Moderna-Aktie mit Kursfeuerwerk: Krebsimpfstoff erreicht entscheidende Studienphase
Ein gemeinsames Krebsimpfstoff-Projekt von Moderna und Merck rückt in den Fokus, während Anleger auf entscheidende Studiendaten warten.
Werte in diesem Artikel
- Krebsimpfstoff von Moderna und Merck erreicht entscheidende Studienphase
- Fünf-Jahres-Daten zeigen reduziertes Rückfallrisiko bei Melanom-Patienten
- Analysten bei Moderna uneins Kursziele reichen von 39 bis 77 US-Dollar
Moderna und der US-Pharmakonzern Merck & Co. verkünden einen Erfolg in der klinischen Entwicklung ihres gemeinsamen Krebsimpfstoffs: Die Kombination aus dem individualisierten mRNA-Präparat "intismeran autogene" und dem Merck-Wirkstoff Keytruda hat in einer Studie der Phase 3 das Risiko eines Rückfalls bei operiertem malignem Melanom deutlicher gesenkt als eine alleinige Behandlung mit Keytruda. Es ist der erste Erfolg dieser Studienphase für einen Krebsbehandlungsimpfstoff überhaupt, wie Barron's berichtet. An der Börse sorgt die Nachricht für kräftige Kursgewinne bei beiden Werten.
Historischer Erfolg in der Melanom-Studie
Grundlage ist eine Studie mit rund 1.100 Patienten, die nach der operativen Entfernung eines malignen Melanoms entweder ausschließlich mit Keytruda behandelt wurden oder zusätzlich den individualisierten Impfstoff "intismeran autogene" erhielten, wie Barron's berichtet. Die Kombination senkte das Risiko eines Rückfalls oder Todesfalls im Vergleich zur alleinigen Immuntherapie klinisch bedeutsam und statistisch signifikant. Wie es von den Konzernen weiter hieß, trug die Impfung auch dazu bei, die Ausbreitung von Tumoren im Körper zu verhindern. Studienleiterin Georgina Long, Onkologin an der University of Sydney, spricht laut Unternehmensmitteilung von einem "Meilenstein für die adjuvante Melanom-Behandlung". Der Impfstoff wird individuell aus dem Erbgut des jeweiligen Tumors hergestellt und soll dem Immunsystem zeigen, welche Mutationen es gezielt angreifen soll. Moderna und Merck wollen die Daten nun auf einem Fachkongress vorstellen und mit den US-Behörden über eine Zulassung sprechen.
Kurse schießen nach oben
Anleger quittierten die Fortschritte mit einem heftigen Kurssprung von 194,86 Prozent auf 168,60 US-Dollar im Handel an der NASDAQ. Auch die Merck-Aktie legte um 12,62 Prozent auf 152,23 US-Dollar zu.
Damit reagiert der Markt auf die Aussicht, dass sich für Moderna über das bisherige Coronageschäft hinaus ein neues, möglicherweise mehrere Milliarden US-Dollar schweres Geschäftsfeld öffnen könnte. Die Experten von JPMorgan hatten die Therapie jüngst als das wichtigste Produkt in der Pipeline von Moderna bezeichnet. Mit ihr könne dem Unternehmen der Übergang von Impfstoffen gegen Atemwegserkrankungen in das Feld der Onkologie gelingen. Insgesamt steht der Ansatz derzeit in neun Studien gegen verschiedene Krebs-Indikationen und -stadien auf dem Prüfstand.
Für Merck wiederum wäre ein zugelassener Krebsimpfstoff ein wichtiger Baustein, um die absehbaren Umsatzausfälle durch den nahenden Patentablauf von Keytruda abzufedern. Das Krebsmedikament hatte dem Konzern im vergangenen Jahr rund 32 Milliarden US-Dollar Umsatz eingebracht.
Pipeline mit weiterem Potenzial
Die Zusammenarbeit reicht über das Melanom hinaus. Moderna und Merck testen die Kombination aus intismeran autogene und Keytruda auch bei Lungen-, Blasen-, Nieren-, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, wie Barron's berichtet. Schon im Juni hatten die beiden Unternehmen Daten aus der vorangegangenen klinischen Studie der zweiten Phase vorgelegt, die einen Rückblick nach fünf Jahren zeigten: Rückfälle oder Todesfälle bei Melanom-Patienten hatten sich durch die Kombinationstherapie demnach etwa halbiert. Der Impfstoff wird für jeden Patienten einzeln aus dem Erbgut des eigenen Tumors gefertigt.
Als nächstes stehen die detaillierten Studiendaten im Fokus, die Moderna und Merck auf einem noch zu benennenden Fachkongress präsentieren wollen. Parallel laufen Gespräche mit der US-Arzneimittelbehörde FDA über eine Zulassung der Kombinationstherapie. Die Studie soll unterdessen weitergehen, dabei rücken weitere wichtige sekundäre Endpunkte wie etwa das Gesamtüberleben der Patienten ins Visier.
Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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