EZB/Enria: Einlagensicherung kommt nicht in nächsten drei Jahren
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die von der EU-Kommission vorgesehene gemeinsame Sicherung von Bankeinlagen im Euroraum (European Deposit Insurance Scheme - Edis) wird nach Einschätzung des Chefs der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, vorerst nicht kommen. "Wir wissen, dass ein voll entwickeltes Edis das Ziel sein sollte, aber wir wissen auch, dass das für die nächsten Monate oder Jahre nicht zu erwarten ist", sagte Enria bei der virtuell stattfindenden Euro Finance Week. Er fügte hinzu: "Mein Mandat endet in etwas mehr als drei Jahren, und ich bezweifle, dass es bis dahin ein voll funktionierendes Edis geben wird."
Aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) fehlt damit der aus gemeinsamer Bankenaufsicht und Bankenabwicklungsbehörde bestehenden Bankenunion ein entscheidendes Element. Zwar hat sich laut Enria die Integration des europäischen Bankenmarkts während der Corona-Krise im Gegensatz zu früheren Krisen nicht verschlechtert, doch besteht aus seiner Sicht immer noch das Risiko, dass grenzübergreifend tätige Bankengruppen Kapital und Liquidität im Falle einer Krise nicht an den nötigen Orten einsetzen können.
"So lange Einlagensicherungssysteme eine rein nationale Angelegenheit bleiben, haben die Mitgliedsstaaten einen Anreiz, ihre Bankensektoren abzuschotten ("ring-fence"), sagte Enria. Bis zur Installation einer gemeinsamen Einlagensicherung könnte dieser Anreiz geschwächt werden, indem Bankengruppen sich in ihren Sanierungsplänen verbindlich verpflichten, ihren ausländischen Töchtern im Krisenfall mit Liquidität beizuspringen.
Enria schlug vor, hierfür Liquiditätsindikatoren zu etablieren, die Liquidität auf Konzernebene zu poolen und der Bankenaufsicht ein Mitspracherecht bei der Aktivierung von Liquiditätshilfen zu geben. Gegenwärtig müssen die von der EZB beaufsichtigten Banken nach seiner Schätzung rund 200 Milliarden Euro bei ihren Auslandstöchtern vorhalten, um die aufsichtlichen Liquiditätskennziffern zu erfüllen.
Das macht das Liquiditätsmanagement ineffizient, was aus Sicht der Banken und der EZB ein Hindernis für eine grenzüberschreitende Konsolidierung des Bankenmarkts ist.
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November 18, 2020 05:00 ET (10:00 GMT)