehlen 30 die Aktie zum Kauf, nur einer rät zum Halten, keiner zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei 1.556,55 US-Dollar, die Spanne reicht von 1.100 bis 2.200 US-Dollar.
Ob sich die These der dauerhaften Neubewertung bestätigt, dürfte sich an der nächsten Bilanz zeigen, die laut Terminübersicht voraussichtlich am 29. September ansteht. Bis dahin bleibt offen, wie belastbar die Preisboden-Struktur der Lieferverträge in einer Phase normalisierter Angebotsverhältnisse tatsächlich ist.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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