Deutsche Firmen in Russland wollen harte Antwort auf US-Sanktionen


BERLIN (Dow Jones)--Die deutschen Unternehmen in Russland wünschen sich überwiegend eine harte Reaktion auf die US-Sanktionen gegen das Gaspipelineprojekt Nord Stream 2. 58 Prozent fordern von der EU und der Bundesregierung Gegenmaßnahmen und Gegensanktionen, 39 Prozent setzen auf "diplomatische Proteste", wie aus einer Umfrage der Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) unter knapp 120 Betrieben hervorgeht. "Die Souveränität von Europa sollte immer wahrgenommen und respektiert werden", forderte AHK-Präsident Rainer Seele, zugleich Vorstandsvorsitzender des Ölkonzerns OMV AG.

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23 Prozent der Unternehmen halten die Sanktionen der Vereinigten Staaten als auch die der EU gegen Russland als größten Störfaktor für die Geschäftslage in Russland. Generell überwiegt bei den Unternehmen in Russland aber die Sorge um die Konjunkturentwicklung (68 Prozent) angesichts der Corona-Pandemie. Schwankungen im Wechselkurs (61 Prozent) und Bürokratie (37 Prozent) werden ebenfalls als drängendere Probleme angesehen als die Sanktionen. Auch beobachten die AHK-Mitglieder eine teils starke Zunahme (82 Prozent) der chinesischen Konkurrenz auf dem russischen Markt.

Insgesamt sehen die Firmen in der Krise pessimistisch in die Zukunft. 59 Prozent der Befragten erwarten, dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr um mindestens zehn Prozent abstürzen wird. 28 Prozent schätzend die Geschäftslage in ihrem Unternehmen als schlecht oder sehr schlecht ein, 39 Prozent als befriedigend, 26 Prozent als gut. Entlassungen planen bis Jahresende 28 Prozent der Betriebe, Neueinstellungen nur 13 Prozent. Nur ein Drittel will in den kommenden zwölf Monaten weiter investieren in Russland.

Die größten Entwicklungsmöglichkeiten sehen die Unternehmen in den Sektoren Maschinen- und Anlagenbau (55 Prozent) und bei den erneuerbaren beziehungsweise klassischen Energien (je 42 Prozent). Am Boden liegen der Einzelhandel (0 Prozent), die Beratungsdienstleistungen (1 Prozent) und die Bauwirtschaft (3 Prozent). Zumindest bei der Automobilindustrie gibt es einen Lichtblick: Seine Prognose für das zweite Halbjahr sei "verhalten optimistisch", erklärte der Präsident der BMW Group Russia, Stefan Teuchert. "BMW hat sich in den letzten Jahren überwiegend positiv entwickelt."

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Kontakt zur Autorin: petra.sorge@wsj.com

DJG/pso/mgo

(END) Dow Jones Newswires

June 30, 2020 06:12 ET (10:12 GMT)

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