Digitalverband sieht Dämpfer für Digitalisierung der Wirtschaft
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Der Ukraine-Krieg, eine Unterbrechung von Lieferketten, steigende Energiekosten und eine beschleunigte Inflation drohen der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom einen Dämpfer zu geben. So habe in 94 Prozent der Unternehmen die Digitalisierung zwar durch die Coronavirus-Pandemie an Bedeutung gewonnen, aber 95 Prozent erwarteten, dass Störungen in den Lieferketten nun die Digitalisierung bremsen würden. 92 Prozent haben diese Sorge laut dem Verband aufgrund der hohen Inflationsrate, 78 Prozent wegen steigender Energiekosten und 57 Prozent aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine.
Zugleich gehen den Angaben zufolge 69 Prozent in der Befragung von 604 Unternehmen davon aus, dass in fünf Jahren digitale Geschäftsmodelle von sehr großer Bedeutung oder sogar entscheidend für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg sein werden. "Digitalisierung ist das beste Mittel für Widerstandsfähigkeit und Resilienz gegenüber Krisen jeder Art", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. "Wir müssen alles daransetzen, dass die in der Pandemie erzielten Digitalisierungs-Fortschritte in der Pandemie jetzt nicht verpuffen, sondern nachgehalten und verstärkt werden."
Bei der Beschäftigung mit zukunftsweisenden digitalen Technologien sei die deutsche Wirtschaft zuletzt gut vorangekommen. So hätten 74 Prozent der Unternehmen angegeben, Datenanalyse und Big Data zu nutzen, den Einsatz zu planen oder darüber zu diskutieren - vor zwei Jahren waren es laut Bitkom erst 62 Prozent. Fast alle Unternehmen hätten in den vergangenen fünf Jahren ihr Angebot digitalisiert. So gaben 10 Prozent demnach an, neue digitale Produkte auf den Markt gebracht zu haben, bestehende Produkte haben 7 Prozent durch digitale ersetzt und 14 Prozent solche mit digitalen ergänzt.
Aktuell würden die Umsätze aber vor allem noch in der analogen Welt gemacht. Nur 5 Prozent der Unternehmen erzielten heute mindestens die Hälfte ihrer Umsätze mit digitalen Produkten und Dienstleistungen, ein Fünftel des Umsatzes oder mehr erreichten 52 Prozent. Es falle Unternehmen immer noch schwer, ganz neue digitale Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Nur 3 Prozent sagten, dies sei sehr leicht, 9 Prozent, es sei eher leicht. Dagegen gaben 33 Prozent an, dies falle ihnen sehr schwer, weiteren 15 Prozent falle es eher schwer. 34 Prozent entwickelten selbst überhaupt keine neuen digitalen Produkte oder Dienstleistungen. Größtes Hemmnis dabei sei fehlende Zeit.
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June 20, 2022 04:44 ET (08:44 GMT)