Oracle-Aktie im Sinkflug: Wie Larry Ellison in zehn Monaten über 200 Milliarden US-Dollar verlor
Der Absturz der Oracle-Aktie hat Larry Ellison binnen weniger Monate Milliarden gekostet, aus Gründen, die tiefer reichen als ein einzelner Kurschart.
Werte in diesem Artikel
- Larry Ellisons Vermögen sank binnen zehn Monaten um 213 Milliarden US-Dollar
- S&P Global stufte Oracles Kreditrating wegen hoher Investitionen herab
- Kritiker vergleichen OpenAI mit Lehman Brothers von 2008
Die Oracle-Aktie hat seit Jahresbeginn bereits über ein Drittel ihres Werts eingebüßt, auf Sicht von zwölf Monaten hat sie sich sogar fast halbiert (Stand: 23.07.2026). Mit diesem Kurseinbruch rückt auch der Vermögensverfall von Firmengründer Larry Ellison zurück ins Rampenlicht.
Ellisons Vermögen schmilzt in Rekordtempo
Ellisons Vermögen erreichte im September 2025 mit rund 388 Milliarden US-Dollar seinen Höchststand, berichtete Yahoo Finance unter Berufung auf den Bloomberg Billionaires Index. Damals war er nach Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk der zweitreichste Mensch der Welt. Seither fiel sein Vermögen auf etwa 166 Milliarden US-Dollar. Damit rutschte Ellison im Bloomberg-Ranking auf Platz acht ab (Stand: 23.07.2026).
Parallel zum Kursverfall unterstützt Ellison die Übernahmeofferte seines Sohnes David für die Warner Bros. Discovery-Aktie durch dessen Medienkonzern Paramount Skydance. Der schrumpfende Depotwert seiner Oracle-Beteiligung schränkt damit ausgerechnet in einer finanziell heiklen Phase seinen Spielraum als Geldgeber ein.
Rating-Herabstufung wirft Schatten auf die Bilanz
Verstärkt wurde die Kursschwäche jüngst durch eine Herabstufung des S&P Global Ratings von BBB auf BBB-, nur noch eine Stufe über dem Ramschniveau. Die Ratingagentur begründete den Schritt mit deutlich höheren Investitionsausgaben von 90 bis 95 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027 und einem auf etwa 42 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppelten Defizit beim freien operativen Cashflow.
Oracle trägt inzwischen rund 167 Milliarden US-Dollar Schulden, und rund die Hälfte der noch nicht abgerechneten Auftragsverpflichtungen entfällt allein auf OpenAI. Bleibt die Nachfrage des KI-Entwicklers hinter den Erwartungen zurück, träfe das Oracle nach Einschätzung von S&P deutlich härter als einen breiter aufgestellten Softwarekonzern.
Die Sorge vor einer KI-Blase wächst
Eine weitere Wortmeldung von Ed Zitron verschärfte die Stimmung zusätzlich. Der Technologieanalyst bezeichnete OpenAI laut Business Insider als die Lehman Brothers der KI-Blase und warnte, ein Scheitern des ChatGPT-Entwicklers könnte weite Teile der Finanzmärkte erschüttern. Nach seiner Einschätzung stellen die aktuellen KI-Investitionen die größte Fehlallokation von Kapital in der Geschichte dar.
Besonders verwundbar sieht Zitron Infrastrukturanbieter wie Oracle und CoreWeave, die massiv in Rechenzentren für OpenAIs Rechenlast investiert haben. Sollte OpenAI Zahlungen einstellen oder die kostenlose ChatGPT-Version aufgeben, drohten diesen Unternehmen nach seiner Lesart eigene Zahlungsschwierigkeiten. Einen Zeitpunkt für ein mögliches Scheitern nennt Zitron aber ausdrücklich nicht.
Analysten bleiben trotz des Kursverfalls optimistisch
Trotz des massiven Kursrückgangs bleibt die Mehrheit der Wall-Street-Analystengemeinschaft optimistisch gegenüber Oracle. Daten von TipRanks zeigen insgesamt ein Strong Buy, wobei 28 Analysten eine Buy- und vier Analysten eine Hold-Empfehlung abgeben, während keiner zum Verkaufen rät.
Ein belastbarer nächster Prüfstein für diesen Widerspruch dürfte der geplante Börsengang von OpenAI sein. Erst die dabei offengelegten Finanzkennzahlen werden zeigen, wie tragfähig die Abhängigkeit der Infrastrukturanbieter von einem einzigen Kunden tatsächlich ist, und damit auch, ob sich Ellisons Vermögen wieder erholen kann.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar.
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