Moderna-Aktie mit kräftigem Kursplus: Warum BioNTech-Anleger jetzt genauer hinschauen sollten
Drei angenommene Studien-Abstracts zur ESMO-Jahrestagung Ende Oktober lassen die Moderna-Aktie kräftig steigen, während BioNTech nach einem Rückschlag zurückbleibt.
Werte in diesem Artikel
- Positive Studienaussichten beflügeln die Stimmung rund um Krebsimpfstoffe
- Anleger reagieren optimistisch
- BioNTech-Anleger blicken nach eigenem Studienrückschlag auf die Konkurrenz
Der Biopharma-Konzern Moderna hat mit der Ankündigung neuer Studiendaten zum Krebsimpfstoff intismeran autogene für einen kräftigen Kursschub gesorgt. Für BioNTech-Anleger ist die Nachricht deshalb relevant, weil beide Unternehmen an ähnlichen individualisierten mRNA-Ansätzen arbeiten, BioNTech zuletzt aber einen Rückschlag bei einer eigenen Studie hinnehmen musste.
Moderna-Aktie: ESMO-Daten treiben den Kurs
Moderna gab am Montag bekannt, dass drei Abstracts zu intismeran autogene für den ESMO-Kongress angenommen wurden, der vom 23. bis 27. Oktober 2026 in Madrid stattfinden wird. Die wichtigste Präsentation betrifft eine Phase-3-Studie zur Kombination von intismeran autogene und Pembrolizumab als adjuvante Behandlung bei reseziertem Melanom, die am 24. Oktober im Rahmen eines Presidential Symposiums vorgestellt werden soll. Eine frühe Datenauswertung hatte bereits gezeigt, dass die Kombination das Wiederauftreten von Krebs wirksamer verhinderte als die Immuntherapie allein. Weitere Präsentationen befassen sich mit dem Impfstoff in Kombination mit Chemotherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie mit einer Phase-3-Studie bei frühem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.
Die Moderna-Aktie legte am Montag an der NASDAQ 12,2 Prozent auf etwa 172 US-Dollar zu. Am Dienstag gewann sie letztlich weitere 5,56 Prozent auf 182,56 US-Dollar. Die Merck-Aktie, deren Kooperationspartner Moderna bei intismeran autogene ist, gewann rund 1,8 Prozent hinzu und zeigte sich am Dienstag 0,94 Prozent höher bei 150,91 US-Dollar.
Im Windschatten ging es für die BioNTech-Aktie am Montag – allerdings deutlich überschaubarer – ebenfalls nach oben. Die Titel gewannen 2,02 Prozent auf 98 US-Dollar, am Dienstag schloss sie 2,93 Prozent fester bei 100,87 US-Dollar.
BioNTechs Rückschlag bei der Darmkrebsstudie
Der BioNTech-Konzern, der ebenfalls mit Schwerpunkt auf individualisierten mRNA-Krebstherapien tätig ist, hatte seinerseits Ende August die Einstellung seiner Phase-2-Studie BNT122-01 zu autogene cevumeran bei ctDNA-positivem, reseziertem kolorektalem Karzinom bekanntgegeben. Der gemeinsam mit Genentech entwickelte Wirkstoff wurde in der Studie als Monotherapie ohne begleitende Checkpoint-Inhibition getestet. Laut BioNTech hatte das unabhängige Sicherheitsgremium DSMB ein numerisches Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben zwischen den Behandlungsarmen festgestellt und eine Fortführung als voraussichtlich ergebnisneutral eingestuft, neue Sicherheitssignale seien nicht aufgetreten. BioNTech-Mitgründerin und Chief Medical Officer Özlem Türeci erklärte, das Ergebnis sei nicht das, was sich das Unternehmen für mRNA als Monotherapie bei Darmkrebs erhofft habe, liefere aber wissenschaftliche Erkenntnisse für künftige Kombinationsansätze.
Die Experten von JPMorgan zeigten sich von dieser Entscheidung nicht überrascht, da das DSMB bereits im Vorjahr unverbindlich zur Beendigung geraten habe. BioNTech hatte die Studie damals jedoch fortgesetzt, weil die Daten noch nicht ausreichend ausgereift waren und keine Sicherheitsbedenken bestanden. An der grundsätzlichen Einschätzung zu BioNTech änderte die Nachricht laut dem Analystenhaus nichts.
Was das für BioNTech-Anleger bedeutet
Trotz des Abbruchs der Darmkrebsstudie setzt BioNTech die Entwicklung von Autogene Cevumeran bei Bauchspeicheldrüsenkrebs fort. Allerdings wachsen laut JPMorgan die Zweifel an einem positiven Studienergebnis bei dieser Indikation: Sowohl Pankreaskarzinome als auch Darmkrebs gelten als immunologisch "kalte" Tumoren, die auf Immuntherapien schwer ansprechen. Melanome hingegen zählen zu den "heißen" Tumortypen mit hoher Immunogenität. In diesem Bereich konnten Moderna und Merck mit der Kombination ihres mRNA-Impfstoffs und Keytruda bereits positive Studienergebnisse erzielen.
Der Investoren-Webcast von Moderna zu den ESMO-Daten sowie der Kongress selbst dürften in den kommenden Wochen zeigen, ob sich die positive Kursreaktion fundamental untermauern lässt.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Benedict Kurschat, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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